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Metzer Bratbirne (Grüne Jagdbirne)

Verfasst von Richard Dahlem am 27 Januar 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
ID: 1136
Gefährungsgrad
gefährdet
Regionalsorte
nein
Synonyme
Carasi, Carisi, Carisi blanc, Carissi, Grüne Jagdbirne.
Reifezeit
Ende Oktober
Herkunft
Nach Lucas (1883) soll sie aus Frankreich stammen, und zwar aus der Gegend von Metz.
Verbreitung
In der Festschrift zum Pomologenkongress 1873 in Trier erwähnt Arnold (1874) die Carissi-Birne als gute Mostbirne in der Region Trier und hält sie für eine noch nicht beschriebene Lokalsorte. Zu diesem Zeitpunkt zählte sie zu den sechs wichtigsten Mostbirnensorten der Region.

In der Beschreibung von Lucas (1883) steht, daß die Metzer Bratbirne vielfach in der Normandie verbreitet und in neuerer Zeit auch in Württemberg eingeführt sei. Nach Einschätzung des Autors kommt sie heute in allem Regionen, in denen Mostbereitung eine Rolle spielt, vor. In luxemburgischen Baumschulkatalogen des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird sie als Carasi oder Carisi angeboten. Sie kommt in der Mostbirnenregion Trier/Luxemburg regelmäßig, aber im Vergleich mit der ähnliche Verwertungseigenschaften aufweisenden Luxemburger Mostbirne weniger häufig vor.
Frucht
Die meist zwischen 50 und 100 g schweren Früchte sind mittelgroß und kugelig, wobei sie am Kelch mehr abgerundet und zum Stiel hin stärker verjüngt sind. Im Querschnitt sind die Früchte meist stumpf dreikantig.

Die Grundfarbe ist gelblich-grün. Sonnenseitig kann sie eine dunkel- bis ziegelrote Deckfarbe bekommen, was aber eher die Ausnahme und nicht typisch ist. Die Schale weist mehr oder weniger Rostfiguren auf. Die Schalenpunkte sind zahlreich und verkorkt und hell umhöft, insgesamt auffällig.

Die Schale ist rau und glänzend. Die Druckfestigkeit der Metzer Bratbirne ist hoch, die Früchte gut transportfähig.

Der Kelchbereich weist eine große Rostkappe auf, die sich oft über die Kelchgrube hinaus ausdehnt. Die Kelchgrube ist weit und mitteltief, oft höckrig. Der Kelch ist offen und die breiten, mittellangen Kelchblätter sind umgeschlagen. Kelchblätter und Kelchgrube sind oft filzig behaart.

Die enge und flache Stielgrube weist auf einer Seite einen Fleischwulst auf, der den Stiel zur Seite drückt. Die Berostung im Stielbereich ist deutlich geringer als im Kelchbereich. Der Stiel ist mitteldick und im Vergleich zur Fruchthöhe als mittellang einzustufen.

Die Kelchhöhle ist trichterförmig und geht oft in eine für Birnen vergleichsweise breite Kelchröhre über. Das Kernhaus ist mittig, mittelgroß und hat eine geöffnete Achsenhöhle. Die Kerne sind meistens schlecht entwickelt. Es finden sich viele taube Kerne in der Frucht. Gut ausgebildete Kerne sind groß (10 : 5 mm), dunkel und mit stumpfer Nase seitlich an der Kernkuppe.

Das Fruchtfleisch ist weißlich gelb, sehr fest, grobzellig, sehr saftig und äußerst herb.

Zusammenfassung und besondere Merkmale:
- Grundfarbige, kugelige Sorte mit mittellangen Stielen.
- Früchte mittelgroß und mit sehr später (Mostbirnen-)Reifezeit.
- Schalenpunkte sonnenseitig grau umhöft.
- Kelchumgebung meist mit markanter Rostkappe.
- Kelchblätter und Kelch wollig-filzig behaart.
- Kelchröhre breiter als gewöhnlich.
- Fruchtfleisch äußerst herb.
Baum
Hartmann (2019) beschreibt den Baum als mittelstark wachsend mit rundovaler Krone. Die Blätter sind dunkelgrün, breitelliptisch und glänzend.
Verwechsler
Luxemburger Mostbirne
Diese hat sonnenseits rot umhöfte Schalenpunkte.
Anbaueignung
Die Metzer Bratbirne ist eine Hochstammsorte für den extensiven Streuobstanbau. Sie gilt als widerstandsfähig gegenüber Krankheiten und Schädlingsbefall.

Sie ist in erster Linie eine Sorte für die Obstwein- und Branntweinbereitung. Der hohe Gerbstoffgehalt macht sie auch zu einer Trennbirne, die die Klärung des Mostes begünstigt und darüber hinaus die Haltbarkeit von Fruchtweinen im Verschnitt mit anderen Sorten verlängert. Hartmann (2019) schreibt, daß sie in warmen Jahren und bei guter Ausreife durchaus interessant für die Schaumweinherstellung sei.

Die Metzer Bratbirne ist nach wie vor interessant für die Herstellung flüssiger Obstprodukte. Sie sollte darüber hinaus aus historischen und genetischen Gründen erhalten und weiterhin bei extensiven Streuobstpflanzungen berücksichtigt werden.
Fruchtfotos
IDs: 1141, 1141 & 1137
ID: 1135
IDs: 1138 & 1137 bis 1139
Literatur
Arnold (1874): Zusammenstellung der im Regierungsbezirke Trier häufig gebauten Obstsorten. In: Festschrift für den trierischen Pomologen- und Oenologenkongreß, S. 151 - 165. Trier, Verlag der Fr. Linz'schen Buchhandlung.
Dahlem, R. (2014): Einteilung von Mostbirnen in Verwechslergruppen. Oder: Wie gewinne ich den Überblick in einer vielfältigen Sortengruppe. Unveröffentlichtes Manuskript, 8 Seiten.
Hartmann, W. (2019): Farbatlas Alte Obstsorten. Ulmer-Verlag, 6. Auflage, 352 Seiten.
Löschnig (1913): Die Mostbirnen. Beschreibung der in Österreich am häufigsten angepflanzten Mostbirnensorten. Hrsg.: Österreichische Obstbau- und Pomologengesellschaft. Wien, Verlag von Friedrich Sperl, 227 Seiten.
Lucas, Fr. L. (1883): Metzer Bratbirne. In. Pomologische Monatshefte, Jahrgang 1883, Seite 98 - 100.
Diese Sortenbeschreibung wurde möglich durch eine Spende von:
Alancri Stiftung

Reiserabgabe

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34260 Kaufungen
Deutschland
jahiba@gmx.de
B-5687 Jan Bade Kirchweg 1
34260 Kaufungen
Deutschland
jahiba@gmx.de
B-2261 Walter Bauer Talstraße 16
66709 Weiskirchen-Rappweiler
Deutschland
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B-4404 Walter Bauer Talstraße 16
66709 Weiskirchen-Rappweiler
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