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Frankelbacher Mostbirne

Verfasst von Richard Dahlem am 9 Februar 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
ID: 758
Gefährungsgrad
gefährdet
Regionalsorte
ja
Synonyme
Frankelbacher, Frankelbacher Weinbirne, Orsborner.
Reifezeit
Mitte September bis Anfang Oktober.
Herkunft
Der Urbaum der Frankelbacher Mostbirne soll in der Gewann ,,Orsborn" in der Gemeinde Frankelbach (Landkreis Kaiserslautern) gestanden haben. Er galt bis zu seiner Fällung 1953 mit geschätzen über 400 Jahren als ältester und mit einem Stammumfang von 6,20 Metern auch als dickster Birnbaum Europas (Arbeitskreis 2012). Der Baum wurde mehrmals vom Blitz getroffen und ist 1953 endgültig auseinander gebrochen (Hielscher 2023).
Verbreitung
Ist in der gesamten Westpfalz verbreitet. Wurde vom Pomologen Manfred Jenet aus Kreimbach-Kaulbach ab Ende der 1990er Jahre wieder stärker propagiert und in Zusammenarbeit mit der Baumschule Ritthaler aus Hütschenhausen (beide Landkreis Kaiserslautern) vermehrt und als junge Bäume vermarktet. Darüber hinaus scheint die Frankelbacher Mostbirne keine große Verbreitung gefunden zu haben. So ist dem Autor in der benachbarten, nur durch den Hunsrück getrennten Mostbirnenregion Trier/Luxemburg kein Altbaum dieser Sorte bekannt.
Frucht
Kleine bis meist mittelgroße Mostbirne, die typischerweise zwischen 40 und 80 g wiegt. Sie hat kreiselförmige Früchte, die sich zum Stiel hin verjüngen, aber selten einziehen. Am Kelch abgerundet.

Auf einer hellgelben Grundfarbe färbt sich die Frucht sonnenseitig lebhaft braunrot. Die verwaschene Deckfarbe grenzt sich dabei scharf von der Grundfarbe ab. Gelegentlich finden sich kleine Rostfiguren auf der Frucht. Die Schalenpunkte sind klein und hell umhöft, insgesamt aber unauffällig.

Die Schale ist glatt und trocken. Die Frucht ist recht druckfest und lässt sich gut transportieren.

Die mitteltiefe Kelchgrube ist meistens etwas stärker berostet bis hin zu einer Rostkappe. Der Kelch ist mittelgroß und offen, die Kelchblätter mittelbreit und mittellang, zurückgeschlagen.

Etwa jede zweite Frucht zeigt eine flache Stielgrube. Der Stiel ist mit einer Länge zwischen 15 und 25 mm im Verhältnis zur Fruchthöhe als kurz, selten mittellang einzustufen. Die braunen Stiele sind mitteldick, knospig und zeigen im Bereich der Stielknospen grüne Aufhellungen.

Die Kelchhöhle ist schüsselförmig und mit etwa 4-5 mm Breite als mittelgroß einzustufen. Unterhalb der Kelchhöhle findet sich eine Kelchröhre, die manchmal bis zum Kernhaus reicht. Die Achsenhöhle ist offen. Das Kernhaus ist eher klein und etwas kelchnäher. Die Kerne sind groß (9 : 5 mm) dunkel und mit seitlicher, stumpfer Nase an der Kuppe. Meistens finden sich in den Früchten ein bis drei gut entwickelte Kerne.

Das Fruchtfleisch ist gelblichweiß, fest und feinkörnig. Der Geschmack ist süßwürzig mit einem für Mostbirnen durchschnittlichen Gerbstoffgehalt.

Zusammenfassung und besondere Merkmale:
- Deckfarbige, hochkugelige Sorte mit überwiegend kurzen, manchmal mittellangen Stielen.
- Früchte meist mittelgroß, seltener klein und mit mittlerer (Mostbirnen-)Reifezeit.
- Kelch oft mit Rostkappe.
- Stiel mit grünen Aufhellungen, am Ende verdickt.
- Kelchröhre vergleichsweise breit.
Baum
Der Baum ist starkwüchsig, langlebig und robust. Er hat kreisrunde Blätter und weiß-rosafarbige Blüten (JKI 2026).
Verwechsler
Es gibt weitere ähnliche Rotbirnensorten, die jedoch pomologisch noch nicht hinreichend geklärt sind. Dazu gehören die Arbeitsnamensorten ,,Rotbirne Bedesbach" und ,,Rotbirne Trier (LD)".
Anbaueignung
Die Frankelbacher Mostbirne ist eine Hochstammsorte für den extensiven Streuobstanbau.

