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Frühe Maiherzkirsche

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 9 Juni 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Frühe Maiherzkirsche
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Reifezeit
1. Kirschwoche, ungefähr zeitgleich mit 'Früheste der Mark'
Herkunft
Sehr alte Sorte unbekannter Herkunft, die schon vor 1800 in Mitteleuropa verbeitet war und von den Pomolgen Christ (1802) und Truchsess (1819) bschrieben worden ist.
Verbreitung
Die Frühe Maiherzkirsche dürfte im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa noch verbreitet gewesen sein und wurde in diversen pomologischen Werken beschrieben. Im 20. Jahrhundert ging jedoch ihr Bestand sehr stark zurück; sie ist im Streuobst heute nur noch äußerst selten zu finden und galt vorübergehend als verschollen. Sie ist heute in der Kirschen-Genbank-Pflanzung in Hagen a.T.W. im westlichen NIedersachsen gesichert; in Reisermuttergärten ist die Sorte nicht erhältlich.
Frucht
Frucht klein (bis mittelgroß), vollreif dunkelrot. Fruchtform länglich oval und eher flach (d.h. in der Seitenansicht schmal). Stielgrube mittelweit, mitteltief, zur Bauchseite nicht eingesenkt ("flache Schultern"). Die Bauchnaht verläuft z.T. auf einem schmalen Wulst. Der Stempelpunkt ist für die kleine Frucht relativ groß, aufsitzend oder in einem kleinen Grübchen.

Die Stiele sind lang und dünn, mit einem relativ großen 'Teller' am Fruchtansatz.

Fruchtfleisch rötlich, saftig, säuerlich, nur schwach aromatisch
Fruchtstein
Fruchtstein länglich, asymmetrisch oval, typisch flach, 12 : 6,3 : 8,4 mm (Länge : Breite : Dicke)

[Studio-Foto Fruchtsteine: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de]
Baum
Mittelstark wachsend, hochkugelige Krone. Leitäste steil ansetzend, Verzweigung locker, mit leichter Neigung zum Verkahlen. Belaubung mittelgrün bis leicht grau grünlich. Veredlungsstelle unauffällig (Unterlage und Edelsorte gleich stark).

Blüte früh (im Vergleich zu anderen Kirschsorten) und vor dem Blattaustrieb; eher kleiner Blüten.
Verwechsler
Coburger Maiherz (Typ Sahlis-Kohren) mit ebenfalls länglich-ovaler Frucht, aber unterschiedlichen Fruchtsteinen (und minimal späterer Reifezeit). Die Früheste der Mark reift gleichzeitig wie die Frühe Maiherzkirsche, hat jedoch eine kürzere (rundlichere) Frucht und einen deutlich unterscheidbaren (rundlicheren) Fruchtstein. Bezüglich des Fruchsteins ähnlich kann die Sorte Burlat sein, diese reift jedoch etwas später und hat i.d.R. deutlich größere Früchte.
Fruchtfotos
Frühe Maiherzkirsche
Frühe Maiherzkirsche
Frühe Maiherzkirsche (Studio-Foto)
Frühe Maiherzkirsche (Fruchtsteine)
Baum im Laub
Frühe Maiherzkirsche (in Hagen a.T.W.)
Baum in Blüte/Winter
Frühe Maiherzkirsche in Blüte (in Hagen a.T.W.)
Anbaueignung
Mit ihrer extrem frühen Reife ist die Frühe Maiherzkirsche meist stark von Vogelfraß betroffen. Ihre kleinen Früchte sind erst bei voller Ausreifung aromatisch und und heute allenfalls zur Selbstversorgung interessant, sollten aber vor Vogelfraß geschützt werden. Heute werden daher meist größerfrüchtige Frühsorten (wie z.B. Burlat, Kassins) vorgezogen. Als historische Besonderheit (und züchterisch wegen ihrer extrem frühen Reife) sollte sie jedoch in Sammlungen erhalten werden.
Literatur
Kraft (1792): Pomona austriaca. Wien
Christ (1802): Handbuch über die Obstbaumzucht und Obstlehre (3. Auflage). Hermann'sche Buchhandlung, Frankfurt/M.
Truchsess (1819): Systematische Classification und Beschreibung der Kirschensorten. Cottaische Buchhandlung, Stuttgart
Jahn et al. (1861): Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, Bd. 3. Verlag Ebner u., Seubert, Stuttgart
Späth (1930): Späth-Buch 1720-1930 (Katalog der Baumschule Späth, Berlin/Ketzin)
Braun-Lüllemann/Bannier (2010): Obstsortenwerk Alte Süßkirschensorten (S. 124 ff.)

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gefährdet

stark gefährdet

vom Aussterben bedroht

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