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Rheinische Schafsnase

Verfasst von Richard Dahlem am 15 Februar 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
ID: 307
Gefährungsgrad
gefährdet
Regionalsorte
nein
Synonyme
Als vermutlich sehr alte Sorte, die weit vor 1800 entstanden sein dürfte, hat die Rheinische Schafnase eine Vielzahl von Synonymen, als da wären:
Schafsnase, Seckbächer, Spitzer Matapfel, Berliner, Berliner Apfel, Grüne Schafsnase, Frankfurter Matapfel und Deutsche Schafsnase (Goethe et al. 1890),
Hessische Schafnase, Leichter Matapfel und Spitzapfel (ohne Autor um 1920) sowie Große Gestreifte Schafsnase, Apfelmuser, Große Schafsnase, Herrenapfel, Engels-, Roß- oder Katzenkopf, Grenadier und Credes Wilhelmsapfel (Deutschlands Obstsorten 1905 - 1934).
Reifezeit
Pflückreife ab Ende September, Verwertungsreife bis Januar.
Herkunft
Zur Tetralogie der Matäpfel siehe bei 'Brauner Matapfel'.

Die Geschichte der Rheinischen Schafnase ist aufgrund der Vielzahl an Synonymen und der darunter erfolgten Beschreibungen sehr verwirrend und schwer zu fassen. Dennoch soll hier versucht werden, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Ausgangspunkt der Betrachtung ist die Beschreibung von Goethe et al. (1890). Er beschreibt unter № 41 ihres Werkes eine Schafsnase, deren pomologische Namen 'Leichter Matapfel' und 'Spitzer Matapfel' seien und die sich nur durch die Fruchtform voneinander unterscheiden würden. Der 'Leichte Matapfel' sei rundkegelförmig, der 'Spitze Matapfel' hochgebaut kegelförmig.

Zeitlich nachfolgende Pomologien übernehmen diese Einordnung, so z. B. "Unsere besten deutschen Obstsorten" (um 1920), wo vermutlich der hochgebaute Typ abgebildet wird oder "Deutschlands Obstsorten" (1934), wo versucht wurde, einen "Durchschnittstyp" zu beschreiben. Die Abbildung scheint auch den hochgebauten Typ zu zeigen. Erstmalig erscheint hier "Rheinische Schafsnase" als offizieller Sortenname, vermutlich als Abgrenzung gegenüber anderen Sorten, die auch als Schafsnase bezeichnet wurden. In beiden Werken wird betont, daß die Sorte in mehreren, etwas voneinander abweichenden Spielarten vorkomme.

Noch mal zurück zu den als 'Schafnase' bzw. 'Rheinische Schafsnase' zusammengeführten Sorten bzw. Typen.

August Friedrich Adrian Diel scheit den 'Leichten Matapfel' nicht beschrieben zu haben. Thomae (1876) vermutet zwar, er habe ihn unter einem anderen Namen, und zwar 'Kochapfel' (Diel 1801) beschrieben. Dies erscheint jedoch nicht sehr plausibel, da der hier beschrieben Kochapfel wohl äußerliche Ähnlichkeit mit dem Leichten Matapfel hat, aber "... auch zum rohen Genuß durch seine feine angenehme Weinsäure reizt." Das kann man dem Leichten Matapfel als reinem Wirtschafts- und Mostapfel nicht nachsagen. Die erste dem Autor vorliegende Beschreibung des 'Leichten Matapfel' ist die Beschreibung von Christ (1809). Er beschreibt einen reinen Wirtschaftsapfel und Mostapfel, der meistens plattrunde, aber auf ein und dem selben Baum auch hochgebaute Früchte zeige. Darüber hinaus berichtet er von einer Varietät, die eine längliche und konische Fruchtform hat.

An dieser Stelle sei erwähnt, das Christ in diesem Werk auch eine 'Schafsnase' beschreibt. Hier werden Stielbauchigkeit, die stumpfkegelförmige Fruchtform, die faltige Kelchgrube und die weißen Schalenpunkte hervorgehoben, alles Merkmale, die wir heute für die 'Rheinische Schafnase' als typisch erachten. Ob Christ hier zwei Unterschiedliche Sorten beschreibt oder unterschiedliche Typen, die eine Sorte durch Mutationen oder mutterdominante Sämlinge ausbilden kann, lässt sich heute natürlich nicht mehr nachvollziehen.
Verbreitung
Traditionell am stärksten war die Sorte am Untermain, im südlichen Hessen und auch linksrheinisch im Mittelrheintal und in Rheinhessen verbreitet. Der Verbreitungsschwerpunkt konzentriert sich offensichtlich auf etwas wärmebegünstigtere Regionen im Einzugsgebiet der Apfelweinkeltereien in und um Frankfurt. So war die Rheinische Schafnase bei einer Kartierung eines Streuobstbestandes im Stadtgebiet von Frankfurt die häufigste Apfelsorte, gefolgt von Großer Rheinischer Bohnapfel und Schöner aus Boskoop (Nussbaum 2016). Darüber hinaus gehörte sie um 1900 auch zu den 20 häufigesten Apfelsorten in Baden (Großh. Obstbauschule in Karlsruhe 1898).

