
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Synonyme
Ritterbirne, Leipziger Rettigbirne, Radis de Leipsick
Reifezeit
Ab Mitte August erntereif, bis Mitte September genussfähig.
Herkunft
Trotz der räumlichen Namensgebung ist die genaue Herkunft und Entstehung der Sorte nicht gesichert. Diel schreibt im Jahre 1807, dass er sie aus Düben bei Leipzig von Dr. Lehmann erhielt und unterscheidet hier die Wahre Leipziger Rettichbirne von der Ritterbirne, welches heute ein Synonym ist der Leipziger Rettichbirne, aus der Niederlausitz. Inwieweit es sich wirklich um zwei verschiedene Sorten gehandelt hat, bleibt heute unklar. Im 20. Jahrhundert taucht die Sorte kaum noch in den Pomologien auf.
Verbreitung
In Altbeständen sehr selten geworden. Leider wurde eine Zeit lang auch eine falsche Sorte als Leipziger Rettichbirne verbreitet, was dann meist dazu führt, dass die echte Variante weiter in den Hintergrund rückt. In Sammlungen wird die Sorte erhalten.
Frucht
Die Frucht ist klein, kreisel- bis hochkugelförmig, verjüngt sich zu beiden Seiten fast gleichmäßig. Frucht mittelbauchig, aber auch mal stielbauchig, im Querschnitt leicht kantig bis oval, steht meist nicht. Der Stiel sitzt in einer engen, leicht vertieften Grube, manchmal von einem Fleischring umgeben oder auch einem Wulst, der den Stiel verdrückt. Der Stiel ist bis 3 cm lang, 2 mm dünn, oft gebogen, am Ansatz grün, dann hellbraun werdend, mit deutlichen, teils abstehenden Knospen. Die Kelchgrube ist so flach, dass der Kelch über den Grubenrand herausragt, leicht beulig, uneben. Der Kelch ist offen, verwachsen, hochstehend, auch mal sternförmig, grau. Die Schale ist grasgrün, mit dunkel umhöften Lentizellen, hellt nach gelb auf, ohne Deckfarbe, einzelne Rostsprenkel. Die Kernhausachse ist geschlossen, die Kammern anliegend, eiförmig, mit gut entwickelten braunen Kernen. Das Fruchtfleisch ist weißlich und schmeckt süßsäuerlich.
Baum
Der Baum wächst mittelstark bis stark, verzweigt sich gut und wirkt durch die bewollten Blätter etwas charakteristisch trübgrau. Der Ertrag setzt erst mittelspät ein. Die Blüte erscheint mittelspät bis spät, mit 8 einzelnen Blüten je Knospe. Die Pflanze und auch die Früchte sind insgesamt gesund.
Verwechsler
In der Reifezeit wegen der fast hochkugeligen Form und wegen des langen Stiels nicht mit anderen bekannten Sorten zu verwechseln. Am leichtesten ist sie noch mit der Sommereierbirne zu verwechseln wegen der Fruchtgröße und der ähnlichen Reifezeit. Die Sommereierbirne ist aber zu beiden Seiten zugespitzter und nicht so abgerundet.
Anbaueignung
Bedingt durch die nur kleinen Früchte ist der kulturhistorische Wert der Sorte höher als die Nutzbarkeit. Interessant könnte die Bewollung der Blätter als weitere Züchtungsgrundlage werden, da diese weniger für den zunehmenden Sonnenbrand der Blätter empfindlich sind.
Fruchtfotos
Triebe
Laub
Literatur
Diel, A. F. A. (1807): Versuch einer systematischen Beschreibung in Deutschland vorhandener Kernobstsorten. Heft 12 (Birnen 6). Frankfurt a. M., Deutschland; Andreäische Buchhandlung. S. 17
Jahn, F.; Lucas, E.; Oberdieck, J. G. C. (1860): Illustrirtes Handbuch der Obstkunde. Band 2. Birnen. Stuttgart, Deutschland; Ebner & Seubert. Nr. 17
Lauche, W. (1883): Deutsche Pomologie. Birnen, 2. Band. Berlin, Deutschland; Paul Parey. Nr. 92
Müller, J.; Bißmann, O, Poenecke, W. Schindler, Rosenthal, H. (1905-1934): Deutschlands Obstsorten. Stuttgart, Deutschland; Eckstein und Stähle. Lieferung , Nr. 52
Eneroth, O., Smirnoff, A. (1899): Handbok i Svensk Pomologi. Päron, Ny Upplaga Stockholm, Schweden; P. A. Norstedt & Söners. S. 285
Diese Sortenbeschreibung wurde möglich durch eine Spende von:
Zeitlupe gGmbH
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