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Lahder Pigeonette

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 13 Juli 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Lahder Pigeonette
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Pflückreife etwa Anfang Oktober, verwendbar sind die Früchte bis etwa Dezember,
Herkunft
Die Apfelsorte Lahder Pigeonette ist lokal im Landkreis Minden-Lübbecke verbreitet. Der Ort Lahde, direkt an der Weser gelegen, gehört heute zur Gemeinde Petershagen, nordöstlich von Minden direkt an der Grenze zu Niedersachsen. Nach mündlichen Angaben von Baumbesitzern sollen die ältesten Bäume der Sorte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Lahde gestanden haben.

Ursprünglich stammt die Lahder Pigeonette jedoch womöglich gar nicht aus der Region. Nach Angaben von Frau Wiebke aus Lahde hat ihr Urgroßvater Reiser dieser Sorte einst im Krieg aus Frankreich (evt. auch aus dem belgischen Wallonien) mitgebracht und auf einen Baum nahe der Lahder Kirche aufveredelt.

Die Namen ‚Pigeon’ oder ‚Pigeonette’ steht im Französischen für die in Deutschland ‚Taubenäpfel’ genannten Apfelsorten; die Namensgebung stammt möglicherweise daher, dass diese Sorten „wegen ihres bläulichen Dufts zuweilen ein Schillern der Farben, wie man es an der Brust mancher Tauben findet, veranlassen“ (Weber, öc.-term.Lex. 1829). Die Benutzung einer solch exotischen Sortenbezeichnung in einer Lahder Bauernfamilie könnte ein Indiz dafür sein, dass die Sorte tatsächlich ein Mitbringsel aus Frankreich war.

Ob die Lahder Pigeonette letztlich etwas zu tun haben kann mit der Sorte Pigeonette, die der französische Pomologe Alfons Mas in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Zeitschrift „Le Verger - histoire, culture et description des variétés de fruits“ abgebildet hat, bleibt fürs Erste ebenso unklar wie eine eventuelle Identität mit einer Pigeonette rouge, die in der Literatur des beginnenden 19. Jahrhunderts erwähnt, aber nicht näher beschrieben wurde
Verbreitung
Die Verbreitung der Lahder Pigeonette blieb auch in den folgenden Jahrzehnten auf den Ort Lahde sowie einige Nachbargemeinden wie Quetzen, Windheim, Ilse oder Wietersheim beschränkt. Ein Baum fand sich allerdings auch im 40 km entfernten Bad Salzuflen.

Heute sind kaum noch Altbäume der Sorte erhalten, die meisten sind in den letzten Jahren durch Alterung oder Sturm oder Grundstücksumnutzung verloren gegangen. Der Obst- und Gartenbauverein Lahde kümmert sich um die Erhaltung der Sorte und hat junge Bäume nachgepflanzt. Auch beim Westfälischen Freilichtmuseum Detmold steht ein junger Baum der Sorte.

In Baumschulen ist die Sorte nicht mehr erhältlich. Reiser können über den örtlichen Obst- und Gartenbauverein in Lahde bezogen werden.
Frucht
Frucht mittelgroß, hochgebaut kegelförmig, zum Kelch hin verjüngt, oft schief. Im Querschnitt unregelmäßig rund bis rundkantig, teils oval; pflückreif fest. Schale glatt, mattglänzend bis glänzend, durch Schalenpunkte aufgerauht, baumfrisch typisch rosa weißlich bereift, mitteldick, mürbe, nicht störend.

Grundfarbe weißlich grün, in der Reife blass weißlich gelb. Deckfarbe typisch rosa purpur, auch rosa oder dunkelrot, flächig, verwaschen, teils auch verwaschen streifig, auf zwei Drittel bis teils vollständig deckfarbig. Schalenpunkte klein, variabel teils wenig auffallend, teils auffallender, berostet. Teils Rostfiguren oder kreisförmige Strichelung auf der Frucht (stielseitig).

Stielgrube mittelweit, tief, Seiten steil abfallend, oft deckfarbig, teils oliv graubräunlich berostet, Berostung fein, teils auch auslaufend, schuppig. Stiel meist kurz, dünn (seltener auch dicker, knopfartig), ragt nicht aus der Stielgrube heraus.

Kelchhöhle klein, trichterförmig, meist mit kurzer feiner Röhre, Staubfäden ausgangs der Röhre verwachsen. Kernhaus klein, mit geschlossener Achse; ‚Core-Line’ oval, mittelweit ums Kernhaus. Kernhauswände schmal ohrenförmig, variabel gerissen oder ungerissen. Kerne knapp mittelgroß, schlank, dunkelbraun (auch getrocknet dunkel bleibend), ca. 7 – 7,5 mm : 4 mm, unten gespitzt.

Fruchtfleisch typisch weiß, fest, mittelfeinzellig, mäßig saftig, anfangs etwas aromatisch, gelagert bald saftarm, gering verbräunend.
Baum
Der Baum der Lahder Pigeonette ist starkwüchsig und bildet mittelgroße bis große, pyramidale oder kugelige Kronen mit im Außenbereich abkippenden Fruchtästen.

Die Sorte ist robust gegenüber den wichtigsten Apfelkrankheiten Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs und daher wenig wählerisch hinsichtlich des Standortes. Als Jungbaum kommt die Sorte relativ früh in den Ertrag und trägt dann reich und regelmäßig.

Baumfoto Altbaum: Heinz Krumme, Bad Salzuflen
Baumfoto Jungbaum: Wilhelm Nahrwold, Petershagen-Lahde

Die Blüte im Frühjahr zeitigt im Vergleich zu anderen Apfelsorten mittelspät. Als wahrscheinlich diploide Sorte ist sie auch ein guter Befruchter für andere Apfelsorten der gleichen Blütezeit.
Verwechsler
Wettringer Taubenafel, Böhmischer Roter Jungfernapfel, Roter Brasilienapfel, Purpurroter Cousinot, Öhringer Blutstreifling, evt. auch Oberländer Himbeerapfel
Anbaueignung
Alles in allem ist die Lahder Pigeonette eine robuste und reichtragende Wirtschaftssorte, deren Früchte vor allem farblich bestechen, aber kaum als Tafelapfel, sondern ausschließlich für die Verarbeitung genutzt werden.
Fruchtfotos
Lahder Pigeonette (Studiofoto)
Lahder Pigeonette (Studiofoto)
Lahder Pigeonette (geschnittene Frucht)
Lahder Pigeonette (geschnittene Frucht)
Lahder Pigeonette (geschnittene Frucht)
Baum in Blüte/Winter
Lahder Pigeonette (Baum)
Jungbaum
Lahder Pigeonette (Baum)
Literatur
In der obstbaulichen Literatur ist die Lahder Pigeonette bisher weder abgebildet noch beschrieben.

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