
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Synonyme
'Küppers Frühkirsche', 'Bopparder Frühe'
Reifezeit
sehr früh, (0.-) 1.-2 Kirschwoche
Herkunft
Es ist nicht geklärt, ob die 'Früheste der Mark' vom Obstzüchter Küpper 1887/1888 in Guben gezüchtet wurde, oder ob sie im Zuge des Krieges 1870/71 aus Frankreich zu Küpper gelangte. Küpper selbst nannte die Sorte zunächst "Küppers Frühkirsche", sie wurde später unter dem Namen 'Früheste der Mark' verbreitet. Es gab Stimmen, die besagten, dass der korrekte Name eigentlich "Früheste von der Mars" bzw. "Früheste des Marktes" gelautet habe (Müller et al. 1905-1934). Möglicherweise soll es sich sogar um die wahre und schon lange verschollene 'Coburger Maiherz' handeln, die Oberdieck 1861 beschrieb und durchaus die 'Früheste der Mark' darstellen könnte. Heute lässt sich diese Gemengelage wohl nicht mehr auflösen.
Verbreitung
In ganz Deutschland finden sich Altbäume der 'Frühesten der Mark', auch wenn es sich zumeist um Einzelbäume handelt (Braun-Lüllemann 2019). Verstärkt angebaut wurde sie bis in die 1950er Jahre nur in den klimatisch wärmeren Regionen am Mittelrhein, in Rheinhessen und der Mark Brandenburg, wo sie noch 1951 empfohlen wurde. (Kemmer 1952). Auch im Kreis Kleve muss die Sorte einst häufig vorgekommen sein, denn 1960 war sie eine der wenigen Standardkirschen, die bei den Baumbestellungen des Obst- und Gartenbauvereines Pfalzdorf aufgeführt wurden. Zu jener Zeit wurde sie anderen Orts praktisch nicht mehr angebaut und durch etwas später reifende, aber größere Sorten wie 'Kassins Frühe' oder 'Jaboulay' abgelöst. Da die schon teilweise Mitte Mai reifende 'Früheste der Mark' extrem von Vogelfraß betroffen ist, sind vermutlich weniger Bäume dieser Sorte auf den Wiesen belassen worden, als andere, ertragssicherere Sorten.
Die 'Früheste der Mark' wurde auch zu Züchtungsversuchen herangezogen. So wurde im Provinzial-Obstmuttergarten zu Diemitz 1926 'Früheste der Mark' mit 'Flamentiner' gekreuzt. Einige der so entstandenen Sämlinge wurden in Müncheberg aufgeschult und selektiert. Weiter vermehrt wurden dann Klon 1, der später Sekunda genannt wurde und knapp nach 'Frühesten der Mark' reift, sowie Klon 4, der den Namen 'Müncheberger Frühernte' (Synonym 'Primavera') trägt und zeitgleich mit 'Früheste der Mark' reift. Eine weitere Züchtung ist der namenlose Klon 5, der in der historischen Pflanzung Mössingen vertreten ist und auch in Filsen am Mittelrhein aufgefunden wurde. Hier erhielt der etwas später reifende Klon den Arbeitsnamen "Filsener Ertragreiche". All diese Klone ähneln in hohem Maße der 'Frühesten der Mark', kommen jedoch insgesamt sehr selten vor.
Die 'Früheste der Mark' wurde auch zu Züchtungsversuchen herangezogen. So wurde im Provinzial-Obstmuttergarten zu Diemitz 1926 'Früheste der Mark' mit 'Flamentiner' gekreuzt. Einige der so entstandenen Sämlinge wurden in Müncheberg aufgeschult und selektiert. Weiter vermehrt wurden dann Klon 1, der später Sekunda genannt wurde und knapp nach 'Frühesten der Mark' reift, sowie Klon 4, der den Namen 'Müncheberger Frühernte' (Synonym 'Primavera') trägt und zeitgleich mit 'Früheste der Mark' reift. Eine weitere Züchtung ist der namenlose Klon 5, der in der historischen Pflanzung Mössingen vertreten ist und auch in Filsen am Mittelrhein aufgefunden wurde. Hier erhielt der etwas später reifende Klon den Arbeitsnamen "Filsener Ertragreiche". All diese Klone ähneln in hohem Maße der 'Frühesten der Mark', kommen jedoch insgesamt sehr selten vor.