Sie ist eine Wirtschaftsbirne für alle Verwendungszwecke wie Dörrobst, Brand, Kochbirne und vor allem sortenreinen Birnenwein (Arbeitskreis 2012, JKI 2006).

Ihre Nutzung als Birnenwein wird anschaulich im Beerewei(n)museum zu Eulenbis (Landkreis Kaiserslautern), einem Nachbarort von Frankelbach, von Dr. K. Hielscher (2023) dargestellt:

,,Das Kohl- oder Sprautuch, mit 10 x 10 m und einem Loch in der Mitte wurde unter dem zu erntenden Birnbaum ausgebreitet. Die Äste des Baumes wurden dann mit langen Stangen, an deren Ende ein Haken angebracht war, geschüttelt. Dann wurde das Tuch von allen Seiten gegen den Baum angehoben und die Birnen in Weidenkörben gesammelt, wobei unbedingt darauf zu achten war, dass weder Äste noch Blätter mit in den Korb kamen. Die Körbe wurden dann in Jutesäcke abgefüllt und 5 bis 10 Tage in einem dunklen Raum gelagert, bis die Birnen richtig teigig waren. Alsdann wurde die Obstmühle in Gang gesetzt. Sie wurde von einer Kuh oder von einem Pferd gezogen. Damit die Tiere nicht gleich alles auffressen konnten, wurden ihnen Maulkörbe umgebunden. Waren die Birnen genügend zerquetscht, wurde die ,,Maische" mit der sogenannten ,,Sauboll" in die Kelter geschöpft und zu Saft ausgepresst. Der zurückgebliebene Obstkuchen wurde ans Vieh verfüttert. Der Saft reifte in großen Holzfässern zum Beerewei(n), der als willkommenes Getränk in allen Haushalten unserer Region vorhanden war."

Die Frankelbacher Mostbirne ist nach wie vor interessant für die Herstellung guter Obstweine. Sie sollte darüber hinaus aus historischen und genetischen Gründen erhalten und weiterhin bei extensiven Streuobstpflanzungen berücksichtigt werden.

Fruchtfotos
IDs: 603, 601 & 601
IDs: 759 & 758_bis_760
ID: 601
ID: 602
ID: 603
ID: 759
Literatur
Arbeitskreis Historische Obstsorten Pfalz - Elsaß - Kurpfalz im Pomologen-Verein e. V. (Hrsg.) (2012): Pfälzer Obstkultur. Redaktion: Herbert Ritthaler. Broschüre, 76 Seiten.
Dahlem, R. (2014): Einteilung von Mostbirnen in Verwechslergruppen. Oder: Wie gewinne ich den Überblick in einer vielfältigen Sortengruppe. Unveröffentlichtes Manuskript, 8 Seiten.
Hielscher, Dr. K. (2023): Beerewei(n)museum. www.eulenbis.de, abgerufen am 26.01.2026.
Julius Kühn-Institut (2026): Fankelbacher Weinbirne. Datenblatt der Deutschen Genbank Obst, abgerufen am 09.01.2026.
Diese Sortenbeschreibung wurde möglich durch eine Spende von:
Alancri Stiftung

Reiserabgabe

Akzessions-Nummer Name Anschrift E-Mail-Adresse
B-2716 Jan Bade Kirchweg 1
34260 Kaufungen
Deutschland
jahiba@gmx.de
B-2246 Walter Bauer Talstraße 16
66709 Weiskirchen-Rappweiler
Deutschland
bauer.hwb@web.de
B-3919 Walter Bauer Talstraße 16
66709 Weiskirchen-Rappweiler
Deutschland
bauer.hwb@web.de
B-3920 Walter Bauer Talstraße 16
66709 Weiskirchen-Rappweiler
Deutschland
bauer.hwb@web.de
B-604 Dr. Norbert Clement Alte Kirchhofsgasse 10
35037 Marburg
Deutschland
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Standardsorte

gefährdet

stark gefährdet

vom Aussterben bedroht

Regionalsorte

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