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Tannenkrüger

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 12 Juli 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Tannenkrüger
Gefährungsgrad
gefährdet
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Die Pflückreife liegt etwa Anfang bis Mitte Oktober, auf dem Lager halten die Früchte bis Dezember.
Herkunft
Die Apfelsorte Tannenkrüger wurde 1905 vom Züchter R. Cronemeyer auf dem Hof Tannenkrug in Leopoldshöhe (Lippe) nahe Bielefeld aus einem Samen der Goldparmäne gezogen und in der Folgezeit von den Obstbaumschulen der Region als Ersatz für diese angepriesen.

1924 war der Tannenkrüger auch in Münster auf der großen „Provinzial-Obst-, Gemüse- und Gartenbau-Ausstellung“ ausgestellt (s. „Obst- und Gartenbau-Zeitung“ 14. Jg., Nr. 2, Münster, Febr. 1925).

Im Katalog der Baumschule Eikermann (Kalletal-Hohenhausen) von 1933 heißt es, der Tannenkrüger bilde „einen gleichwertigen Ersatz für die hier nicht gedeihende Wintergoldparmäne, mit der die Frucht im Aussehen und Geschmack die größte Ähnlichkeit hat“. Anders als die Goldparmäne, die auf den schweren lippischen Böden und bei den hier herrschenden hohen Niederschlägen an Schorf und Obstbaumkrebs litt, gedeihe der Tannenkrüger „am besten auf feuchten, tiefgründigen und schweren Boden, ist dann reichtragend. Der Baum wächst mässig stark und ist widerstandsfähig gegen Krebs und Fusikladium“ (Katalog Eikermann).

Auch von den Baumschulen Krämer (Detmold), Budde (Lemgo), Bergt (Bad Pyrmont) und anderen Obstbaumschulen der Region wurde die Sorte – teils noch bis in die 1990er Jahre – als gesunder Ersatz für die Goldparmäne angeboten und erhielt teils sogar die Zuschreibung „Lippische Goldparmäne“, auch wenn sie in ihrer geschmacklichen Qualität doch nicht an die Muttersorte heranreicht.

Verbreitung
Die Verbreitung des Tannenkrüger ist weitgehend auf das Gebiet des alten Fürstentums Lippe sowie der Stadt Bielefeld beschränkt geblieben. Dort ist die Sorte auch heute noch regelmäßig auf alten Obstwiesen anzutreffen, wenn auch nicht häufig.

In den regionalen Baumschulen ist die Sorte vereinzelt noch erhältlich; sortenechte Reiser können auch beim Reisermuttergarten Bonn der Obst-Reiser-GmbH bezogen werden.
Frucht
Frucht mittelgroß, bei vollem Behang auch klein, breitrundlich, seltener rundlich, stiel- und kelchseits breit abgeflacht, mittelbauchig, insgesamt ebenmäßig, im Querschnitt rund; pflückreif mittelfest, nach Lagerung druckanfällig. Die Schale ist glatt, mattglänzend, gelagert trocken oder schwach wachsig, relativ dick, etwas zäh.

In der Färbung der Goldparmäne zum Verwechseln ähnlich. Grundfarbe gelblich grün, bei Reife grünlich gelb. Deckfarbe orangerot, karminrot marmoriert, punktiert, geflammt, fein gestreift, auf etwa einem Fünftel bis zwei Dritteln der Frucht.

Stielgrube mittelweit, flach bis mitteltief, Seiten teils grün bleibend (wie Goldparmäne), teils fein hellbraun oder graubraun berostet. Stiel mittellang, variabel auch kurz oder lang, dünn bis mitteldick, vereinzelt durch einen kleinen Fleischwulst etwas schief gedrückt.

Kelchgrube mittelweit (bis weit), mitteltief (auch flach), schüsselförmig, Seiten mittelsteil oder flach, meist relativ ebenmäßig, manchmal etwas berostet. Kelchumgebung ebenmäßig. Kelch relativ groß, meist offen oder halboffen.

Kelchhöhle kurz trichter- oder becherförmig, Staubfäden mittelhoch oder tiefständig verwachsen. Kernhaus eher klein, Achse variabel geschlossen oder deutlich geöffnet. Kernhauswände ohrenförmig, teils auch bogen- oder sichelförmig, teils ungerissen, glänzend, teils mit einzelnen Rissen. Kerne relativ klein, rundlich bis oval, ca. 7 : 4,5 bis 5 mm, hell- oder mittelbraun, unten gerundet oder stumpf gespitzt, im Mittel etwas kleiner als die der Goldparmäne; manchmal Krüppelkerne vorkommend.

Fruchtfleisch hell gelblich weiß, fest, mittelfeinzellig, saftig, nach Lagerung später mürbe, leicht aromatisch (etwas geringer als Goldparmäne), gering verbräunend.
Baum
Der Baum des Tannenkrüger ist mittelstark bis starkwüchsig und bildet im Alter eine mittelgroße, kugelige bis breitkugelige, relativ dicht verzweigte Krone.

Er ist robust, wenig anfällig für die wichtigsten Pilzkrankeiten Schorf, Obstbaumkrebs und Mehltau. Laut Baumschulkatalog der Baumschule Eikermann von 1933 gedeiht die Sorte „am besten auf feuchten, tiefgründigen und schweren Böden und ist dann reichtragend“. Auf mageren Sandböden – sowie bei unterlassener Schnittpflege – neigt die Sorte zu Kleinfrüchtigkeit. Über ihre Eignung für Höhenlagen ist nichts bekannt.

In der Jugend wächst der Baum des Tannenkrüger anfangs stark, mit relativ flach winkelnden Leitästen, die bei der Baumerziehung zur Pyramidenkrone in den ersten Jahren ggf. etwas hochgebunden werden sollten Mit dem relativ früh einsetzenden Ertrag lässt das Wachstum etwas nach. Der Ertrag ist relativ hoch, wenn auch etwas alternierend.

Die Blüte im Frühjahr zeitigt mittelspät. Als diploide Sorte ist der Tannenkrüger ein guter Befruchter für andere Apfelsorten. Das Laub ist – im Vergleich zu anderen Apfelsorten – relativ klein.
Verwechsler
Goldparmäne, Geheimrat Wesener, Erwin Baur
Anbaueignung
Alles in allem ist der Tannenkrüger eine robuste Sorte für den extensiven Streuobstanbau, der noch als Tafelapfel verwendet werden kann. Sie ist vor allem für Standorte mit schweren und feuchten Böden geeignet. Ältere Bäume benötigen einen regelmäßigen Auslichtungsschnitt, um Kleinfrüchtigkeit und eine zu sehr verdichtete Krone zu vermeiden.
Fruchtfotos
Tannenkrüger (Studiofoto)
Tannenkrüger (Studiofoto)
Tannenkrüger (geschnittene Frucht)
Tannenkrüger (geschnittene Frucht)
Tannenkrüger
Tannenkrüger
Tannenkrüger
Literatur
Obst- und Gartenbau-Zeitung (1925): 14. Jg., Nr. 2, Münster, 12. Februar 1925, S. 10
Baumschulen und Obstkulturen Gebr. Eikermann, Selsen b. Hohenhausen. Angebotskatalog 1933
Bannier, H.J. (2022): Alte Obstsorten - neu entdeckt für Westfalen und Lippe. Hrsg. Stiftung für die Natur Ravensberg. 4. Aufl. 2022, S. 41 und Bildtafel

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