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Flamentiner (Türkine)

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 9 Juni 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Flamentiner (Türkine)
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Synonyme
Flämische Kirsche, Türkine (fälschlich), Early White Bigarreau (England), Ovale Frühe Herzkirsche (Schweiz), Leggeske (Anbaugebiet Hagen a.T.W.)
Reifezeit
2. (-3.) Kirschwoche
Herkunft
Vermutlich in Nordrankreich entstanden (2. Hälfte des 17. Jahrhunderts), erstmals beschrieben bei Duhamel (1788) und 1804 im Katalog der Pariser Nationalbaumschule unter der Bezeichnung 'Le Flammentin' gelistet. Über den Pfarrer und Pomologen Christ (Kronberg) gelangte die Sorte nach Deutschland. Aufgrund einer Reiserverwechslung wurde die Sorte 1801 von Sickler im 'Teutschen Obstgärtner' (Band 15) fälschlich unter dem Namen 'Türkine' beschrieben (während die originale Sorte 'Türkine', eine kleine eher vogelkirschähnliche Sorte, in der Folgezeit verschollen ist).
Verbreitung
Unter dem fälschlichen Namen 'Türkine' hat die Sorte in Deutschland z.T. große Verbreitung gefunden. An den Fahnerschen Höhen bei Erfurt sollen um 1900 über 20 000 Bäume der Sorte gestanden haben und in den 1930er Jahren war sie als 'Türkine' noch in den Anbaulisten der Landwirtschaftskammer Thüringen verzeichnet (Kemmer, 1952) und Götz (1970) erwähnt sie noch 1970 als Brennkirsche für Baden-Württemberg. Bei einer Kartierung in der Kirschgemeinde Hagen a.T.W. im westlichen Niedersachsen wurde sie 2004 noch mehrfach angetroffen und war dort den Kirschbesitzern unter der Bezeichnung 'Leggeske' bekannt. Seit einigen Jahren sind Reiser der Sorte wieder im Reisermuttergarten der ORG in Bonn erhältlich.

Hinweis: In den Sortenwerken 'Deutschlands Obstsorten' (1905-34) und 'Deutsche Obstsorten' (1956-61) ist die Sorte unter dem eigentlich fälschlichen Namen 'Türkine' beschrieben.
Frucht
Mittelgroß, 20 : 20 : 17 mm bis 22 : 22 : 19 mm (Länge : Breite : Dicke)

Hellgelb, sonnenseitig gerötet (bauchseitig meist gelb bleibend).

Fruchtform: Länglich oval, bei Vollreife dann rundlicher, stempelseitig breit abgerundet. Relativ flache (d.h. in der Seitenansicht schmale) Frucht. Stielgrube flach bis mitteltief, mittelweit, zur Bauch- und Rückenseite nur flach eingesenkt. Bauchseite ebenmäßig (ohne Buckel oder Furche). Stempelpunkt mittelgroß, meist in flachem Grübchen. Stiel lang, mit großem fruchtseitigen Stielteller.

Fruchtfleisch: gelblich, weich, aromatisch, saftig, süß mit deutlicher Säure, druckanfällig (transportempfindlich)

Platzfestigkeit: Hoch

[Studiofoto Früchte: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de ]
Fruchtstein
Groß, 13 : 8 : 10,5 mm (Länge : Breite : Dicke), oval, mit meist nur schwach hervortretendem, eher breitem Bauchwulst, dessen seitliche Kanten fast parallel zu den mittleren Kanten verlaufen (oder schwach oval). Mittlere Kanten abgeflacht, kaum herausstehend. Stielseitig ohne ausgeprägtes Häkchen (Stielansatz).


[Studio-Foto Fruchtsteine: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de]
Baum
Wuchs stark. Leitäste steil, geringe Verzweigungsneigung, bei fehlendem Schnitt daher Neigung zum Verkahlen. Baumgesundheit je nach Standort sehr unterschiedlich. An den Fahnerschen Höhen bei Erfurt erscheinen die Bäume sehr gesund, in Hagen a.T.W. im westlichen Niedersachsen dagegen etwas anfällig für Gummifluss und Monilia. Belaubung etwas schütter; Veredlungsstelle gleichstark wie die Unterlage (oder etw. stärker).

Blüte typisch früh (im Vergleich zu anderen Kirschsorten); Blattaustrieb teils gleichzeitig mit der Blüte (etwas rötlich grün).
Verwechsler
Lucienkirsche, Perlkirsche, Kunzes Kirsche, Maibigarreau und andere 'Glaskirschen' ähnlicher Reifezeit, wobei die Flamentiner sich durch ihren großen ovalen Fruchtstein unterscheidet sowie durch ihre in der beginnenden Reife länglich-ovale flache Frucht.
Fruchtfotos
Flamentiner
Flamentiner
Flamentiner
Studiofoto Flamentiner
Studiofoto Fruchtsteine
Baum im Laub
Flamentiner
Baum in Blüte/Winter
Flamentiner
Anbaueignung
Sehr früh reifende rotbunte Süßkirsche mit wohlschmeckender, aber weicher und transportempfindlicher Frucht. Aufgrund der frühen Reife nicht von den Maden der Kirschfruchtfliege befallen. Wegen des zur Verkahlung neigenden Wuchses ist in der Jugend ein regelmäßiger Schnitt zu empfehlen., Die Baumgesundheit ist nicht an allen Standorten hoch.
Literatur
Duhamel (1768): Traité des arbres fruitiers
Sickler (1794-1804): Der teutsche Obstgärtner (Bd. 15)
Truchsess (1819): Systematische Classification und Beschreibung der Kirschensorten
Jahn et al. (1861): Illustrirtes Handbuch der Obstkunde (Bd. 3)
Lorgus (1905): Die Thüringer Kirschenschau in Diemitz, Witterda, Groß- und Klein-Fahner am 8. und 9. Juli 1905
Müller et al. (1905-1934): Deutschlands Obstsorten (unter dem Synonym 'Türkine')
Krümmel et al. (1956-1961): Deutsche Obstsorten (unter dem Synonym 'Türkine')
Braun-Lüllemann/Bannier (2010): Obstsortenwerk Alte Süßkirschensorten (S. 111 ff.)

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Kennzeichnungen

Gefährungsgrade

Am Beispiel der Kirsche:

Standardsorte

gefährdet

stark gefährdet

vom Aussterben bedroht

Regionalsorte

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