Peter Broich

Verfasst von Hans-Joachim Bannier im September 2015. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos beim Autor.
Standardsorte
Kaiser Wilhelm
Die Früchte werden etwa Anfang bis Mitte Oktober geerntet und lassen sich bis weit in den Winter hinein lagern. Ihr Saftgehalt lässt allerdings bereits wenige Wochen nach der Ernte merklich nach.
Die Sorte Peter Broich soll von Johann Wilhelm Schumacher (Rommerskirchen-Ramrath, Kreis Neuss) aus Samen gezüchtet worden sein. Schumacher, zunächst ab 1824 Vikar im benachbarten Höningen, gründete 1830 in Ramrath eine eigene Obstbaumschule, in der er bis zu seinem Tod 1864 zahlreiche Sorten aus der Region vermehrte und auch zwölf neue Obstsorten züchtete. Bei der pomologischen Überprüfung dieser Sorte im Rahmen des LVR-Projekts „Lokale und regionale Obstsorten -vom Aussterben bedroht’ gab es jedoch eine Überraschung: Denn alle Sortenexperten aus den Reihen des Pomologen-Vereins, die die Sorte Peter Broich zur Begutachtung vorgelegt bekamen, waren einhellig der Meinung, es handele sich um die (überregional bekannte) Apfelsorte Kaiser Wilhelm. Auch ein molekulargenetischer Vergleichstest ergab inzwischen die Identität beider Sorten. Die übergroße Ähnlichkeit beider Sorten war allerdings schon früher gelegentlich aufgefallen: So schrieb die Baumschule Fey 1938/30 in ihrem Obstangebots-Katalog über die Sorte Peter Broich: „Sie ist sehr ähnlich der Sorte Kaiser Wilhelm“. Und der Obstkenner May schrieb 1937 in der Zeitschrift ‚Zeitfragen der Baumschule’: „Mir kommt es oft so vor, als wäre die von D. Uhlhorn verbreitete Sorte ‚Peter Broich’ mit ‚Kaiser Wilhelm’ identisch“ (in: 1. Ausgabe 1937, S.12). Um zu verstehen, wie es zu der Identität der rheinischen Lokalsorte mit der allgemein bekannten Sorte Kaiser Wilhelm kommen konnte, ist ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Kaiser Wilhelm vonnöten: Die Apfelsorte Kaiser Wilhelm ist 1864 von dem Witzheldener Lehrer Carl Hesselmann auf einem Baum im Gutsgarten von Haus Bürgel (zwischen Düsseldorf und Monheim a. Rhein, nur rd. 15 km von der Wirkungsstätte von Vikar Schumacher entfernt) auf einem bereits erwachsenen Baum entdeckt worden. Da Hesselmann die Sorte nicht kannte, taufte er sie 1875 mit dem Namen Kaiser Wilhelm – ohne zu wissen, dass er eigentlich die Sorte Peter Broich vor sich hatte. Unter dem Namen Kaiser Wilhelm – die Namensgebung für die damalige Zeit ein genialer Marketing-Coup – ist die Sorte dann deutschlandweit und international verbreitet worden, während die linksrheinischen Baumschulen die Sorte weiterhin regional unter ihrem richtigen und altbekannten Namen Peter Broich verbreiteten. Somit müsste die Sorte Kaiser Wilhelm von Rechts wegen eigentlich Peter Broich heißen!
Nach Schumachers Tod wurde die Sorte auch von dem bekannten Privatzüchter Dietrich Uhlhorn jr. aus dem nahegelegenen Grevenbroich vertrieben. Im 20. Jahrhundert nahmen auch größere Baumschulen die Sorte mit in ihr Programm auf, so z.B. die Baumschule Christian Fey (Meckenheim) oder auch (ab 1931) die nordböhmische Baumschule Erich Neumann, über die die Sorte Peter Broich auch nach Böhmen oder Österreich gelangte und dort später in der Gartenzeitschrift „Nach der Arbeit“ vorgestellt wurde. Im Angebots-Katalog der Baumschule Fey (1938/39) hieß es später: „Zuerst wurde angenommen, dass Uhlhorn der Züchter war, mittlerweile ist aber festgestellt, dass er nur die Sorte verbreitet hat. Züchter war … der Vikar Schumacher zu Ramrath bei Grevenbroich (gest. 1864)“. Die Baumschule Erich Neumann und Söhne – heute in Bergheim bei Köln – hat die Sorte Peter Broich noch aktuell im Angebot. Standorte von Altbäumen des Peter Broich sind sowohl aus Rommerskirchen-Ramrath als auch aus Köln-Wesseling und aus der Eifel noch bekannt.
