
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Synonyme
Baronspeer
Reifezeit
Erntereif Mitte Oktober, lagerfähig von Januar bis März (nach Ottolander), wohl jetzt eher von Dezember bis Februar.
Herkunft
Diel gibt an, dass er die Sorte aus Groningen (Holland) erhielt und schon Knoop die Sorte kannte, wenn sie auch nicht in Knoops Pomologie aufgeführt ist. Daher wird die Baronsbirne schon vor 1760 entstanden sein.
Verbreitung
Da die Identität der Sorte erst seit kurzem geklärt ist, sind auch noch nicht so viele Standorte der Baronsbirne bekannt. Erste gesicherte Funde aus Norddeutschland, dem Harz, aber auch aus der Schweiz, deuten darauf hin, dass die Sorte noch in Altbeständen vorkommt. In Sammlungen wird sie erhalten, in Baumschulen aber nicht mehr gehandelt.
Frucht
Mittelgroße bis große, klobige, kegel- bis birnenförmige Frucht, die sich regelmäßig verjüngen kann, aber ebenso ein- bis beidseitig eingeschnürt möglich ist. Die Frucht ist noch kelchbauchig, steht nicht, da der Kelch meist über den Grubenrand hinaus steht, im Querschnitt kantig, etwas beulig. Zum Stiel abgeplattet mit vollständiger oder zumindest einseitiger Grube, ohne Berostung. Der Stiel ist bis 4 cm lang, 3 mm dick, am Ansatz stärker, teils mit Fleischringeln und dort auch grün bleibend, sonst braun, der Stand ist oft schräg zur Mittelachse. Die Kelchgrube ist flach, fast eben, mit einem hellbraunen feinschuppigen Rostring, der Kelch selber ist hornig verkümmert, weit offen, nicht verwachsen, hochstehend über den Grubenrand. Die Schale hellt von grün nach weißlichgrün auf. Die Deckfarbe besteht fast nur aus den rot umhöften Lentizellen, die aber sehr dicht sind, wodurch geschlossene Farbe entstehend kann und dann bis zu ein Drittel der Frucht überdeckt. Vereinzelte Rostflecken sind normal. Die Kernhausachse ist geöffnet, die Kammern leicht abstehend, die Kerne sind mehrheitlich gut entwickelt, schwarzbraun 8,5 : 4 mm. Das Fruchtfleisch ist weißlich, fest, süßlich, grobzellig, mit leichter Gerbsäure, die aber nicht wirklich störend ist.
Baum
Der Baum wächst mittelstark bis stark, erschöpft sich dann etwas durch den hohen Ertrag, der sich zumindest jedes zweite Jahr einstellt. Reagiert verzweigungswillig auf den Anschnitt. Das etwas bewollte Laub scheint besser als andere Sorten mit starker Sonneneinstrahlung klar zu kommen. Ein Vorteil in Spätfrostlagen ist die spät erscheinende Blüte mit 8 einzelnen Blüten je Knospe.
Verwechsler
Clapps Liebling, auch wenn die Reifezeit eine komplett andere ist und der Stiel kürzer ausfällt.
Anbaueignung
Historisch wurde die Baronsbirne als Wirtschaftsfrucht mit sehr langer Lagerfähigkeit im Naturlager genutzt. Hat sich die geringe Gerbsäure im Lager abgebaut, durchaus auch als Tafelbirne interessant, wenn auch ,,bissig" bleibend. Die Baum- und Fruchtgesundheit sowie die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten sprechen für die Sorte.
Fruchtfotos
Literatur
Diel, A. F. A. (1819): Versuch einer systematischen Beschreibung in Deutschland vorhandener Kernobstsorten. Heft 21 (Äpfel und Birnen). Frankfurt a. M., Deutschland; Andreäische Buchhandlung. S. 259
Jahn, F.; Lucas, E.; Oberdieck, J. G. C. (1860): Illustrirtes Handbuch der Obstkunde. Band 2. Birnen. Stuttgart, Deutschland; Ebner & Seubert. Nr. 256
Lauche, W. (1882): Deutsche Pomologie. Birnen, 1. Band. Berlin, Deutschland; Paul Parey. Nr. 1
Müller, J.; Bißmann, O, Poenecke, W. Schindler, Rosenthal, H. (1905-1934): Deutschlands Obstsorten. Stuttgart, Deutschland; Eckstein und Stähle. Lieferung , Nr. 107
Ottolander, (1862): Beschrjiving Vruchtsoorten. Boskoop, Niederlande. Nr. 79
Diese Sortenbeschreibung wurde möglich durch eine Spende von:
Zeitlupe gGmbH
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