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Prinzess Noble (Westfalen)

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 11 Juli 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Prinzess Noble (Westfalen)
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Synonyme
Ravensberger Princess Noble
Reifezeit
Pflückreife etwa Anfang bis Mitte Oktober. Bei Lagerung in einem guten Naturlager sind die Früchte bis etwa Ende Dezember genussfähig.
Herkunft
Die hier beschriebene Apfelsorte Prinzess Noble ist – ähnlich wie die Apfelsorte Ravensberger – eine typische Lokalsorte des Ravensberger Hügellandes. Wie jener war sie in und um Bielefeld, im Altkreis Halle/Westfalen, in den Kreisen Gütersloh, Herford und auch im Mindener Land verbreitet und bei Kennern wegen ihres feinen Geschmacks beliebt.

Der hier beschriebene Prinzess Noble ist nicht identisch mit einer ebenfalls „Prinzess Noble“ genannten Sorte, die in Holland sowie im Norden Deutschlands früher weit verbreitet war. Während jene in verschiedenen Obstsortenwerken früherer Zeit als Alantapfel oder (Holländischer) Prinzess Noble ausführlich beschrieben worden ist, gibt es vom Prinzess Noble des Ravensberger Hügellandes praktisch keine schriftlichen Zeugnisse.

Einzig ein Bericht aus der „Deutschen Obstbauzeitung“ über eine Obst- und Gemüseausstellung des Obst- und Gartenbauvereins Herford am 22.-24. Oktober 1910 erwähnt die dort ausgestellten Lokalsorten, unter anderem den „Ravensberger Prinzess Noble“. Die Sorte „verdient es, an erster Stelle erwähnt zu werden. Sie ist ein Tafelapfel von fein müskiertem, vorzüglichem, angenehm aromatischem Geschmack. Reife Ende November bis Dezember“. Sie sei „in Westfalen überall sehr verbreitet. Der Baum ist nicht sehr starkwüchsig und muß deshalb auf starkwüchsigen Zwischenveredelungen in der Krone gepfropft werden.“ (DOZ, 15.11.1910, S. 386).

Aufgrund molekulargenetischer Fingerprints hat sich erwiesen, dass der Westfälische Prinzess Noble eine Tochtersorte des Prinzenapfels ist (dem er auch etwas ähnlich sieht).
Verbreitung
Weil die Bäume dieses Ravensberger Prinzess Noble nicht besonders starkwüchsig und langlebig sind, ist die Sorte trotz ihrer einstigen Beliebtheit von den Streuobstwiesen inzwischen weitgehend verschwunden – auch weil sie in den Baumschulen der Region schon Jahrzehnte nicht mehr erhältlich war.

Aus diesem Grund hat die Biologische Station Ravensberg im Kreis Herford die Sorte in den 2000er Jahren gezielt vermehren lassen. Reiser Prinzess Noble (Westfalen) sind inzwischen auch wieder im Reisermuttergarten Bonn der ORG GmbH erhältlich.
Frucht
Frucht mittelgroß, bei vollem Behang oder älteren Bäumen klein, hochgebaut kegelförmig, oft schief, zum Kelch hin konisch verjüngt, stiel- und kelchseits abgeplattet. Im Querschnitt unregelmäßig rund,teils etwas oval. In der Pflückreife fest, gering druckanfällig. Die Schale ist trocken, mattglänzend, teils stumpf, ohne Glanz, trocken; dünn, beim Verzehr nicht störend.

Grundfarbe trüb grasig grün bis gelblich grün. Deckfarbe trüb dunkelrot bis bräunlich rot, punktiert, marmoriert, verwaschen streifig, auf einem Drittel bis fast der ganzen Frucht. Standort- und witterungsabhängig mehr oder minder stark feine Berostungen auf den Fruchtseiten (Deckfarbe teils durchscheinend). Auffallende Schalenpunkte, hell oder berostet, stielseitig groß, lose verteilt, kelchseitig kleiner und zahlreicher.

Stielgrube eng (bis mittelweit), mitteltief (oder flacher), manchmal mit Fleischwulst, der den Stiel etwas seitlich drückt. Seiten steil, fein hell- oder olivbraun berostet (Grund- oder Deckfarbe teils durchscheinend). Stiel dünn, mittellang (variabel auch lang, seltener kurz), deutlich aus der Stielgrube ragend.

