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Goldhähnchen

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 19 August 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Goldhähnchen
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Synonyme
Grieschenbirne (Raum Hagen)
Reifezeit
Die Ernte erfolgt etwa Ende August/Anfang September, in höheren Lagen bis Mitte September. Die etwas folgernd (d.h. nicht gleichzeitig) reifenden Früchte halten auf dem Lager jeweils nur etwa eine Woche, d.h. müssen rasch verarbeitet werden.

Die relativ kleinen Früchte des Goldhähnchens (Syn. Grieschenbirne) schmecken zur Fruchtreife schmelzend und süß, wurden aufgrund ihrer kurzen Haltbarkeit aber in erster Linie zur häuslichen Verarbeitung (z.B. als Schmorbirne, für Birnenkuchen oder Saft) verwendet.
Herkunft
Die genaue Herkunft dieser im Raum Lüdenscheid und Hagen einst verbreiteten Wirtschaftsbirne ist nicht bekannt. Erwähnung findet die Sorte Goldhähnchen 1885 in dem Buch „Kurze Anleitung zur Zucht und Pflege des Obstbaumes für ländliche Obstzüchter besonders im westfälischen Süderland“ des Lüdenscheider Volksschullehrers J.D. Lüttringhaus.

Ein „Goldstiärtken“ ist auch im „Wörterbuch Südwestfälischer Mundarten“ (Horst Ludwigsen, 1990) erwähnt. Ob es sich dabei um dieselbe Sorte handelt, ist jedoch unklar.

Im Raum Hagen war die Sorte dagegen älteren Menschen noch unter dem Namen Grieschenbirne bekannt, welche sich im molekulargenetischen Test als identisch mit dem Goldhähnchen erwies.
Verbreitung
Heute ist die Sorte – wie die meisten der kleinen Wirtschaftsbirnen, die einst ausschließlich zur häuslichen Verarbeitung gedient haben – fast gänzlich aus den Streuobstbeständen verschwunden. Die letzten noch vor 10 Jahren angetroffenen Altbäume sind inzwischen gerodet worden. Überlebt hat die Sorte lediglich durch die rechtzeitige Abveredlung auf junge Bäume seitens einzelner Initiativen bzw. Sortenliebhaber.

In Baumschulen wird das Goldhähnchen schon spätestens seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr angeboten. Reiser der Sorte sind heute zu beziehen über den Bioland-Betrieb Heesfelder Mühle in Halver.
Frucht
Frucht klein, kreiselförmig, öfters ungleichhälftig, schief; kelchseitig breit abgeflacht. Im Querschnitt ziemlich rund, vom Baum fest, dann bald weich. Schale trocken, glatt, mattglänzend /glänzend bis feinrauh, matt.

Grundfarbe dunkel bis oliv grün, in der Reife oliv gelb. Deckfarbe sonnenseitig dunkel rot, auf einem Viertel bis zur Hälfte der Frucht (bei Schattenfrüchten fehlend). Schalenpunkte mittelgroß, hell, zahlreich, vor allem auf der Deckfarbe dicht verteilt und auffallend, auf Grundfarbe teils rötlich umhöft. In manchen Jahren sind Teile der Frucht graubraun fein berostet.

Stiel variabel mittellang oder lang (22 bis 40 mm), mitteldick, oft leicht gebogen, zum Fruchtansatz etwas dicker, ohne Stielgrube (oft etwas schief) aufsitzend (teils durch leichten Fleischwulst schief gedrückt), hell-, oliv- oder rötlich braun.

Kelchgrube mittelweit, flach, z.T. fehlend (Kelch auf Frucht aufsitzend). Kelchumgebung ebenmäßig, teils fein hellbraun berostet. Kelch mittelgroß, offen, Blättchen hochstehende (oder nach außen umgeschlagen), grau oder schwarz, schmal, spitz.

Kernhaus mittelgroß, kelchnah, mit geschlossener Kernhausachse. Samenfächer mittelgroß, schief zur Achse stehend. Kerne gut entwickelt, relativ klein, schwarzbraun, 7 : 4 mm, unten stumpf und kurz gespitzt.

Fruchtfleisch gelblich weiß, etwas grob bzw. griesig, süß bei geringer Säure, leicht aromatisch, manchmal mit leichtem Bitterton.
Baum
Der Baum des Goldhähnchens wächst stark und bildet sehr große Kronen mit breit ausladenden Seitenästen. Der junge Baum bildet kräftige, hellbraune Triebe und hat gesundes, mittelgrünes, schiffchenförmiges, deutlich glänzendes Laub.

Die Sorte ist wenig anfällig für Krankheiten der Birne (wie z.B. Schorf oder Rindenbrand) und vermutlich auch noch in obstbaulich schwierigen Lagen anbaubar.
Anbaueignung
Das Goldhähnchen ist eine typische Wirtschaftsbirne, deren kleine und oft traubenartig zusammen hängende Früchte an den großen Bäumen in der Regel nicht geerntet, sondern zur Verarbeitung aufgesammelt wurden, wobei ihre Beliebtheit bei Wespen manches Jahr die Ernte erschwert.

Die Erhaltung dieser Sorte mit ihren landschaftsprägend großen Baumkronen dürfte davon abhängen, ob es künftig kreative Ideen zur Nutzung ihrer Früchte für Verarbeitungsprodukte und deren Vermarktung gibt. Ansonsten dienen ihre Früchte heute – ähnlich wie bei Wildbirnen – zur Wildfütterung.
Fruchtfotos
Goldhähnchen (Grieschenbirne). Foto Gaby Brunsmeier
Goldhähnchen (Grieschenbirne)
Goldhähnchen (Grieschenbirne)
Baum im Laub
Goldhähnchen (Grieschenbirne). Foto Gaby Brunsmeier
Jungbaum
Goldhähnchen (Grieschenbirne)
Literatur
Lüttringhaus, J.D. (1885): Kurze Anleitung zur Zucht und Pflege des Obstbaumes für ländliche Obstzüchter besonders im westfälischen Süderland
In der obstbaulichen Literatur ist die Sorte 'Goldhähnchen' ansonsten weder abgebildet noch beschrieben.

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