Juffernbirne R

Verfasst von Hans-Joachim Bannier im April 2015. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos beim Autor.
gefährdet
ja
Rotbirne, Wendelsbirne
Die Pflückreife liegt etwa Anfang bis Mitte Oktober, verwendbar bleiben die Früchte bis in den Dezember.
Die Herkunft dieser im Rheinland in den Kreisen Düren, Euskirchen, Aachen und Ahrweiler unter dem Namen Juffernbirne noch im Streuobst anzutreffenden Sorte ist unbekannt. Im „Verzeichnis der in der Rheinprovinz für Großcultur empfehlenswerten Obstsorten“ von 1890 (S. 18 ff.), herausgegeben vom landwirtschaftl. Verein für Rheinpreußen, taucht in einer Liste der am besten zum Dörren geeigneten Birnensorten der Name Juffernbirne auf – als Synonym für die einst auch überregional verbreitete Birnensorte Trockener Martin. Auch GOETHE, DEGENKOLB UND MERTENS (1894) nennen in ihrem Werk „Deutschlands Kernobstsorten“ die Rotbirn aus St. Wendel als Synonym für den Trockenen Martin. Allerdings handelt es sich bei den Früchten der heute noch als Juffernbirne bzw. Rot- oder Wendelsbirne bekannten Sorte allem Anschein nach nicht um die Sorte Trockener Martin, sondern um eine zwar äußerlich sehr ähnliche, aber eigenständige Sorte. Der Name „Juffern“ ist ein mundartlicher Ausdruck für alte Jungfer, aber auch die Bezeichnung für die Eifler Matronen (römische Göttinnen mit wahrscheinlich keltischen und germanischen Wurzeln). Diese wurden zumeist mit Birnen auf ihrem Schoß abgebildet. Zahlreiche Sagen der Eifel (u.a. aus Juntersdorf, Heimbach und Eschweiler-Dürwiß) erzählen von Juffern und Birnen. Die als Juffern weiterlebenden Matronengöttinnen bewachten und beschützten die Obstwiesen.
In der Eifel kommt sie insbesondere um Mechernich noch häufiger vor, fast immer auf sehr alten, oft über einhundertjährigen Bäumen. Die Sorte scheint jedoch noch weiträumiger verbreitet gewesen zu sein, denn allem Anschein nach ist sie identisch mit einer Sorte, die im Saarland – insbesondere um St. Wendel – noch unter dem Namen Rotbirne oder Wendelsbirne bekannt ist.
Klein bis mittelgroß, stumpfkegelförmig, teils birnenförmig, kelchbauchig, zum Kelch hin gerundet, zum Stiel hin verjüngt, meist auf einer Seite schwach seitlich eingezogen, dadurch etwas ungleichhälftig. Im Querschnitt fast rund. Die gesamte Frucht ist von einer feinen, oliv grünlichen, in der Reife später zimtbraunen Berostung überzogen. Kelchgrube ganz fehlend (mit aufsitzendem Kelch) oder flach. Kerne, lang, 10 : 4 (-4,5) mm, dunkelbraun, oft sichelartig asymmetrisch, mit einer langen feinen Spitze. Fruchtfleisch -Fruchtfleisch grünlich-weiß, reif beige weiß, fest, mäßig saftig, süßlich, geringes Aroma. Schale hart, etwas herb.
Der Baum der Juffernbirne ist anfangs stark, später mittelstark wachsend, mit kräftigen schräg winkelnden Seitenästen, die ohne Schnitt etwas zum Verkahlen neigen. Er bildet eine nur mittelgroße, kugelige bis breitpyramidale Krone ohne dominierenden Mittelstamm. Die Sorte ist relativ robust gegen Schorf und Obstbaumkrebs.
Gute Graue, Volkmarser Birne, Palmischbirne, Madame Verte, Martinsbirne, Nägelesbirne.
Die Juffernbirne trägt reich und regelmäßig, wenig alternierend. Bei fehlendem Schnitt neigt sie bei ihren hohen Erträgen zu Kleinfrüchtigkeit. Das kurzstielige Blatt ist nur mittelgroß, eiförmig oval, stumpf gespitzt, etwas trüb grün. Die Blüte im Frühjahr zeitigt früh und scheint sehr robust gegen Witterungseinflüsse zu sein. Mit den veränderten Ernährungsgewohnheiten und der heute kaum noch praktizierten häuslichen Obstverarbeitung hat die Juffernbirne ihre Bedeutung verloren, ihre Früchte werden häufig nur noch als Viehfutter genutzt. Sie ist eine typische Streuobstsorte, die durch ihre Baumgesundheit auffällt und deren Bäume trotz des hohen Alters und mangelnder Pflege sehr gesund dastehen. Ihre Erhaltung könnte vor allem durch die Vermarktung von Dörrobstprodukten gesichert werden.

Foto: Jan Bade

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