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Kleiner Langstiel

Verfasst von Hans-Thomas Bosch am 23 Juni 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Studioaufnahme
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Regionalsorte
nein
Reifezeit
Anfang bis Mitte Oktober pflückreif und bis März/April haltbar.
Herkunft
Die erste Beschreibung der Sorte geht auf Diel (1804) zurück. Der Autor führt an, dass er für die Sorte keine Literaturquelle kennt und ihm auch zur Herkunft des Apfels nichts bekannt ist. Er verweist lediglich darauf, dass er Reiser der Sorte 1774 aus Halle erhielt, wo sie bereits eine verbreitete und beliebte Sorte war ("Volksapfel").
Damit dürfte die Entstehung der Sorte auf mindestens Mitte des 18. Jahrhunderts fallen. Auch in späteren Pomologien gibt es keine konkreteren Informationen zur genauen Herkunft und zur Entstehungszeit der Sorte.
Verbreitung
Für Deutschland trägt Eduard Lucas sehr früh zur Verbreitung der Sorte bei. In seinem Buch über die Kernobstsorten Württembergs von 1854 erwähnt er als Verbreitungsschwerpunkt die Bestände um Hohenheim bei Stuttgart.
Bereits ein Jahr später übernimmt Lucas die Sorte in den ersten Band der Schrift "Illustrirtes Handbuch der Obstkunde (Lucas/Oberdieck 1855).
1858 wird sie als Teil eines von Lucas für Württemberg ausgewählten Hauptsortiments mit 28 weiteren Apfelsorten beschrieben und farbig abgebildet.
Lucas bemüht sich sehr um die Verbreitung der Sorte. Den von Diel genannten Sortennamen 'Blauschwanz' ändert er in seiner Veröffentlichung von 1854 in 'Bedufteter Langstiel' und 1858 verwendet er den bis heute verbreiteten Namen 'Kleiner Langstiel', da er sich davon eine bessere Annahme der Sorte bei den Anbauern versprach.
Gleichzeitig empfiehlt Lucas 1858 die Sorte als herausragend für eine Pflanzung an Straßen und Feldwegen (aufstrebender Wuchs, späte Reife, wenig attraktives Äußeres).
In der das Sortiment bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts stark prägenden Pomologie "Deutschlands Obstsorten" wird der Kleine Langstiel nicht mehr berücksichtigt und es ist anzunehmen, dass sie dann auch kaum mehr angebaut wurde. Dafür spricht auch, dass in Beständen erfasste Bäume der Sorte überwiegend sehr alt sind. Anzunehmen ist auch, dass ihr Verbreitungsschwerpunkt im württembergischen Teil Baden-Württembergs liegt.
In Sortenerfassungen im südwestlichen Bayern fanden sich nur sehr wenige Bäume, deren Standorte dann auch direkt an Baden-Württemberg angrenzten.
Frucht
kleine Früchte, flach kegelförmig, etwas schief und im Relief ziemlich ebenmäßig;
mittel druckfest; Schale glatt bis trocken;
Grundfarbe mattgelb, Deckfarbe trübes rot, teils wie gefleckt verdichtet, nur schwach deckend und meist nur mäßig ausgedehnt; häufig schwach bereift, führt zu bläulich rotem Farbenspiel;
Schalenpunkte auf Grundfarbe weiß, auf Deckfarbe rötlich umflossen, teils punktförmig verkorkt, zahlreich; Rostspuren in der Kelchgrube, ebenso in der Stielgrube;
Stiel variabel, teils sehr lang, aber auch deutlich kürzer;
Kelchgrube weit, mitteltief bis flach; vereinzelt mit feinen Nähten; Kelch relativ groß, offen bis halboffen;
Kelchhöhle klein; Kernhauslage stielseits; Achse geschlossen; Kernhauswände glatt;
Kerne klein, breit eiförmig, kastanien- bis schwarzbraun, etwas weißlich gestrichelt;
Fleisch mittelfest, weißlich;
mild süßlich, nur mäßig säuerlich; mittleres Aroma, etwas würzig, schmackhaft;

Besondere Merkmale:
kleine Früchte mit hin und wieder sehr langem Stiel; weite Kelchgrube mit relativ großem, meist offenem Kelch; schwach trübrot gefärbt; kleine, etwas gestrichelte Kerne; schmackhaft; Baum aufstrebend mit schlanken Jahrestrieben; späte Blüte

Baum
wächst mittelstark, zumindest in der Jugendphase; steil nach oben strebende Hauptachsen und dadurch auffällig pyramidales Kronenbild; feintriebig; späte Blüte; Schaal (1930-1933) hebt ebenfalls die hohen, sich locker aufbauenden Kronen hervor und beschreibt den Baum als anspruchslos und unempfindlich
Verwechsler
Edelborsdorfer (berostet sich deutlicher an den Fruchtseiten und insbesondere konzentrisch in Kelchgrube; aromatischer)

Engelsberger (etwas größere Früchte; grünlichere Grundfarbe, nahezu ohne Deckfarbe; deutlich säuerlicher)

Spätblühender Taffetapfel (deutlich kleinerer Kelch und deutlich saurer; deutlich früher reif und kaum lagerfähig)
Anbaueignung
Schaal (1930-1933) empfiehlt die Sorte als robusten Straßenbaum und auch für raue Lagen (vermutlich auch der späten Blüte wegen), worauf auch Eduard Lucas (1858) bereits abhob ("… eine Sorte, die sich besser als hundert andere zur Bepflanzung von Straßen … eignet.").
Fruchtfotos
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Früchte am Baum
Früchte am Baum
Baum im Laub
Baum im Laub
Baum in Blüte/Winter
Baum im Winter
Jungbaum
Jungbaum
Triebe
Ertragsbaum
Literatur
Diel, A. F. A. (1804): Versuch einer systematischen Beschreibung in Deutschland vorhandener Kernobstsorten. Heft 10 (6. Heft Äpfel). Frankfurt a. M. S. 270.
Lucas, Ed. (1854): Die Kernobstsorten Württembergs. Stuttgart 1854. S. 138.
Lucas, Ed. und Oberdieck, J. G. C. (1855): Illustrirtes Handbuch der Obstkunde. Erster Band. Aepfel. Stuttgart und Ravensburg. S. 189, Nr. 72.
Lucas, E. (1858): Abbildungen Württembergischer Obstsorten. Stuttgart. S. 32 und Tafel VI.
Schaal, G. (1930-1933): Die wertvollsten Apfel- und Birnensorten. Band 1. Nachdruck. Recklinghausen 1997. S. 21.

Reiserabgabe

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Deutschland
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