Münsterbirne R

Verfasst von Hans-Joachim Bannier im April 2015. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos beim Autor.
gefährdet
ja
Zuckerbirne, Doppelte Münsterbirne
Die Pflückreife liegt etwa Ende August bis Anfang September. Genussreif bleiben die Früchte etwa drei Wochen lang.
Die genaue Herkunft und der Entstehungszeitpunkt der Sorte sind unbekannt. Sie findet jedoch schon vor rund einhundert Jahren Erwähnung bei U. Dederichs (o.J.), „Der Obstbau im Kreise Monschau“, wo es heißt: „Da ist zunächst die sogenannte Münsterbirne oder auch Zuckerbirne geheißen, die ihren Namen dem Münsterland, dem Land um Cornelimünster verdankt. Ein dankbares Birnchen, das zu allem verwendet werden kann, zum Einmachen, Rohessen und Trocknen“ (S. 3). Angeblich soll schon im 17. Jahrhundert der Baum einer Münsterbirne eine Grundstücksgrenze des Klosters in Kornelimünster markiert haben; 1646 wurde anstelle des Baumes ein Grenzstein mit der Inschrift Beirbvm („Birnbaum“) aufgestellt (Abt Altenähr, „Der Grenzstein am Beirbvm“ (Abtei Kornelimünster, 1994).
Die Münsterbirne ist eine Lokalsorte aus dem Raum Aachen, dort speziell aus dem – im Grenzbereich der Städte Aachen und Stolberg gelegenen – sog. „Münsterländchen“ mit seinen Gemeinden Münsterbusch, Kornelimünster, Brand, Schleckheim und Breinig und weiteren Ortschaften.Auch heute noch existieren im „Münsterländchen“ zahlreiche der mächtigen alten Münsterbirnen; die Biologische Station StädteRegion Aachen zählte noch etwa 60 Bäume, die dem Anschein nach zum großen Teil über einhundert Jahre alt sein dürften. Bei einem der Bäume ist sogar ein Alter von 200 Jahren bezeugt. Von den Baumbesitzern werden einige der Bäume abweichend als „Doppelte Münsterbirne“ bezeichnet, die sich durch die Größe ihrer Früchte von der „einfachen“ Münsterbirne unterscheide. Eine im Rahmen des LVR-Projekts „Lokale und regionale Obstsorten„ durchgeführte molekulargenetische Untersuchung beider Sorten ergab jedoch, dass die vermeintliche „Doppelte Münsterbirne“ mit der Münsterbirne identisch ist. Erhältlich ist die Münsterbirne noch in den Baumschulen Plum (Heinsberg), Minis (Herzogenrath) und Frijns (Margraten/NL).
Frucht klein bis mittelgroß, hochgebaut kegelförmig, kegelförmig bis birnenförmig; kelchbauchig, kelchseitig abgerundet, zum Stiel hin teils seitlich eingezogen, teils gleichmäßig verjüngt und stielseitig oft auffallend abgeplattet. Deckfarbe baumreif dunkelrot, blutrot, auf einem Achtel bis der Hälfte der Frucht. Sonnenseitig teils auch flächige, auf Deckfarbe fein golden bronzierte Berostungen. Schale glänzend, trocken. Die großen Schalenpunkte sind auffallend eingesenkt, was die Schale etwas uneben, fast beulig, erscheinen lässt. Kerne öfters taub. Volle Kerne dunkelbraun, 8 (-8,5):4 mm, oben teils mit kleiner „Nase“, unten zugespitzt, zur Spitze hin teils gekrümmt, teils seitlich etwas eingeschnürt. Fruchtfleisch beige weiß, schwach gelblich weiß, etwas griesig, mittlerer Saftgehalt, je nach Standort und Jahreswitterung süß aromatisch, würzig, oder ohne ausgeprägtes Aroma. Etwas zur Steinzelligkeit neigend.
Der Baum der Münsterbirne wächst ausgesprochen stark und bildet mächtige Kronen, die ein hohes Alter erreichen können. Auch im Alter sind die Bäume meist noch vital und reagieren auf Verjüngungsschnitt mit einem kräftigen Neuaustrieb.
Holzfarbige Butterbirne, Clapps Liebling,
Die Münsterbirne wurde früher als Tafelbirne geschätzt, aber auch als Wirtschaftsbirne zum Einkochen verwendet oder zum Dörren. Dazu wurden die Birnen auf Trockengestellen über dem Herd getrocknet und später bei Bedarf eingeweicht, auf ein Sieb gestrichen und zum Bäcker gebracht, der daraus den sog. Spießfladen buk (Anm.: Spieß = Speise). Heute werden die Früchte der Münsterbirne jedoch zunehmend seltener verwertet, da sie relativ klein und an den meist hohen alten Bäumen nur beschwerlich zu ernten sind. Die Sorte ist recht robust gegen Krankheiten, wenn auch nicht völlig frei von Schorf. Der Ertrag ist mittelhoch und alternierend. Die Münsterbirne ist eine Wirtschaftsbirne, deren Bäume gut für die Streuobstwiese geeignet und (besonders zurzeit der Obstblüte) landschaftsprägend sind.

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