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Sievenicher Mostbirne

Verfasst von Richard Dahlem am 9 Februar 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
ID: 1069
Gefährungsgrad
gefährdet
Regionalsorte
ja
Synonyme
Klötzenbirne.
Reifezeit
Ab Mitte September bis etwa Mitte Oktober.
Herkunft
Die Sievenicher Mostbirne ist vor 1860 als Zufallssämling am Sievenicher Hof bei Trier entstanden und nach diesem benannt.
Verbreitung
Die Sorte wurde erstmals ab 1860 von der renommierten Trierer Baumschule Lambert & Reiter vermehrt und verbreitet.

In der Festschrift zum Pomologenkongress 1873 in Trier hebt Arnold (1874) die Sievenicher Mostbirne als beste Mostbirne des Regierungsbezirkes Trier hervor. Bis dahin galt sie als noch nicht beschriebene Lokalsorte.

W. Schleicher in Löschnig (1913) schreibt, dass die Sievenicher Mostbirne in Österreich nur vereinzelt angepflanzt sei. Allerdings wird hier eine bräunlich gerötete, mittelgroße bis große Frucht beschrieben, so dass diese Beschreibung offensichtlich nicht stimmt.

Der Verbreitungsschwerpunkt heute liegt in der Region Trier sowie im Saarland und in Luxemburg. Die Sievenicher Mostbirne wurde als einzige Mostbirne im Standardwerk ,,Deutschlands Obstsorten" beschrieben, was zu ihrer Verbreitung über ihre Entstehungsregion beigetragen haben dürfte. Sie kommt vereinzelt in allen mitteleuropäischen Regionen vor, in denen Mostbereitung eine Rolle spielt.

Noch im Jahr 1949 wurde die Sievenicher Mostbirne als eine von vier Mostbirnensorten für den Anbau im Regierungsbezirk Koblenz durch die Landwirtschaftskammer Rheinland-Hessen-Nassau empfohlen (Giershausen 1949).
Frucht
Die Früchte der Sievenicher Mostbirne sind mit einem Gewicht zwischen 30 und 70 g für Mostbirnen als klein bis mittelgroß einzustufen. Sie sind kugel- bis kreiselförmig, meist etwas breiter als hoch. Sie hängen oft gedrängt in Büscheln am Baum, was der Sorte das Synonym ,,Klötzenbirne" eingebracht hat.

Die Grundfarbe ist hellgrün. In der Reife hellt sich die Grundfarbe scheckig in ein helles Gelb. Deckfarbe fehlt völlig.

Die Früchte haben eine mittlere Druckfestigkeit. Sie können für die Ernte vom Baum geschüttelt werden und lassen sich gut transportieren.

In einer flachen und schüsselförmigen Kelchgrube sitzen kurze, graufilzige Kelchblätter, die auf der Frucht aufliegen. Sie erinnern dadurch an einen Zahnkranz. Der Kelch ist weit offen.

Die Stiellänge liegt durchschnittlich zwischen 15 und 25 mm. Die Stiele sind im Verhältnis zur Fruchthöhe als kurz einzustufen. Die Stiele sind am Ende verdickt und haben eine typische, hakenförmige, ,,spazierstockartige" Krümmung. Sie sind überwiegend, am Fruchtansatz fast immer grün.

Das Kernhaus ist etwas kelchnäher, die Kernhausachse ist geschlossen. Die Kerne sind eher länglich mit stumpfer Nase an der Kuppe.

Das Fruchtfleisch ist gelblichweiß, sehr saftig, zuckerreich und adstringierend.

Zusammenfassung und besondere Merkmale:
- Grundfarbige, flachkugelige Sorte mit überwiegend kurzen, manchmal mittellangen Stielen.
- Früchte meist klein, seltener mittelgroß und mit mittlerer (Mostbirnen-)Reifezeit.
- Kelchblätter zahnkranzartig ausgebildet.
- Stiel am Ende verdickt und spazierstockartig gekrümmt.
Baum
Alte Bäume der Sievenicher Mostbirne haben eine große, runde Krone, die sich aus etwa gleichstarken Gerüstästen aufbaut. Der Mitteltrieb spielt hierbei keine dominierende Rolle. Das kurze Fruchtholz verleiht ihr einen insgesamt kompakten Kronenaufbau. Die Sorte ist sehr landschaftsprägend. Die Blätter sind klein und rundlich, fast ganzrandig und hellgrün gefärbt. Einjährige Triebe haben eine dunkelgraue bis bräunliche Farbe. Sie sind stark und hell punktiert (Bosch in Aendekerk et al. 2016).
Verwechsler
Champagner Bratbirne.
Diese hat jedoch eine deutliche Stielgrube, einen geraden, am Ende nicht verdickten Stiel, deutlicher hervortretende Schalenpunkte und rundlichere Kerne.

Welsche Bratbirne
Diese hat große und filzige Kelchblätter, eine flache Stielgrube, einen geraden Stiel und große, braune, länglich-ovale Kerne.
Anbaueignung
Die Sievenicher Mostbirne ist eine Hochstammsorte für den extensiven Streuobstanbau.