Frucht
Die Früchte sind rel. klein, breit-rund leicht eckig, sie weisen meist einen deutlichen Nahtwulst auf.
Größe: klein bis knapp mittelgroß, durchschnittlich 17,5 : 19 : 17 mm (L: B : D)
Form Vorderansicht: breitrund bis rund, teils etwas eckig, oben und unten abgeflacht mit etwas unregelmäßigem Relief.
Färbung: rot bis schwarz, glänzend, Bauchnaht oft dunkler.
Fruchtfleisch: vollreif Dunkelrot, weich, saftig, süß und aromatisch. Vor der Reife hellrot, wässerig, ohne jegliches Aroma
Platzfestigkeit: mittelhoch, kann stempelseits oder an der Bauchnaht platzen
Stielseite: Stielgrube variabel eng bis mittelweit und mitteltief, seltener tief, flache Schultern und oft Nasenansatz.
Stiel: mittellang bis lang, 3,3 – 5 cm lang, rel. dünn, hellgrün, Stielansatz klein und teils gerötet.
Bauch: meist Nahtwulst (stielseits kräftiger), gelegentlich auch mit Bauchbuckel oder eben, vollreif teils mit Spiegel
Rücken: oft mit flacher Furche
Seite: mitteldick bis dick
Stempelseite: Stempelpunkt variabel klein oder mittelgroß, hell, in deutlichem, bauchseits verschobenen Grübchen.
Größe: klein bis knapp mittelgroß, durchschnittlich 17,5 : 19 : 17 mm (L: B : D)
Form Vorderansicht: breitrund bis rund, teils etwas eckig, oben und unten abgeflacht mit etwas unregelmäßigem Relief.
Färbung: rot bis schwarz, glänzend, Bauchnaht oft dunkler.
Fruchtfleisch: vollreif Dunkelrot, weich, saftig, süß und aromatisch. Vor der Reife hellrot, wässerig, ohne jegliches Aroma
Platzfestigkeit: mittelhoch, kann stempelseits oder an der Bauchnaht platzen
Stielseite: Stielgrube variabel eng bis mittelweit und mitteltief, seltener tief, flache Schultern und oft Nasenansatz.
Stiel: mittellang bis lang, 3,3 – 5 cm lang, rel. dünn, hellgrün, Stielansatz klein und teils gerötet.
Bauch: meist Nahtwulst (stielseits kräftiger), gelegentlich auch mit Bauchbuckel oder eben, vollreif teils mit Spiegel
Rücken: oft mit flacher Furche
Seite: mitteldick bis dick
Stempelseite: Stempelpunkt variabel klein oder mittelgroß, hell, in deutlichem, bauchseits verschobenen Grübchen.
Fruchtstein
Größe: klein bis mittelgroß, durchschnittlich 10 : 7 : 8,8 mm (L : B : D)
Seitenansicht: rundlich-oval, leicht quadratisch, auch bauchseitig zum Stempel etwas verjüngt. kleines Häkchen und teils ganz kleine Spitze.
Vorderansicht: Mittelbauchig, der Bauchwulst tritt i.d.R. insgesamt etwas heraus, stempelseits meist verbreitert, die Rillen wirken grob. Der Mittelkamm ist meist mittig gefurcht und tritt stielseits etwas hervor.
Seitenansicht: rundlich-oval, leicht quadratisch, auch bauchseitig zum Stempel etwas verjüngt. kleines Häkchen und teils ganz kleine Spitze.
Vorderansicht: Mittelbauchig, der Bauchwulst tritt i.d.R. insgesamt etwas heraus, stempelseits meist verbreitert, die Rillen wirken grob. Der Mittelkamm ist meist mittig gefurcht und tritt stielseits etwas hervor.
