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Gelber Münsterländer Borsdorfer

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 5 Juli 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Gelber Münsterländer Borsdorfer
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Die Früchte des Gelben Münsterländer Borsdorfer erreichen ihre optimale physiologische Reife etwa Mitte Oktober. Da sie jedoch sehr windfällig sind, d.h. in der Reife oft vorzeitig fallen, muss – wenn die Früchte als Tafelapfel genutzt werden sollen – auf ein pünktliches Pflücken geachtet bzw. im Zweifelsfall „zu früh“ gepflückt werden. Je nach Standort und Verlauf der Jahreswitterung kann die Ernte schon ab Mitte September / Anfang Oktober beginnen.

In einem guten Naturlager halten die Früchte bis etwa Dezember. Mit ihrer eigentümlich mandelartigen Würze sind sie als Tafelapfel ebenso verwendbar wie für die häusliche Verarbeitung zu Kuchen, Mus oder Kompott
Herkunft
Die Apfelsorte Gelber Münsterländer Borsdorfer ist eine Regionalsorte des Oldenburger Münsterlandes. Über den Ursprung bzw. die genaue Herkunft der Sorte ist nichts bekannt. Es wird allgemein angenommen, dass es sich um eine sehr alte Sorte handelt; Belege dafür sind allerdings nicht bekannt. Trotz seiner „Namensvetterschaft“ mit der ältesten deutschen Apfelsorte, dem Edelborsdorfer, ist der Gelbe Münsterländer – wie aktuelle molekulargenetische Analysen belegen – weder mit jenem verwandt noch mit anderen Sorten aus der vom Edelborsdorfer abstammenden Borsdorfer-Sortengruppe.
Der Namenszusatz „Borsdorfer“ ist daher eher einer gewissen äußerlichen Ähnlichkeit geschuldet als einer tatsächlichen Abstammung bzw. Verwandtschaft des Gelben Münsterländers mit den Borsdorfern.

In der alten Sortenliteratur des 19. Jahrhunderts ist der Gelbe Münsterländer Borsdorfer nicht erwähnt oder beschrieben, jedenfalls nicht unter diesem Namen. In dem Buch „Deutsche Äpfel – die Handelssorten“ - Bd. II: Norddeutschland“, hrsg. von E.Loewel und S. Labus vom Obstinstitut in Jork (1941) wird die Sorte als Gebietssorte für Oldenburg genannt, die dort „zunehmend angebaut“ werde.

Verbreitung
Der Gelbe Münsterländer Borsdorfer ist in erster Linie eine Sorte des Oldenburger Münsterlandes und ist dort in der norddeutschen Tiefebene nördlich des Wiehengebirges – im Raum Oldenburg, Cloppenburg, Osnabrück – einst sehr verbreitet gewesen. Ihre Verbreitung ging jedoch auch über dieses Gebiet hinaus, unter anderem auch bis nach Westfalen hinein, wo sie im Altkreis Lübbecke (Preußisch Oldendorf, Rhaden, Stemwede) ebenso hin und wieder im Streuobst vorkommt wie im westlichen Teil des Landkreises Herford, dem Altkreis Halle/Westfalen sowie vereinzelt auch im nördlichen Münsterland (Altkreis Tecklenburg).
Frucht
Frucht mittelgroß, kugelig (seltener etwas flachrund), mittelbauchig, stiel- und kelchseitig abgeflacht; im Querschnitt rund, wie gedrechselt; fest, nicht druckempfindlich, auch gelagert noch fest. Schale glatt, mattglänzend, nach Lagerung teils trocken, mitteldick, beim Verzehr nicht störend.

Grundfarbe gelblich grün, reif gelb, strohgelb. Deckfarbe (sofern vorhanden) sonnenseitig orange bräunlich (seltener auch purpurrötlich) gehaucht, auf einem Zehntel bis zu einem Drittel der Frucht, öfters auch ganz fehlend. Schalenpunkte groß, sternchenartig berostet, auffallend. Öfters sind Teile der Frucht fein berostet (olivbraun oder oliv grünlich-braun).