Auch im unteren Mittelrheintal bis in Höhe Bonn/Siegburg kommt die Sorte noch des öfteren vor (LVR 2017). Trotzdem sind Nachpflanzungen in den letzen Jahrzeiten kaum mehr erfolgt. Im zentralen Reisermuttergarten in Bonn wurden zwar Reiser mit der Benennung 'Rheinische Schafnase' an Baumschulen abgegeben. Es stellte sich jedoch heraus, dass von dort aus eine andere, bis heute unbekannte Sorte verbreitet wurde und somit die meisten Neupflanzungen fehlerhaft sind (LVR 2017). Der Fehler wurde mittlerweile korrigiert, so dass nun wieder die "echte" Rheinische Schafnase im Reisermuttergarten Bonn zu beziehen ist.
Frucht
Bei der Beschreibung der 'Rheinischen Schafnase' in Deutschlands Obstsorten lagen den Autoren Früche aus drei verschiedenen Anbaugebieten vor (Rheingau, Nahetal und Rheinhessen). die sich in ihren Merkmalen etwas unterschieden. Die Schlussfolgerung hieraus ist, dass die Sorte in mehreren voneinander abweichenden 'Spielarten' vorkomme, die sich vor allem in der Fruchtgröße, der Fruchtform und im Ausmass der Falten und Rippen in der Kelchgrube bemerkbar mache.

Die hier vorliegende Beschreibung sowie das einführende Foto stammt von Früchten aus dem Mittelrheintal und der Sortenname wurde dem Autor mündlich überliefert. Die Fotos der weiteren Früchte stammen aus Ingelheim (Rheinhessen) und scheinen sich etwas von der mittelrheinischen Herkunft zu unterscheiden.

Früchte mittel bis groß, breit stumpf kegelförmig, deutlich stielbauchig. zum Kelch hin gleichmäßig konisch verjüngt, nicht einziehend. In der Draufsicht meist mit fünf breiten Kanten. Das spezifische Gewicht der Sorte ist relativ leicht, was sich dementsprechend im Synonym 'Leichter Matapfel' widerspiegelt.

Die Grundfarbe ist grünlich gelb. Die Deckfarbe, welche bei gut besonnten Früchten deutlich mehr als die Hälfte der Fruchtoberfläche einnehmen kann, ist ein bräunliches orangerot und von dunkler roten und abgesetzten Streifen durchsetzt. Die Fruchtoberfläche ist unberostet. Die Schalenpunkte sind grauweiß und meist nicht verkorkt. In der Umgebung der Stielgrube befindet sich ein silbrigweißer, nicht abwischbarer Schalenbelag.

Die Schale ist glatt und glänzend und mit zunehmender Reife etwas fettig werdend. Die Druckfestigkeit ist mittel.

Die Kelchgrube ist schmal und mitteltief bis tief. Sie ist meistens markant gerippt und gefaltet und unberostet. Der Kelch ist geschlossen, die Kelchblätter mittellang und breit, zusammenneigend.

Die Stielgrube ist eng und tief. Die Berostung ist feinstrahlig und vor allem in der Tiefe der Stielgrube grobschuppig. Der Stiel ist meistens kurz, selten mittellang, nicht über den Stielgrubenrand hinausragend.

Die Kelchhöhle ist breit dreieckig, mit manchmal verbreitertem Grund und dann becherförmig. Das Kernhaus ist im Vergleich zur Fruchtgröße klein und stielnah. Die Achsenhöhle ist leicht geöffnet. Die Kernhauswände sind ohrenförmig, glatt und glänzend, meist ohne Risse und ohne wollig-flockige Ausblühungen. Kerne recht zahlreich, gut ausgebildet und in der Form etwas streuend. Ein typisches Maß ist 8/9 : 5 mm.

Das Fruchtfleisch ist gelblich weiß, locker und saftig. Der Geschmack ist geringaromatisch und säuerlich, die Schale dick und beim Verzehr störend.

Besondere Merkmale:
- Frucht breit stumpf kegelförmig, stielbauchig,
- Schalenpunkte fein weißgrau, kaum verkorkt,
- Schale in Reife etwas fettig werdend,
- Kelchgrube typisch faltig und wulstig,
- Stielgrube tief, Stiel kurz,
- Kernhaus klein und stielnah.