Baum
Nur an zusagenden, warmen Standorten sind die Bäume der 'Frühesten der Mark' starkwüchsig und gesund, ihre Krone ist hochrund, locker verzweigt, das Fruchtholz feintriebig und hängend. Oft können Bäume mit durchgehender Stammmitte oder V-förmiger Gabelung beobachtet werden. Der Veredelungswulst ist unauffällig ausgebildet. Die Blüten erscheinen früh, zeitgleich mit wenig, rötlichem Blattaustrieb. Die Blütenblätter sind rundlich und berühren sich, die Kelchblätter sind gerötet.
Verwechsler
'Müncheberger Frühernte' (Tochter, extrem ähnlich, Steine und Früchte sind aber i.d.R. größer), 'Sekunda' (Tochter, extrem ähnlich, Steine sind aber oft länglicher und zeigen etwas mehr Häkchen), "Filsener Ertragreiche" (Tochter, spätere Reife, größerer Stempelpunkt, ebenmäßiger, Stein etwas länglicher und zugespitzter), "Uedemer Frühe Schwarze" (spätere Reife, rötlicher Stempelpunkt, kürzerer Stiel, Stein mit weichen, Kanten des Bauchwulstes), "Filsener Frühkirsche" (Stein länglicher und in der Vorderansicht stielseits sich mehr verjüngender Bauchwulst).
Fruchtfotos
Baum im Laub
Anbaueignung
In genügend warmen Regionen wächst der Baum gesund und ist für die Streuobstwiese sehr gut geeignet. 'Frühesten der Mark' ist die am frühest reifende Sorte überhaupt (oft schon Mitte Mai) und gilt allgemein als "Zeigerkirsche" für den Beginn der ersten Kirschwoche. Möchte man nicht alle Früchte den ausgehungerten Vögeln überlassen, was aus ökologischer Sicht durchaus eine Option ist, sollten in der Umgebung weitere sehr früh reifende Kirschen stehen, so dass sich der Druck auf mehrere Bäume verteilt. Können die Früchte richtig ausreifen, schmecken sie in der 2.-3. Kirschwoche durchaus gut, sie eignen sich zum Frischverzehr oder zur Verarbeitung.
Literatur
Müller, J.; Bißmann, O., et al. (1905-1934): „Deutschlands Obstsorten“. Fortsetzung Kirschsorten. Eckstein und Stähle, Stuttgart
Winkler, F. (1912): "Frühester der Mark, Praktischer Ratgeber im Obst- und Gartenbau
Kemmer, E. (1937): "Sortenstand und Sortenbewegung im deutschen Obstbau". Hrsg. Institut für Obstbau. Technische Universität Berlin-Charlottenburg
Kemmer, E. (1952): "Sortenstand und Sortenbewegung im deutschen Obstbau". Hrsg. Institut für Obstbau. Technische Universität Berlin-Charlottenburg
Murawski H. (1954): "Obstzüchtung aus Münchberg, Süßkirschen-Neuzüchtung Müncheberger Frühernte". Zeitschrift Deutsche Gärtnerpost, 6. Jahrgang, 39: 3. Hrsg. Zentralvorstand VdgB
Müncheberger Notizen und "Entstehung der Kirschensorte "Sekunda". Ohne Datum, geschätz in den 1950er Jahre
Köln-Vogelsanger Notizen, vermutlich Wilhelm Rudorf (1962): "Klon 1 (B. IIB,37/7 – 29;14)"
Aufzeichnungen des Gartenbauvereins Pfalzdorf e.V., Eintrag 1963
Dähne; D. 1964: " Kritische Untersuchung zur Sortenbenennung und Sortenbereinigung bei Süßkirschen unter besonderer Berücksichtigung des westdeutschen Marktsortiments. Dissertation der TH Hannover, Fakultät Gartenbau und Landeskultur"
Braun-Lüllemann, A.; Bannier, H.J. (2010): "Obstsortenwerk Alte Süßkirschensorten, Genetische Vielfalt in den Kirschenanbaugebieten Hagen a.T.W. und Witzenhausen". Hrsg. BML, Bonn 2010
Braun-Lüllemann, A. 2019: Steinobst im Mittelrheintal. Hrsg. Land RLP