Stielgrube flach (bis manchmal nicht vorhanden), mittelweit, Seiten mittelsteil, meist vollständig berostet. Berostung fein oder auch schuppig, weit auslaufend (teils bis zur Fruchtmitte), hellbraun, in der Stielgrube oft mit grünlichem Schimmer. Stiel sehr kurz oder kurz, oft dick / knopfartig, variabel mitteldick, nicht aus der Stielgrube ragend, manchmal mit kleinem Fleischwulst am Stielansatz.

Kelchgrube flach bis sehr flach, weit, schüsselförmig. Seiten flach abfallend, ebenmäßig, öfters berostet. Kelchumgebung flach, ebenmäßig, teils mit einzelnen Rostzeichnungen. Kelch groß, weit offen (teils auch nur halboffen). Blättchen kurz bis mittellang (oft abgebrochen), im Ansatz breit, teils noch grün.

Kelchhöhle sehr klein, kurz, trichterförmig, manchmal mit ganz feiner kurzer Röhre, Staubfäden hochständig verwachsen. Kernhaus eher klein, Achse geschlossen, ‚Core-Line’ eng am Kernhaus anliegend. Kernhauswände ohrenförmig, meist glänzend, ungerissen, teils auch mit einzelnen Rissen. Kerne gut entwickelt, meist nicht zahlreich, frisch dunkelbraun, mittelgroß, breit eiförmig, ca. 7 – 8 mm : 5,5 mm.

Fruchtfleisch gelblich weiß, fest, mittelfeinzellig, baumreif saftig, später mäßig saftig, süßsäuerlich, leicht aromatisch (etwas mandelartig), nach Anschnitt nur gering verbräunend.

Baum
Die Gelbe Münsterländer Borsdorfer ist eine typische Streuobstsorte für die Obstwiese. Sie bildet mittelgroße bis große, mtteldicht verzweigte Kronen mit sehr gesunder Belaubung.

In der Jugend starten die Bäume zunächst relativ langsam, mit schräg bis etwas flach winkelnden Leitästen. Sie kommen relativ früh in den Ertrag und tragen dann relativ reich und regelmäßig.

Der Gelbe Münsterländer Borsdorfer ist robust gegenüber den wichtigsten Obstkrankheiten Schorf, Krebs und Mehltau, breit anbaufähig auf nahezu allen Böden. Allzu trockene Standorte sollten allerdings gemieden werden (vorzeitiger Fruchtfall, kleine Früchte).
Austrieb und Blüte im Frühjahr zeitigen spät bis sehr spät, wenig spätfrostgefährdet. Als diploide Sorte ist sie ein guter Befruchter für andere, ebenfalls spätblühende Sorten.

Das Laub ist mittelgroß, dunkelgrün, aufgrund des sehr späten Austriebs weniger von Schädlingen befallen als andere Sorten.
Verwechsler
Angelner Borsdorfer, Englische Spitalrenette, Oberdiecks Renette, Ravensberger,
Anbaueignung
Alles in allem ist der Gelbe Münsterländer Borsdorfer eine robuste Wirtschaftssorte für den extensiven Streuobstanbau mit einer schön wie gedrechselt aussehenden Frucht, deren hohe Resistenz gegenüber Schorf auch züchterisch interessant ist. Nachteilig ist die starke Windfälligkeit der Früchte.
Fruchtfotos
Gelber Münsterländer Borsdorfer
Gelber Münsterländer Borsdorfer (Studiofoto)
Gelber Münsterländer Borsdorfer (geschnittene Frucht)
Gelber Münsterländer Borsdorfer (geschnittene Frucht)
Literatur
Loewel, E und S. Labus, S. (1941): 'Deutsche Äpfel – die Handelssorten - Bd. II: Norddeutschland“. Jork (1941)
Landwirtschaftskammer Weser-Ems (1993): 'Empfehlenswerte alte und neue Apfelsorten für Landschaft und Garten in Weser-Ems'
Bannier, H.J. (2022): Alte Obstsorten - neu entdeckt für Westfalen und Lippe. Hrsg. Stiftung für die Natur Ravensberg. 4. Aufl. 2022

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Kennzeichnungen

Gefährungsgrade

Am Beispiel der Kirsche:

Standardsorte

gefährdet

stark gefährdet

vom Aussterben bedroht

Regionalsorte

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