Frucht mittelgroß bis groß, variabel kegel-/ kastenförmig oder rundlich. Deckfarbe dunkelrot, trüb blutrot, z.T. purpur-rötlich; bei stark gefärbten Früchten flächig, sonst verwaschen streifig. Anteil der Deckfarbe stark variierend, Schattenfrüchte nur zu einem Drittel, exponierte Früchte teils komplett deckfarbig.Schalenpunkte mittelgroß bis groß, rostfarben, teils mit heller Umhöfung, auf Deckfarbe teils auffallend. Kelchgrube flach bis mitteltief, mittelweit. Seiten flach bis mittelsteil, öfters faltig oder wulstig. Kelch variabel, meist groß, offen. Stielgrube mittelweit bis eng, mitteltief bis tief. Seiten mittelsteil bis steil, mit typisch zimtbrauner, großer, teils schuppiger, strahlig auslaufender Berostung. Fruchtfleisch gelblich-weiß, fest, mittelfeinzellig, säuerlich süß, ohne ausgeprägtes Aroma, anfangs saftig, nach Lagerung bald mürbe werdend.
Der Baum des Peter Broich (alias Kaiser Wilhelm) ist starkwüchsig mit mittelsteil bis steil aufrechten Leitästen. Er bildet große, langlebige Bäume mit pyramidaler, meist etwas sparriger, aufrecht verzweigter Krone. Die Sorte kommt als junger Baum mittelspät in den Ertrag, der später mittelhoch ist und zwischen guten Ertrags- und Ausfalljahren alternieren kann. Gegen Schorf und Mehltau ist die Sorte relativ widerstandsfähig. Auf zu schweren bzw. nassen Böden kann jedoch Obstbaumkrebs auftreten, weshalb die Sorte in jedem Fall lockeren, gut durchlüfteten Boden benötigt. Mehr als andere Sorten sind ihre Früchte anfällig für Stippe, was besonders bei jugendlichen Bäumen auftritt und später in Jahren mit nur geringem Behang. Typisch ist auch ein recht großes, dunkel bzw. fast blau grünes Blattwerk. Die Jungtriebe sind in der Jugend kräftig, lang, dunkel graubraun, bei geringer Kurzholzbildung. Die Blüte zeitigt im Frühjahr mittelfrüh, beim Aufblühen typisch rosa. Wie andere triploide Sorten auch, ist die Sorte kein guter Befruchter für andere Apfelsorten.
Harberts Renette, Goldrenette von Blenheim, Multhaupts Renette, Josef Musch, Hildesheimer Goldrenette
Mit ihrem starken Wuchs ist die Sorte Peter Broich alias Kaiser Wilhelm eine typische Apfelsorte für die Streuobstwiese, die allerdings unbedingt lockeren, gut durchlüfteten Boden verlangt. Mit ihren leuchtend gefärbten großen Früchten ist sie noch immer ein „Hingucker”, der allerdings geschmacklich nicht an andere, aromatischere Sorten heranreicht. Die Apfelsorte Peter Broich (alias Kaiser Wilhelm) ist einst in erster Linie als Tafelapfel angebaut worden. Er ist auch gut verwendbar für die häusliche Verarbeitung. Die Früchte werden etwa Anfang bis Mitte Oktober geerntet und lassen sich bis weit in den Winter hinein lagern. Ihr Saftgehalt lässt allerdings bereits wenige Wochen nach der Ernte merklich nach.

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