
Gefährungsgrad
gefährdet
Regionalsorte
ja
Synonyme
Gacks Streifling (Zorn, 1938)
Reifezeit
Pflückreife Ende September bis Anfang Oktober; Genussreife Oktober bis März/April, bei nicht zu später Ernte und guter Lagerung bis Mai.
Herkunft
Der Gacksapfel ist ein Zufallssämling aus Aßlar-Berghausen im Lahn-Dill-Kreis. Der Legende nach, wurde er in der zweiten Hälfte des 19. Jh. von Landwirt Ernst Gack um 1870 im Wald an der "Hohen Straße" als Wildling gefunden. Gack grub den Wildling aus und pflanzte ihn vor dem Ort, an der "Lehmkaut", wieder ein. Der Pomologe Richard Zorn/Hofheim erhielt 1937 Früchte aus dem Altkreis Wetzlar, die er in seinem Lebenswerk abgebildet und detailgetreu beschrieben hat (Kaiser, 2019). 1942 wird die Lokalsorte in dem Amtsblatt der Regierung in Kassel in der Preisgruppe 4 geführt. Der Mutterbaum war nahezu hundert Jahre alt, bevor er im Winter 1968/69 umfiel. Seine Abkömmlinge sind bis heute in den Gärten und Obstwiesen an der Dill verbreitet. Edelreiser gelangten sogar zu Familienangehörigen nach Österreich und in die USA. In den 1970er Jahren wurde die Geschichte von dem Historiker Dr. Kurt Hinze aufgeschrieben (1979). Seit den späten 1990er Jahren konnte der Gacksapfel verstärkt gefördert werden. Er steht in verschiedenen Sammlungen und Obstlehrpfaden, u.a. im Freilichtmuseum Hessenpark oder im Kronberger Opel-Zoo. Mit der Aktion "Hessische Lokalsorte des Jahres" 2006 ist die Sorte auch überregional bekannt geworden.
Verbreitung
Das Hauptverbreitungsgebiet des Gacksapfel liegt regional an der mittleren Lahn und dem Dilltal. Überregional kommt die Sorte vereinzelt in ganz Hessen vor. Einzelvorkommen auch in anderen Regionen und Ländern. Die Sorte ist in hessischen Baumschulen zu bekommen.
Frucht
Die Frucht ist mittelgroß bis groß und in der Form sehr variabel, kugelig oder hochkugel- bis walzenförmig, im Querschnitt unregelmäßig mit breiten Kanten. Die Schale ist glatt und relativ dick, die Grundfarbe ist blass-grün, Deckfarbe karmesinrot gestreift und dazwischen verwaschen, gesprenkelt. Typisch ist eine lila-graue Bereifung. Schalenpunkte vereinzelt, ohne Berostung. Die Kelchgrube ist mitteltief, der Rand ist wulstig. Der Kelch ist relativ groß, geschlossen bis halboffen, Blättchen zusammengedrängt. Die Stielgrube ist eng und mitteltief, olivbraum berostet, Stiel kurz bis mittellang und holzig. Die Kelchhöhle ist groß und trichterförmig, sie geht in eine geräumige Kelchröhre über. Die Achsenhöhle ist leicht geöffnet, Kernhauswände ohrenförmig und glatt. Die Kerne sind gut ausgebildet, oval und hell kastanienbraun. Das Fruchtfleisch ist grün- bis gelblich-weiß, mittelfest, sehr saftig mit vorherrschender Säure, ohne besonderes Aroma.
Baum
Der Wuchs ist mittelstark bis stark. Die Sorte bildet große ausladende Kronen mit sparrigen Ästen und mäßiger Verzweigung. Die Jahrestriebe sind rötlichbraun. Die Blüte ist früh aber witterungsunempfindlich. Der Ertrag wechselt zwischen sehr hohen und geringen Erträgen (Alternanz). Ein regelmäßiger Auslichtungsschnitt fördert eine bessere Verzweigung.
Anbaueignung
Der Gacksapfel ist anspruchslos an Boden und Klima, er kann bis in höhere Lagen angebaut werden. Er ist robust und widerstandsfähig, insbesondere gegenüber Schorf. Eine gewisse Neigung zu Glasigkeit und Stippe sowie auf nassen und schweren Böden für Obstbaumkrebs wird beobachtet. Die Sorte eignet sich als Tafelapfel zum Frischverzehr ab November und dient als Wirtschaftsapfel für die Herstellung von Fruchtsaft und Wein. Es ist eine robuste und ertragreiche Sorte für den Hausgarten und den Streuobstanbau.
Fruchtfotos
Baum im Laub
Baum in Blüte/Winter
Laub
Literatur
Hinze, K. (1979): Wundersame Geschichte eines Apfelbaumes, in "Heimat an Lahn und Dill", Nr. 112
Kahl, S. (1998/99): Die guten alten Äpfel, NZH Projekt GmbH (Hrsg.), Wetzlar, 2. Serie
Kahl, S. (2002): Verzeichnis hessischer Regional- und Lokalsorten, NZH Projekt GmbH (Hrsg.), Wetzlar, S. 6
Kahl, S. (2005): Hessische Lokalsorte 2006 - Gacksapfel, NZH Projekt GmbH (Hrsg.), Wetzlar (Faltblatt)
Kahl, S. (2006): Gacksapfel & Co., in Jahresheft Pomologen-Verein e.V., Bonn, S. 7-14
Kaiser, U. (Hrsg.) (2019): Richard Zorn - Verzeichnis aller in Deutschland angebauter Kernobstsorten, Wiebelsheim, S. 271 (Gack`s Streifling, 1938)
Mühl, F. (2021): Alte und neue Apfelsorten, 9. Aufl., München, S. 119
Kahl, S.; Scheibel, R. (2023): Erhaltenswerte Obstsorten für Hessen, 6. Aufl., Aßlar, S. 54/55