


Regionalsorte
nein
Reifezeit
Pflückreife Anfang bis Mitte Oktober, Genussreife Oktober bis Januar.
Herkunft
Die Landsberger Renette wurde um 1840 vom Justizrat Burchardt in Landsberg (Warthe) aus Samen gezogen, der seine ersten Früchte und Reiser um 1850 an die führenden Pomologen seiner Zeit sandte. Auf der Versammlung der deutschen Pomologen in Trier 1874 wurde die Sorte zur allgemeinen Anpflanzung empfohlen.
Verbreitung
Die Landsberger Renette hat einst in weiten Teilen Europas, insbesondere in Mittel- und Osteuropas starke Verbreitung gefunden. Sie ist auch heute noch relativ regelmäßig in alten Streuobstbeständen zu finden – in Deutschland in den östlichen und südlichen Regionen stärker als im Norden und Westen.
Frucht
Frucht mittelgroß bis groß, abgerundet kegelförmig, zum Kelch hin verjüngt, optisch relativ ebenmäßig, um den Kelch schwach kantig, Im Querschnitt unregelmäßig rund bis schwach kantig; mittelfest, etwas druck- und transportempfindlich. Schale dünn, glatt, glänzend, nicht bereift, nach Lagerung leicht wachsig bis fettig. Grundfarbe gelblich grün, in der Reife weißlich gelb bis gelb. Deckfarbe bräunlich orange (seltener purpurrötlich) gehaucht, flächig verwaschen, meist nur auf etwa einem Drittel der Frucht (Schattenfrüchte teils ohne Deckfarbe). Stielgrube mittelweit, mitteltief, ebenmäßig, samtartig fein berostet (meist grünlich- oder hellbraun, strahlig). Stiel mittellang, mitteldick, ragt aus der Stielgrube heraus. Kelchgrube mittelweit, mitteltief, von schwachen Wülsten umgeben. Kelch mittelgroß, geschlossen oder halboffen. Kelchhöhle dreieckig, mit feinem Stempel und mittelhoch verwachsenen Staubfäden. Kernhaus mittelgroß, Achse typisch als wattiert erscheinender Hohlraum, zu den Samenfächern geschlossen oder spaltartig geöffnet. Kernhauswände rucksackförmig, meist gerissen. Kerne mittel- bis dunkelbraun, kastanienbraun, gut entwickelt, teils zahlreich, mittelgroß, 8–9 : 4–5 mm. Fruchtfleisch gelblich weiß, feinzellig, locker, mild süßsäuerlich, saftig, feinaromatisch mit sortentypischem Aroma. Schattenfrüchte eher fad.
Baum
Die Landsberger Renette wächst in der Jugend stark, mit meist schräg aufrechten Leitästen und bildet mittelgroße, reichlich verzweigte, meist breitkugelige Kronen. Mit dem früh einsetzenden und regelmäßigen Ertrag lässt das Wachstum nach und der Baum sollte regelmäßig ausgelichtet werden, um das Wachstum zu erhalten und minderwertige Früchte zu vermeiden. Die Blüte im Frühjahr ist mittelfrüh und hält lang an. Das Blatt ist mittelgroß und erscheint eher hell grün. Als diploide Sorte ist sie ein guter Bestäuber für andere Apfelsorten.
Verwechsler
Ähnliche Früchte können haben: Signe Tillisch, Adersleber Kalvill, Odenwälder, Minister von Hammerstein, Schöner aus Wiltshire, daneben auch Boiken, Riesenboiken, Großherzog Friedrich von Baden, Königsapfel von Jersey u.a.
Anbaueignung
Die Landsberger Renette ist deutlich anfällig für Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs. Sie ist daher anspruchsvoll bezüglich des Standorts. Der Baum benötigt einen lockeren, durchlässigen, nicht zu schweren oder nassen (aber auch nicht zu trockenen) Boden. An windausgesetzten, freien Lagen (z.B. Feldwege auf Kuppen) zeigt die Sorte weniger Schorf als in windgeschützten, eingeschlossenen oder Waldrandlagen. Kühlere und höhere Lagen sind günstiger als warme und Weinbaulagen.
Fruchtfotos

Baum im Laub
Literatur
Jahn, F.; Lucas, E.; Oberdieck, J. G. C. (1865): Illustrirtes Handbuch der Obstkunde. Band 4. Äpfel. Ravensburg, Deutschland; Dornsche Buchhandlung. Nr. 328
Müller, J.; Bißmann, O, Poenecke, W. Schindler, Rosenthal, H. (1905-1934): Deutschlands Obstsorten. Stuttgart, Deutschland; Eckstein und Stähle. 3. Lieferung 1907
Krümmel, H.; W. Groh; G. Friedrich (1956-1964): Deutsche Obstsorten. Äpfel I. Berlin, Deutschland; Deutscher Landwirtschaftsverlag.
Petzold, H. (1982): Apfelsorten. 2. Auflage. Leipzig, Radebeul, Deutschland; Neumann.
Silbereisen et al. (1996): Obstsorten-Atlas. 2. Auflage. Stuttgart, Deutschland; Ulmer.
Diese Beschreibung ist (in verkürzter Form) Teil des vom Autor 2025/26 erscheinenden Buches „Atlas der Apfelsorten Deutschlands“. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Quelle & Meyer.