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Kunzes Kirsche

Verfasst von Carina Pfeffer am 17 Februar 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
'Kunzes Kirsche'
Gefährungsgrad
gefährdet
Synonyme
'Zotteltürkine', 'Wallhäuser'
Reifezeit
relativ früh, 2.- 3. Kirschwoche
Herkunft
Die 'Kunzes Kirsche' wurde nach dem thüringischen Lehrer und Obstzüchter Kunze aus Wallhausen (Kreis Sangerhausen) benannt, der sie seit 1800 verstärkt verbreitete. Eventuell stammt die Sorte aber aus dem Rheinland bei Bingen, der ursprünglichen Heimat Kunzes (Krümmel 1956-60).
Verbreitung
Zunächst lag der Verbreitungsschwerpunkt im Kirschenanbaugebiet Wallhausen. Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die 'Kunzeskirsche' dann überregional, mit Schwerpunkt Mitteldeutschland vertreten. Sie gehörte zum Diemitzer Sortiment und wurde in etlichen Schriften hoch gelobt. Das auf den Pflanzungen in Diemitz basierende Standardwerk "Deutschlands Obstsorten" (Müller et al. 1905-1934) bezeichnet sie als eine der wertvollsten Handelssorten und 1926 wird ihr vorzüglicher Geschmack im "Praktischen Ratgeber im Obst- und Gartenbau" gerühmt. Noch 1951 wurde sie von fünf Landwirtschaftskammern in den Empfehlungslisten geführt (Kemmer 1952), verlor aber zu diesem Zeitpunkt schon massiv an Bedeutung und wurde alsbald nicht mehr empfohlen. Heute finden sich gelegentlich noch Altbäume der Sorte im Streuobst.
Frucht
Größe: knapp mittelgroß, 18,5 : 22 : 18 mm (Länge: Breite : Dicke)

Form Vorderansicht: Breitrund, stiel- und stempelseits abgeflacht, etwas eckig wirkend

Färbung: Hellgelb, mit orange-roter Deckfarbe. Vollreif recht rot. Deutlich hell gestrichelt.

Fruchtfleisch: Weißlich, weich, sehr süß und aromatisch. Platzfestigkeit: hoch

Stielseite: Stielgrube mitteltief, mittelweit, zu Bauch und Rücken wenig eingesenkt, oder mit Nasenansatz, flache bis mittlere Schultern

Stiel: Mittellang bis lang, 4 bis 5 cm, mitteldick, hellgrün.

Bauch: flach gerundet, auch mit Nahtwulst

Rücken: flach gerundet, mit Kerbe

Seite: rel. dick, mittelbauchig

Stempelseite: Abgeflacht oder gerundet, etwas eingezogen, Stempelpunkt klein, mittelgrau, in einem Grübchen

Fruchtstein
Größe: klein, ø 10 : 6,5 : 8,5 mm (L : B : D)

Seitenansicht: asymmetrisch oval bis leicht zugespitzt, oft abfallende Rückenkante, mit kleinem Häkchen. Kippt auf einer geraden Unterlage liegend zur Bauchseite

Vorderansicht: mittelbauchig, mitteldick. Bauchwulst mittelbreit, sich stempelseits etwas verbreiternd, Außenkanten schwach gebogen. Mittelkamm tritt meist auf ganzer Länge leicht hervor.
Baum
'Kunzes Kirsche' wächst stark und gesund, gelegentlich fallen schwächer wachsende Bäume ins Auge, vermutlich auf kargen Böden. Die Kronenform ist breit pyramidal, das Laub ist speziell angeordnet und liegt dachziegelartig übereinander, die Veredelungsstelle ist unauffällig. Zur mittelspäten Blühtezeit öffnen sich die kleinen Blüten, mit ihren rundlich-ovalen, leicht abständigen Blütenblättern, der Stempel ist lang und kräftig. Zeitgleich ist etwas, vorwiegend grüner Blattaustrieb zu erkennen.
Verwechsler
'Maibigarreau' (Färbung mit Rosaton, Stein mit scharfen und tieferen Rillen, liegt gerade auf Unterlage), 'Garrns Bunte' (dicker u. rundlicher Stein) 'Flamentiner' (länglichere Frucht mit großem Stein), 'Weiße Spanische' (deutlich spätere Reife), 'Spenges Knappkirsche' (deutlich spätere Reife), 'Rheinische Kunzes-Ähnliche-An' (Frucht konisch geformt, größerer Stempelpunkt, Stein breit-rund), 'Rehnser Helle' (weniger gestrichelt, Stein in der Vorderansicht stark stielbauchig), 'Kronprinz von Hannover' (Frucht weniger aromatisch, herzförmiger, i.d.R. mit kleiner Spitze, kann aber fehlen, Stein ohne abfallende Rückenkante, liegt gerade auf Unterlage)
Fruchtfotos
'Kunzes' Studio
Baum in Blüte/Winter
'Kunzes' Blüte
Anbaueignung
Bestens geeignet ist die 'Kunzes Kirsche' für die Streuobstwiese, denn die Bäume sind sehr gesund und starkwüchsig. Der Geschmack der Früchte ist ausgezeichnet und der Ertrag hoch, auch wenn die Fruchtgröße eher klein ist. Zum Frischverzehr und zu jeglicher Form der Verarbeitung ist die Sorte zu empfehlen. Ein besonderer Vorteil: als früh reifende Sorte ist die 'Kunzeskirsche' noch nicht von der Kirschfruchtfliege betroffen und durch die gelb-bunte Färbung wird sie nicht oder weniger von der Kirschessigfliege befallen. Zu dieser Zeit ist bereits der größte Hunger der Vögel gestillt, was die Sorte rundum empfehlenswert macht.
Literatur
Demelius, R. (1903): Provinzial-Sächsische Monatsschrift für Obst-, Wein- und Gartenbau. Halle a.S.
Müller, J.; Bißmann, O., et al. (1905-1934): „Deutschlands Obstsorten“. Fortsetzung Kirschsorten. Eckstein und Stähle, Stuttgart
Unbekannt (1926): "Der Praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau". Verlag Trowitzsch, Frankfurt Oder
Kemmer, E. (1952): "Sortenstand und Sortenbewegung im deutschen Obstbau". Hrsg. Institut für Obstbau. Technische Universität Berlin-Charlottenburg
Dähne; D. 1964: " Kritische Untersuchung zur Sortenbenennung und Sortenbereinigung bei Süßkirschen unter besonderer Berücksichtigung des westdeutschen Marktsortiments. Dissertation der TH Hannover, Fakultät Gartenbau und Landeskultur"
Krümmel, H.; Groh, W. (1964): "Deutsche Obstsorten". Band Steinobst. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin
Braun-Lüllemann, A.; Bannier, H.J. (2010): "Obstsortenwerk Alte Süßkirschensorten, Genetische Vielfalt in den Kirschenanbaugebieten Hagen a.T.W. und Witzenhausen". Hrsg. BML, Bonn 2010.

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Kennzeichnungen

Gefährungsgrade

Am Beispiel der Kirsche:

Standardsorte

gefährdet

stark gefährdet

vom Aussterben bedroht

Regionalsorte

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