
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Regionalsorte
nein
Synonyme
Kleine graue Reinette (Sickler), Carpentin Renette, Carpentinchen (Frankfurter Raum), Kleine Weinrenette, Kleiner Lederapfel (Banden-Württemberg), Pomeränzle (Elsass), Kleiner Rabau u. weitere.
Reifezeit
Pflückreife Ende September bis Anfang Oktober; Genussreife Oktober bis in den Winter, wobei die Frucht dann leicht welkt (Herbst-/Wintersorte).
Herkunft
Es handelt sich um eine sehr alte, historische Sorte, deren genaue Herkunft bis heute unbekannt geblieben ist. Wie Altmeister Diel berichtet, wurde der Apfel bereits um 1800 am Rhein sehr stark angebaut (Diel, 1799). Aber auch in anderen Regionen wie z.B. in Hessen, Baden-Württemberg, der Pfalz und im Elsass wurde die Sorte besonders von Landwirten hochgeschätzt, da sie vorwiegend zur Obstweinbereitung verwendet wurde. Aus diesem Grund hatte der Apfel auch viele verschiedene Namen und wurde von ebenso vielen Pomologen damaliger Zeit beschrieben. Nach der pomol. Einteilung von Diel-Lucas gehört die Sorte zur Familie der Grauen Renetten oder Lederäpfel. 1883 wurde der Carpentin vom Deutschen Pomologenverein zum Anbau empfohlen. Früher waren mehrere Typen verbreitet, die sich in Größe und Färbung unterschieden.
Verbreitung
Ehemals überregional verbreitet und relativ häufig vorkommend. Heute ist der Carpentin nur noch vereinzelt auf Streuobstwiesen in Süddeutschland und wahrscheinlich in den benachbarten Ländern sowie in privaten Sammlungen zu finden. Erst in den letzten Jahren haben sich direktvermarktende Obstbaubetriebe (in Hessen) stärker für die Sorte interessiert, um sie z.B. für die sortenreine Apfelweinherstellung zu verwenden.
Frucht
Die Frucht ist i.d.R. klein, flachrund bis kugelförmig, mittelbauchig, teils auch ungleichhälftig.
Die Schale ist rau und trocken, meist ganzflächig mit feinem, zimtfarbenem Rost bedeckt. Die gelblich-grüne Grundfarbe schimmert nur bei Schattenfrüchten durch, gut besonnte Früchte leuchten hingegen rötlich, weißgraue Schalenpunkte sind vereinzelt sichtbar.
Die Kelchgrube ist flach sowie leicht gerippt oder faltig. Der Kelch ist klein und meist geschlossen, Blättchen zusammengedrängt und lange grün bleibend. Die Kelchhöhle ist sehr klein und kegelförmig. Die Stielgrube ist tief und trichterförmig, der Stiel ist charakteristisch lang, dünn und holzig, er steht weit über den Rand hinaus.
Das Kernhaus liegt in der Fruchtmitte, die Gefäßbündellinien sind schwach ausgeprägt und flachzwiebelförmig, Achse geschlossen, Kernhauswände ohren-bohnenförmig und glatt. Es gibt zahlreiche, vollkommen ausgebildete, eiförmige, schwarzbraune Kerne.
Das Fruchtfleisch ist weißlich, unter der Schale schwach rötlich, mittelfest, feinzellig, saftig. Das Aroma ist weinsäuerlich, später süßlich und renettenartig gewürzt.
Die Schale ist rau und trocken, meist ganzflächig mit feinem, zimtfarbenem Rost bedeckt. Die gelblich-grüne Grundfarbe schimmert nur bei Schattenfrüchten durch, gut besonnte Früchte leuchten hingegen rötlich, weißgraue Schalenpunkte sind vereinzelt sichtbar.
Die Kelchgrube ist flach sowie leicht gerippt oder faltig. Der Kelch ist klein und meist geschlossen, Blättchen zusammengedrängt und lange grün bleibend. Die Kelchhöhle ist sehr klein und kegelförmig. Die Stielgrube ist tief und trichterförmig, der Stiel ist charakteristisch lang, dünn und holzig, er steht weit über den Rand hinaus.
