
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Pflückreife Ende September bis Anfang Oktober, Genussreife November bis März/April.
Herkunft
Der Dorheimer Streifling ist eine hessische Lokalsorte, die in Friedberg-Dorheim im Wetteraukreis beheimatet ist. Über die Herkunft und Entstehung ist nichts bekannt, lediglich mündliche Überlieferungen von älteren Mitbürgern zeugen von seiner Existenz. Die einzige schriftliche Dokumentation findet sich in der Zeitschrift ,,Das Gartenjahr" (Schmidt 1949) in einem Bericht über die Wertprüfung von 31 hessischen Lokal- und Regionalsorten aus dem Jahr 1944. Nachdem das Wissen um den Dorheimer Streifling verloren ging, galt die Sorte lange Zeit als verschollen. Erst 1995 konnte sie durch das Engagement der örtlichen Naturschutzgruppe unter Leitung von Gerd Bauschmann infolge eines Zeitungsaufrufs an mehreren Stellen in der Gemarkung wiederentdeckt und durch heutige Pomologen bestätigt werden. 2009 wurde der Dorheimer Streifling zur ,,Hessischen Lokalsorte des Jahres" gewählt und ist seither in Sortenerhaltungsprojekten und Sammlungen inventarisiert.
Verbreitung
Die Sorte ist lokal in der Wetterau, insbesondere in und um Dorheim verbreitet. Darüber hinaus ist der Apfel auch in einzelnen Sortensammlungen und Lehrpfaden wie z. B. im Freilichtmuseum Hessenpark oder auf der ,,Hessenwiese" in Marburg-Michelbach gepflanzt und erhalten.
Frucht
Die Frucht ist mittelgroß, kugel- bis kegelförmig, zum Kelch konisch oder teils leicht eingeschnürt, ungleichhälftig, stielbauchig, im Querschnitt schwach kantig.
Die Schale ist glatt und trocken, im Lager schwach fettig werdend. Die Grundfarbe ist gelbgrün bis strohgelb, die Deckfarbe ist überwiegend dunkelrot gestreift, dazwischen gesprenkelt bis verwaschen rot. Schalenpunkte vereinzelt hell bis grau, vereinzelt sind kleine Rostfiguren zu finden. Die Schale ist druckfest und schwach duftend.
Die Kelchgrube ist leicht eingesenkt, von schwachen Falten und Wülsten umgeben. Der Kelch ist klein, geschlossen, die Blättchen sind schmal, dicht zusammengedrängt und filzig.
Die Stielgrube ist mitteltief und eng, nur graubraun gefärbt. Der Stiel ist mittellang und holzig.
Das Kernhaus liegt in der Fruchtmitte, die Achsenhöhle ist offen, die Kernkammern sind weit und die Wände breit sichelförmig, teils wattig gerissen. Die Kerne sind gut ausgebildet, klein und rundlich sowie schwarzbraun gefärbt.
Das Fruchtfleisch ist gelblichweiß, fest, feinzellig, saftig, gut gewürzt bzw. aromatisch. Es duftet angenehm.
Die Schale ist glatt und trocken, im Lager schwach fettig werdend. Die Grundfarbe ist gelbgrün bis strohgelb, die Deckfarbe ist überwiegend dunkelrot gestreift, dazwischen gesprenkelt bis verwaschen rot. Schalenpunkte vereinzelt hell bis grau, vereinzelt sind kleine Rostfiguren zu finden. Die Schale ist druckfest und schwach duftend.
Die Kelchgrube ist leicht eingesenkt, von schwachen Falten und Wülsten umgeben. Der Kelch ist klein, geschlossen, die Blättchen sind schmal, dicht zusammengedrängt und filzig.
Die Stielgrube ist mitteltief und eng, nur graubraun gefärbt. Der Stiel ist mittellang und holzig.
Das Kernhaus liegt in der Fruchtmitte, die Achsenhöhle ist offen, die Kernkammern sind weit und die Wände breit sichelförmig, teils wattig gerissen. Die Kerne sind gut ausgebildet, klein und rundlich sowie schwarzbraun gefärbt.
Das Fruchtfleisch ist gelblichweiß, fest, feinzellig, saftig, gut gewürzt bzw. aromatisch. Es duftet angenehm.
Baum
Der Wuchs ist mittelstark, die Leitäste gehen schräg aufrecht, später überhängend. Die Fruchtäste sind dünntriebig. Aufgrund des anfänglich schwachen Wuchses eignet sich die Sorte besonders zum Umveredeln von älteren Bäumen. Ein regelmäßiger Auslichtungsschnitt ist erforderlich. Die Blüte ist mittelfrüh und frosthart. Die Erträge sind hoch und regelmäßig, im Alter alternierend.
Verwechsler
Gewürzluiken - dieser ist meist gleichmäßiger gebaut, die Deckfarbe in der Regel kräftiger, Schalenpunkte auffälliger. Die Stielgrube ist zimtfarbig berostet. Das Fruchtfleisch ist heller, gröber und säuerlich.
Anbaueignung
Den Erfahrungen nach stellt die Sorte keine besonderen Ansprüche an den Boden und das Klima, d. h. alle landwirtschaftlichen Kulturböden und nährstoffreiche Hausgärten sind geeignet. Die Sorte ist allgemein robust und widerstandsfähig. Eine Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen ist bisher nicht bekannt. Es handelt sich um einen sehr guten Tafel- und Wirtschaftsapfel, zum Frischverzehr ab November, für die häusliche Verwendung zu Saft, Mus und Obstsalat. Der Dorheimer Streifling ist eine erhaltenswerte Liebhabersorte mit guten Lagereigenschaften und hervorragendem Aroma.
Fruchtfotos
Baum in Blüte/Winter
Laub
Literatur
Schmidt, H. (1949): Hessische Lokalsorten, in: Das Gartenjahr, Jhg. 4, 7/1949, S. 116
Bauschmann, G.; Kahl, S. (1997): Alte Sorten neu entdeckt - Der Dorheimer Streifling, in: Apfelpost, 1/1997, Wetzlar, S. 19
Kahl, S. (1988/99): Die guten alten Äpfel - Dorheimer Streifling, NZH-Projekt GmbH (Hrsg.), Serie 2, Illustration: Berthold Faust
Kahl, S. (2002): Verzeichnis hessischer Regional- und Lokalsorten, NZH-Projekt GmbH (Hrsg.), Wetzlar, S. 4
Kahl, S. (2008): Hessische Lokalsorte des Jahres 2009 - Dorheimer Streifling. Pomologen-Verein, Landesgruppe Hessen (Hrsg.), Faltblatt
Kahl, S. (2009): Dorheimer Streifling - Hessische Lokalsorte 2009, in: Jahresheft Pomologen-Verein e. V., Bonn, S. 133-135
Kahl, S.; Scheibel, R. (2023): Erhaltenswerte Obstsorten für Hessen, 6. Aufl., S. 50/51