In ,,Deutschlands Obstsorten" werden die Standortansprüche wie folgt charakterisiert:
,,Die Sievenicher Mostbirne bedarf, um starken Wuchs zu erreichen, eines kalkhaltigen, schweren Lehmbodens; eine rauhe Lage sagt ihr mehr zu als wärmere Täler und Schluchten. In den rauhesten Gebirgslagen der Eifel und dort selbst in mageren, dürftigen Bodenverhältnissen, bringt sie noch gute Erträge."

Die Sievenicher Mostbirne ist eine Most- und Brennsorte. Die Verwendung der Sievenicher Mostbirne wird von Dr. Anton Biver, seinerzeit Vorsteher des Gärungslaboratoriums der Staatsackerbauschule Ettelbrück (Luxemburg) treffend beschrieben (Mertz & Tonnar 1933):
,,Unter den Mostbirnen gebührt der Sievenicher Mostbirne die Ehrenstelle! Sie liefert ein sehr gutes, haltbares, sehr wohlschmeckendes und auf Flaschen gezogen stark moussierendes Getränk, das besonders im zweiten Jahre wegen seines weinartigen Geschmackes und seiner wunderschönen, klaren, glänzenden Farbe sehr geschätzt ist. Selten stellt man aber reinen Birnenmost aus dieser Sorte her. Man benützt dieselbe vielmehr als Zusatz zum Apfelmost, da der reiche Gehalt der Früchte an Gerbsäure eine vorzügliche Klärung des Apfelmostes bewirkt."

Die Früchte müssen nach der Ernte zügig verarbeitet werden. Nach einer, spätestens zwei Wochen werden sie teigig und haben dann ihren Wert für Mostzwecke verloren (Deutschlands Obstsorten).

Die Sievenicher Mostbirne ist nach wie vor interessant für die Herstellung guter Obstweine. Sie sollte darüber hinaus aus historischen und genetischen Gründen erhalten und weiterhin bei extensiven Streuobstpflanzungen berücksichtigt werden.
Fruchtfotos
IDs: 1072 & 1069
ID: 1070
ID: 1071
ID: 1072
IDs: 1071 & 1069 bis 1072
Literatur
Aendekerk, R., Bannier, H.-J., Bauer, D., Bosch, H.-T., Dahlem, R. & Thiel, M. (2016): Äpfel und Birnen aus Luxemburg. Luxemburg, Verlag editions revue s. a., 2. Auflage, 224 Seiten.
Arnold (1874): Zusammenstellung der im Regierungsbezirke Trier häufig gebauten Obstsorten. In: Festschrift für den trierischen Pomologen- und Oenologenkongreß, S. 151 - 165. Trier, Verlag der Fr. Linz'schen Buchhandlung.
Dahlem, R. (2014): Einteilung von Mostbirnen in Verwechslergruppen. Oder: Wie gewinne ich den Überblick in einer vielfältigen Sortengruppe. Unveröffentlichtes Manuskript, 8 Seiten.
Giershausen, E. (1949): Obstsorten-Verzeichnis mit Anleitung zum wirtschaftlichen Obstbau. Hrsg.: Landwirtschaftskammer Rheinland-Hessen-Nassau., Abt. Gartenbau. Koblenz, 54 Seiten.
Hartmann, W. (2019): Farbatlas Alte Obstsorten. Ulmer-Verlag, 6. Auflage, 352 Seiten.
Löschnig (1913): Die Mostbirnen. Beschreibung der in Österreich am häufigsten angepflanzten Mostbirnensorten. Hrsg.: Österreichische Obstbau- und Pomologengesellschaft. Wien, Verlag von Friedrich Sperl, 227 Seiten.
Mertz, J. P. & Tonnar, J. (1933): Unsere anbauwürdigsten Obstsorten. Luxemburg, Druck Fr. Bourg-Bourger, 140 Seiten.
Müller, J., Bißmann, O., Poenecke, W., Schindler, O. & Rosenthal, H. (1905-1934): Deutschlands Obstsorten. Stuttgart, Deutschland; Eckstein und Stähle. Lieferung 13, Nr. 156.
Diese Sortenbeschreibung wurde möglich durch eine Spende von:
Alancri Stiftung

Reiserabgabe

Akzessions-Nummer Name Anschrift E-Mail-Adresse
B-2889 Walter Bauer Talstraße 16
66709 Weiskirchen-Rappweiler
Deutschland
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35037 Marburg
Deutschland
norbert.clement@posteo.de
B-2284 Dr. Philipp Eisenbarth Im Röhrich 56
67098 Bad Dürkheim
Deutschland
philipp-eisenbarth@t-online.de
B-1803 Klaus Schmidt Zur Freizeithalle 2
35216 Biedenkopf
Deutschland
kl-schmidt@gmx.net

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gefährdet

stark gefährdet

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