Kelchgrube mittelweit, mitteltief, teils fast tief. Seiten steil oder mittelsteil, relativ ebenmäßig. Kelchumgebung ebenmäßig, seltener leicht wulstig. Kelch mittelgroß (auch kleiner), halboffen oder geschlossen). Blättchen am Grunde grün, mittellang, teils lang zugespitzt, teils auch abgebrochen.

Kelchhöhle dreieckig oder kurz trichterförmig. Staubfäden tiefständig verwachsen. Kernhaus mittelgroß bis groß, Core-Line eng ums Kernhaus, Achse variabel offen oder geschlossen, Kernhauswände oft sichelförmig, schmal, teils auch mittelbreit, bogenförmig, meist gerissen, Risse teils etwas verpilzt. Kerne klein, oval rundlich oder kurz gespitzt, dunkelbraun bis schwarzbraun, ca. 7 (-8) : 4 mm

Fruchtfleisch baumreif leicht grünlich weiß, in der Genussreife fast weiß, fest, mittelfeinzellig, mittel saftig. Gut besonnte Früchte sehr aromatisch, etwas an Prinzenapfel erinnernd, Schattenfrüchte eher fad. Fruchtfleisch nach Anschnitt gering verbräunend.
Baum
Die Bäume des Ravensberger Prinzess Noble sind eher schwachwüchsig und bilden nur kleine bis mittelgroße pyramidale Kronen.
In der Jugend wächst der Baum zunächst stärker; das Wachstum lässt später unter dem früh einsetzenden Ertrag nach; die schlanktriebige und teils dichte Verzweigung neigt bei unterlassenem Schnitt zum vorzeitigen Abhängen.
Junge Bäume benötigen daher für den zügigen Aufbau eines tragfähigen Astgerüstes einen regelmäßigen Schnitt. Die Leitäste wachsen schräg bis steil aufrecht; sie sollten ggf. abgespreizt und zur Erzielung eines ausreichenden Dickenwachstums regelmäßig angeschnitten werden. Auf schwächer wachsenden Wurzelunterlagen für den Hausgarten veredelt, kann die Sorte auch gut als sogenannte Spindelkrone gezogen werden.
Der Ravensberger Prinzess Noble ist sehr robust gegenüber Obstbaumkrebs und daher auch für schwere Böden geeignet. Auch seine Anfälligkeit für Schorf und Mehltau ist nur gering, so dass er bezüglich des Standorts breit anbaufähig ist.
Für eine gute Ausreifung ihrer aromatischen Früchte benötigt die Sorte einen gut besonnten Standort. Auch benötigen ältere Bäumen der Sorte einen regelmäßigen Verjüngungsschnitt, da sie bei länger unterlassener Schnittpflege zur Kleinfrüchtigkeit neigen.
Die Blüte im Frühjahr zeitigt mittelfrüh bis mittelspät; als diploide Apfelsorte ist der Prinzess Noble grundsätzlich auch ein Befruchter für andere Apfelsorten. Das Laub ist mittelgroß und von dunklem Grün. Die Jahrestriebe sind von einer schwarzbraunen Färbung und sortentypisch auffallend hell punktiert.
Verwechsler
Groninger Krone, Feys Rekord, Prinzenapfel.
Anbaueignung
Beim Westfälischen Prinzess Noble handelt es sich um eine optisch und geschmacklich attraktive Liebhabersorte für Haus- und Kleingarten, die einen sonnigen Standort benötigt und auf der Streuobstwiese (auf Hochstamm) einer regelmäßigen Schnittpflege bedarf, um ausreichend große Kronen zu erzielen und Kleinfrüchtigkeit zu vermeiden.
Fruchtfotos
Prinzess Noble (Westfalen) Studiofoto
Prinzess Noble (Westfalen), geschnittene Frucht
Prinzess Noble (Westfalen)
Literatur
Lorgus (1910): Obst- u. Gemüseausstellung des Obst- und Gartenbauvereins Herford am 22.-24. Oktober 1910. In: Deutsche Obstbauzeitung 1910, S. 385 f.
Bannier, H.J. (2022): Alte Obstsorten - neu entdeckt für Westfalen und Lippe. Hrsg. Stiftung für die Natur Ravensberg (Kirchlengern). 4. Aufl. 2022, S. 39

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