Baum
Die Rheinische Schafnase ist eine mittelstarkt wachsende Sorte, die eine aufrechte und später breite und sparrige Krone aufbaut und ein festes, kräftiges und widerstandsfähiges Blattwerk hat (Müller et al. 1934).

Die Sorte ist robust gegenüber Schorf und Mehltau. Zu starke Bodennässe und Bodenkälte verursacht jedoch Krebs. Für einen guten Ertrag sind außerdem gut nährstoffversorgte Böden notwendig. Weiterhin gelten Lehmböden als günstiger wie Sandböden, da sich hier die Früchte länger halten und von besserer Qualität sind (Müller et al. 1934).
Verwechsler
Eifeler Rambur
Dieser hat eine höhere Druckfestigkeit, einen weiter offenen Kelch, kleinere Kerne und ausreichende Tafelqualität.

Hauxapfel
Dieser hat festere Früchte, oft einen kopfig verdickten Stiel, eine schmale Kelchröhre und größere Kerne.

Sponheimer Flurapfel
Dieser hat verkorkte Schalenpunkte, manchmal eine Kelchröhre, eine weit offene Achsenhöhle und gerissene sowie wattig ausgeblühte Kernhauswände.
Anbaueignung
Die 'Rheinische Schafnase' ist eine Sorte für den extensiven Streuobstbau, die allerdings etwas wärmebegünstigtere Lagen benötigt und keine nasskalten Böden verträgt. Auch eine ausreichende Nährstoff- und Wasserversorgung ist für diesen Massenträger zur Erzielung eines guten Ertrages Voraussetzung (Deutschlands Obstsorten 1905 - 1934). Werden diese Bedingungen erfüllt, ist die Rheinische Schafnase nach wie vor ein sehr guter Mostapfel und ein guter Wirtschaftsapfel.
Fruchtfotos
IDs: 307, 1578 & 1579
ID: 1578
ID: 1579
IDs: 306 & 306 bis 308
Literatur
Christ, J. L. (1809): Der Leichte Matapfel, № 237. In: Vollständige Pomologie (...) des Kern- und Steinobstes. Erster Band: Das Kernobst. Frankfurt/Main, Verlag Philipp Heinrich Guilhauman.
Christ, J. L. (1809): Die Schafsnase, № 257. In: Vollständige Pomologie (...) des Kern- und Steinobstes. Erster Band: Das Kernobst. Frankfurt/Main, Verlag Philipp Heinrich Guilhauman.
Diel, Aug. Friedr. Adr. (1801): Der Kochapfel. In: Versuch einer systematischen Beschreibung in Deutschland vorhandener Kernobstsorten. 4. Heft, S. 182 - 186. Frankfurt/Main, Andreaische Buchhandlung.
Goethe, R., Degenkolb, H. & Mertens, R. (1890): Die Kernobstsorten des deutschen Obstbaues. Berlin, Druck Gebr. Unger, 160 Seiten.
Großh. Obstbauschule in Karlsruhe (1898): Die Kernobstsorten Badens. Zweite Auflage. Karlsruhe, Druck der Braun'schen Hofdruckerei. 45 Seiten.
Landschaftsverband Rheinland LVR (Hrsg.) (2017): Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland - neu entdeckt! Köln, 2. erw. Auflage, 256 Seiten.
Müller, J., Bißmann, O., Poenecke, W., Schindler, O. & Rosenthal, H. (1905 - 1934): Deutschlands Obstsorten. Stuttgart, Deutschland; Eckstein und Stähle. Lieferung 26, Nr. 311.
Nussbaum, W. (2016): Bericht über die obstbauliche Kartierung am Berger Nordhang im September 2015. In: Jahresheft Pomologen-Vereins e. V., S. 152 - 155.
Ohne Autor (um 1920): Unsere besten Deutschen Obtsorten. Band I: Äpfel. Wiesbaden, Druck und Verlag Rud. Bechtold & Comp. 41 Sortenbeschreibungen mit Farbtafeln.
Thomae, Dr. C. (1876): Die Familie der Matäpfel. In: Wiener Obst- und Gartenzeitung. Wien, Verlag von Faesy & Frick, S. 72 - 80.
Diese Sortenbeschreibung wurde möglich durch eine Spende von:
Alancri Stiftung

Reiserabgabe

Akzessions-Nummer Name Anschrift E-Mail-Adresse
A-8353 Dr. Philipp Eisenbarth Im Röhrich 56
67098 Bad Dürkheim
Deutschland
philipp-eisenbarth@t-online.de
A-10844 Dr. Michael Hoff Haingrabenstraße 28
61381 Friedrichsdorf-Burgholzhausen
Deutschland
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A-15398 Michael Schlitt Mühlweg 12
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