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Sievenicher Mostbirne

Verfasst von Richard Dahlem am 8. Dezember 2024. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
IDs: 1069_1090401, 1072_1090420, 1069_406
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Regionalsorte
ja
Synonyme
Klötzenbirne
Reifezeit
Ab Mitte September bis etwa Mitte Oktober.
Herkunft
Die Sievenicher Mostbirne ist als Zufallssämling am Sievenicher Hof bei Trier entstanden und nach diesem benannt.
Verbreitung
Die Sorte wurde erstmals ab 1860 von der renommierten Trierer Baumschule Lambert & Reiter vermehrt und verbreitet.

Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in der Region Trier sowie im Saarland und in Luxemburg. Darüber hinaus kommt die Sievenicher Mostbirne vereinzelt in allen mitteleuropäischen Regionen vor, in denen Mostbereitung eine Rolle spielt.

Noch im Jahr 1949 wurde die Sievenicher Mostbirne als eine von vier Mostbirnensorten für den Anbau im Regierungsbezirk Koblenz durch die Landwirtschaftskammer Rheinland-Hessen-Nassau empfohlen.
Frucht
Die Früchte der Sievenicher Mostbirne sind mit einem Gewicht zwischen 40 und 90 g für Mostbirnen als klein bis mittelgroß einzustufen. Sie sind kugel- bis kreiselförmig, meist etwas breiter als hoch. Sie hängen oft gedrängt in Büscheln am Baum, was der Sorte das Synonym ,,Klötzenbirne" eingebracht hat.

Die Grundfarbe ist hellgrün. In der Reife hellt sich die Grundfarbe scheckig in ein helles Gelb. Deckfarbe fehlt völlig.

In einer flachen und schüsselförmigen Kelchgrube sitzen kurze, graufilzige Kelchblätter, die auf der Frucht aufliegen. Sie erinnern dadurch an einen Zahnkranz. Der Kelch ist weit offen.

Die Stiellänge liegt durchschnittlich zwischen 15 und 25 mm. Die Stiele sind im Verhältnis zur Fruchthöhe als kurz einzustufen. Die Stiele sind am Ende verdickt und haben eine typische, hakenförmige, ,,spazierstockartige" Krümmung. Sie sind überwiegend, am Fruchtansatz fast immer grün.

Das Kernhaus ist etwas kelchnäher, die Kernhausachse ist geschlossen. Die Kerne sind eher länglich mit stumpfer Nase an der Kuppe.

Das Fruchtfleisch ist gelblichweiß, sehr saftig, zuckerreich und adstringierend.
Baum
Der Baum bildet runde Kronen ohne ausgeprägten Mitteltrieb. Die Sorte gehört zweifelsohne zu den starkwachsenden Mostbirnen.
Verwechsler
Champagner Bratbirne
Anbaueignung
Die Sievenicher Mostbirne ist eine Hochstammsorte für den extensiven Streuobstanbau.
Fruchtfotos
ID: 1072_1090420
ID: 1069_1090401
ID: 1069_bis_1072_1090520
Literatur
Aendekerk, R., Bannier, H.-J., Bauer, D., Bosch, H.-T., Dahlem, R. & Thiel, M. (2016): Äpfel und Birnen aus Luxemburg. Luxemburg, Verlag editions revue s. a., 2. Auflage, 224 Seiten.
Giershausen, E. (1949): Obstsorten-Verzeichnis mit Anleitung zum wirtschaftlichen Obstbau. Hrsg.: Landwirtschaftskammer Rheinland-Hessen-Nassau., Abt. Gartenbau. Koblenz, 54 Seiten.
Hartmann, W. (2019): Farbatlas Alte Obstsorten. Ulmer-Verlag, 6. Auflage, 352 Seiten.
Mertz, J. P. & Tonnar, J. (1933): Unsere anbauwürdigsten Obstsorten. Luxemburg, Druck Fr. Bourg-Bourger, 140 Seiten.
Müller, J., Bißmann, O., Poenecke, W., Schindler, O. & Rosenthal, H. (1905-1934): Deutschlands Obstsorten. Stuttgart, Deutschland; Eckstein und Stähle. Lieferung 13, Nr. 156.

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