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Wünnenberger Zuckerapfel

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 11 Juli 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Wünnenberger Zuckerapfel
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Synonyme
Zuckergörekes
Reifezeit
Pflückreife etwa Mitte bis Ende September; auf dem Lager halten die Früchte bis November.


Herkunft
Der Wünnenberger Zuckerapfel ist eine Lokalsorte aus Bad Wünnenberg im Bürener Land am südlichen Rand des heutigen Landkreises Paderborn.

Über die genaue Entstehung dieser Apfelsorte sind keine schriftlichen Zeugnisse bekannt. In der mündlichen Überlieferung wird die Sorte gelegentlich auch als „Zuckergörekes“ bezeichnet. Genauere Angaben über die Entstehung der Sorte waren jedoch bislang auch von örtlichen Zeitzeugen nicht mehr in Erfahrung zu bringen.

In anderen Regionen Deutschlands konnte die Sorte bisher nicht identifiziert werden. Genetische Fingerprints (mit deren Hilfe man ermitteln könnte, ob die Sorte womöglicih in anderen europäischen Ländern vorkommt und womöglich von dort nach Westfalen gelangt sein könnte) wurden bislang nicht erstellt.
Verbreitung
Der Wünnenberger Zuckerapfel scheint ausschließlich lokal verbreitet zu sein, in Bad Wünnenberg und dem benachbarten Fürstenberg. Ein alter Baum in Frohnhausen bei Brakel (Krs. Höxter) konnte allerdings ebenfalls als Wünnenberger Zuckerapfel identifiziert werden.

In Baumschulen oder Reisermuttergärten ist die Sorte heute nicht erhältlich. Einzelbäume zur Sortenerhaltung wurden inzwischen vom Freilichtmuseum Detmold, der Gemeinschaft für Naturschutz in Bad Wünnenberg sowie im Sortengarten Hemer des Naturschutzzentrums Märkischer Kreises gepflanzt.
Frucht
Frucht mittelgroß, kugelig bzw. abgerundet kegelförmig. Im Querschnitt unregelmäßig rund bis ganz leicht (fünf-)kantig, bei Pflückreife fest. Schale feinrauh, glatt, mitteldick, relativ hart, bei Lagerung bald etwas welkend.

Grundfarbe trüb oliv grün, spät (und etwas uneinheitlich) aufhellend, in der Reife trüb oliv gelb, oft über weite Strecken von einer sehr feinen, kaum als solche auffallenden Berostung überzogen. Deckfarbe oft fehlend; wenn vorhanden, sonnenseitig bräunlich-orange (seltener purpurrötlich) oder goldgelb gehaucht (ähnlich wie bei Graue Herbstrenette), auf 0 bis 1/6 der Frucht. Schalenpunkte klein bis mittelgroß, berostet.

Stielgrube eng bis mittelweit, mitteltief, oft mit einem kleinen seitlichen Fleischwulst (ohne dass der Stiel von diesem seitlich gedrückt wird). Stiel kurz, dünn, nicht oder nur gering aus der Stielgrube herausragend.

Kelchgrube mittelweit, mitteltief oder flach, ganz vom mittelgroßen bis großen Kelch ausgefüllt. Seiten mittelsteil oder flach, ebenmäßig oder leicht faltig, Umgebung ebenmäßig oder schwach (fünf-)kantig. Kelch mittelgroß bis groß, variabel geschlossen oder auch halboffen / offen. Blättchen mittellang bis lang, schmal / spitz endend, teils nach außen umgeschlagen.

Kelchhöhle trichterförmig, Staubfäden tief- bis mittelständig verwachsen. Kernhaus mittelgroß, ‚Core-Line’ eng ums Kernhaus. Achse meist etwas geöffnet, wattierter Hohlraum. Kernhauswände rucksackförmig, nur zu Teilen glänzend, zu Teilen matt, teils mit einzelnen, „verpilzten“ Rissen. Kerne mittelgroß, 8 : 4,5 mm, kastanienbraun, z.T. hell gestrichelt.

Fruchtfleisch grünlich-gelblich weiß, mittelfeinzellig, wenig saftig, süßlich, ohne Säure, gering im Aroma, gering verbräunend.
Baum
Der Baum des Wünnenberger Zuckerapfels wächst mittelstark, mit schräg aufrechten, reichlich verzweigenden Seitenästen. Er bildet eine pyramidale, relativ dichte Krone die gelegentlich eines Auslichtungsschnitts bedarf.

Die Sorte ist robust, wenig anfällig für Krankheiten und für unterschiedlichste Standorte geeignet. Der Ertrag beginnt in der Jugend des Baumes relativ früh und ist relativ hoch und regelmäßig. Als diploide Sorte ist die Sorte auch als Bestäuber für andere Apfelsorten gleicher Blütezeit geeignet.
Verwechsler
Ohio Renette, Lunterser Bellefleur (Holland), 'Werrapepping' (Arbeitsname), u.U: auch Graue Herbstrenette.
Anbaueignung
Der Wünnenberger Zuckerapfel ist eine Lokalsorte, deren Anbau auf den Raum Wünnenberg und den Altkreis Büren beschränkt ist. Als typische "Süßäpfel" (mit nur geringer Säure) sind seine Früchte gut zur Herstellung von Apfelkraut geeignet, andererseits aber nicht so vielseitig verwendbar wie die Früchte säurereicherer Wirtschaftsapfelsorten.
Fruchtfotos
Wünnenberger Zuckerapfel (Studiofoto)
Wünnenberger Zuckerapfel (Studiofoto)
Wünnenberger Zuckerapfel (geschnittene Frucht)
Wünnenberger Zuckerapfel (geschnittene Frucht)
Wünnenberger Zuckerapfel
Baum im Laub
Wünnenberger Zuckerapfel (Baum)
Baum in Blüte/Winter
Wünnenberger Zuckerapfel (Baum)
Jungbaum
Wünnenberger Zuckerapfel (Jungbaum)
Literatur
In der obstbaulichen Literatur ist der Wünnenberger Zuckerapfel bisher weder abgebildet noch beschrieben.

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