Das Kernhaus liegt in der Fruchtmitte, die Gefäßbündellinien sind schwach ausgeprägt und flachzwiebelförmig, Achse geschlossen, Kernhauswände ohren-bohnenförmig und glatt. Es gibt zahlreiche, vollkommen ausgebildete, eiförmige, schwarzbraune Kerne.
Das Fruchtfleisch ist weißlich, unter der Schale schwach rötlich, mittelfest, feinzellig, saftig. Das Aroma ist weinsäuerlich, später süßlich und renettenartig gewürzt.
Baum
Der Wuchs ist mittelstark bis stark, wobei die Sorte nur schwache Stämme bildet. Deshalb sollte der Carpentin auf starkwachsende, spättreibende Sorten (z.B. Spätblühender Taffetapfel) in die Krone veredelt werden. Die lichte Krone ist hochkugelförmig, mit vielen dünnen, langen und hängenden Ästen, die ein sortentypisches Wuchsbild hervorrufen. Die Blüte ist spät und witterungsunempfindlich. Der Ertrag ist hoch und regelmäßig, die Früchte sind windfest.
Verwechsler
Damasonrenette - diese ist deutlich größer, hat einen kurzen und holzigen Stiel, Kernhauswände halbmondförmig, Kerne teils taub, Fruchtfleisch grünweiß; Parkers Pepping - meist auch etwas größer, Schale ledrig, schuppig und warzige Stellen, i.d.R. keine rötliche DF sichtbar
Anbaueignung
An Boden und Klima stellt der Carpentin keine hohen Ansprüche, er sollte allerdings ausreichend Bodenfeuchtigkeit und Nährstoffe haben. Er ist gesund und dauerhaft. Die Sorte ist besonders für den extensiven Streuobstanbau zu empfehlen. Auch wenn sie ein edles Renettenaroma hat und somit auch als Tafel- und Dessertapfel geeignet ist, wird sie vorzugsweise zur Apfelweinherstellung verwendet. Diel schrieb 1799: "Ich kenne keine Frucht, die so schnell allen Speisengeschmack bei Tische aus dem Munde nimmt." Somit ist die Sorte nicht nur für Liebhaber seltener Apfelsorten, sondern für alle Apfelbegeisterte zu empfehlen. Die Kronenerziehung ist allerdings eine Kunst für sich, wächst der Carpentin doch eher wild und naturnah!
Fruchtfotos
Baum in Blüte/Winter
Literatur
Sickler, J. V. (1798): Der teutsche Obstgärtner, Nr. 44 (Kleine Graue Renette), Tafel 18
Diel, A. F. A. (1799): Versuch einer systematischen Beschreibung in Deutschland vorhandener Kernobstsorten. Erstes Heft Äpfel, Frankfurt a.M., S. 174
Lexa von Aerenthal, J. B. (1833): Deutschlands Kernobstsorten. Band 1, Leitmeritz, Tafel 33, Nr. 3, und S. 182/183
Langenthal, Ed. (1853): Deutsches Obstcabinet. Jena 1853, S. 165
Dochnahl, F. J. (1855): Der sichere Führer in der Obstkunde. Nürnberg, 1. Bd. Aepfel, S. 192/193
Lucas, Ed. (1859): Illustrirtes Handbuch der Obstkunde. Erster Bd. Äpfel, Stuttgart, Nr. 157, S. 345/346
Extra-Beilage zur Zeitschrift für Wein-, Obst- und Gartenbau (1881): Nr. 13, I. Kernobst, Straßburg, Nr. 28 Carpentin D. (= Diel), S. 109-112
Engelbrecht, Th. (1889): Deutschlands Apfelsorten. Braunschweig, Nr. 578, S. 640
Rosenthal, A. C. (1890): Carpentin. In Der Fruchtgarten, Nr. 4, 5. Jhg., Wien, S. 41/42
Goethe, Degenkolb, Mertens (1894): Äpfel und Birnen - Die wichtigsten deutschen Kernobstsorten. Berlin
Kahl, S. (2003): Jahresheft Pomologen-Verein e.V., Aue/Sachsen, S. 75
Mühl, F. (2021): Alte und neue Apfelsorten. 9. Aufl., München, S. 74