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Hängeltebirne

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 18 August 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Hängeltebirne
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Synonyme
Hängelbirne
Reifezeit
Die Ernte erfolgt etwa Mitte September bis Anfang Oktober. Verwendbar sind die Früchte i.d.R. bis Anfang November.

Die relativ kleinen Früchte der Hängeltebirne wurden in erster Linie zur häuslichen Verarbeitung (z.B. als Schmorbirne, zum Dörren oder für Birnenkraut) verwendet. Sie eignet sich aber auch für die Herstellung von Obstbrand sowie – bei geringeren Ansprüchen – auch zum Rohgenuss.
Herkunft
Die Hängeltebirne war einst im südlichen Teil des Märkischen Kreises (Südwestfalen) verbreitet - in den Städten Werdohl, Plettenberg und Herscheid, nach mündlicher Überlieferung auch in Meinerzhagen, Finnentrop und Altena.

Die genaue Herkunft dieser schon im 19. Jahrhundert verbreiteten Wirtschaftsbirne ist nicht bekannt, die Sorte dürfte wohl noch erheblich älter sein. Erwähnung findet die Hängelbirne 1885 in dem Buch „Kurze Anleitung zur Zucht und Pflege des Obstbaumes für ländliche Obstzüchter besonders im westfälischen Süderland“ des Lüdenscheider Volksschullehrers J.D. Lüttringhaus. Der Name Hängeltebirne oder Hängelbirne könnte mit dem sortentypischen Wuchs des Baumes zusammenhängen, dessen Äste und Zweige unter der Fruchtlast häufig wie eine Trauerweide senkrecht herabhängen.

Eine Hangelbirne findet sich auch in den Baumschulkatalogen der Herrschaftlichen Baumschule zu Bückeburg von 1825 sowie der Baumschule Becker in Rotenburg/Wümme von 1750. Ob es sich bei diesen um dieselbe Sorte handelt wie die Hängelbirne der Lüdenscheider Publikation von 1885, kann vom heutigen Stand nicht mit Sicherheit gesagt werden. Allerdings ist bekannt, dass die Pomologen damaliger Zeit sich auch überregional ausgetauscht haben und der Wirkungskreis z.B. der Baumschule in Bückeburg sehr weitreichend war.
Verbreitung
Heute ist die Hängeltebirne – wie die meisten der kleinen Wirtschaftsbirnen, die einst fast ausschließlich zur häuslichen Verarbeitung gedient haben – in den Streuobstbeständen des Märkischen Kreises mangels wirtschaftlicher Verwertung im Verschwinden begriffen. Bäume der Sorte finden sich noch in Werdohl, Plettenberg und Herscheid. Ob die Sorte auch in anderen Regionen noch vorkommt (z.B. im näheren Einzugsbereich der Herrschaftlichen Baumschule Bückeburg), ist nicht bekannt.

In Baumschulen wird die Hängeltebirne schon spätestens seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr angeboten. Reiser der Sorte sind heute zu beziehen über das Naturschutzzentrum Märkischer Kreis in Lüdenscheid, Tel. 02351-4324240.

Frucht
Frucht klein, birnenförmig, teils auch kegel- oder kreiselförmig, kelchseitig gerundet, zum Stiel hin stark verjüngt und meist seitlich eingezogen. Im Querschnitt ziemlich rund. Vom Baum weg fest, dann bald weich. Schale glatt, matt oder mattglänzend, teils durch Berostung feinrauh.

Grundfarbe trüb oliv grün, flaschengrün, in der Reife oliv gelb, teils von feiner grau oliver Berostung überzogen. Deckfarbe fehlend, allenfalls als goldig bronzener Hauch. Schalenpunkte klein, fein, grau oliv, teils zu kleinen Netzfiguren verbunden.

Stiel lang (35 bis 50 mm), mitteldick, hellbraun, meist gebogen, teils auch gerade, zum Zweigansatz etwas keulig verdickt. Stielgrube fehlend (Stiel teils gerade aufsitzend, teils durch leichten Fleischwulst schief gedrückt). Stielumgebung fein (teils einseitig) braun berostet.

Kelchgrube mittelweit, sehr flach, z.T. fehlend. Kelchumgebung ebenmäßig, mit feiner, grau oliver „Rostkappe“. Kelch mittelgroß bis groß, offen oder halboffen. Blättchen kurz, schwarzgrau, aufrecht stehend, weich bis mittelhart.

Kernhaus klein bis mittelgroß, mit geschlossener Kernhausachse. Samenfächer klein, schief zur Achse stehend. Kerne schwarzbraun, gut entwickelt, eiförmig, oben gerundet, unten kurz gespitzt, 8 : 4,5 mm.

Fruchtfleisch (grünlich-) beige weiß, fest, mäßig saftig, mild süßsäuerlich, leicht herb, geringes Aroma.
Baum
Der Baum der Hängeltebirne wächst stark und bildet sehr hohe schlanke Kronen mit starker Stammdominanz. Die Seitenäste wachsen zunächst aufrecht, kippen unter der Fruchtlast dann jedoch stark ab. Ihre fruchttragenden Seitenzweige hängen oft – wie bei einer Trauerweide – schnurartig senkrecht herab.

Die Sorte ist wenig anfällig für Krankheiten der Birne (wie z.B. Schorf oder Rindenbrand) und auch noch in obstbaulich schwierigen Lagen anbaubar. Ihr gesundes Laub ist von hell grüner bis mittelgrüner Färbung, auffallend oval geformt, mit kurzer Spitze. Die Blüte im Frühjahr zeitigt mittelfrüh.
Verwechsler
Winterköttelbirne, (evt. Josefine von Mecheln)
Anbaueignung
Die Hängeltebirne ist eine typische Wirtschaftsbirne, deren kleine Früchte an den großen Bäumen in der Regel nicht geerntet, sondern zur Verarbeitung aufgesammelt wurden.

Wie bei den meisten kleinen Wirtschaftsbirnen dürfte die Erhaltung dieser Sorte mit ihren landschaftsprägend großen Baumkronen davon abhängen, ob es künftig kreative Ideen zur Nutzung ihrer Früchte für Verarbeitungsprodukte und deren Vermarktung gibt. Ansonsten dienen die Früchte der Hängeltebirne heute – ähnlich wie bei Wildbirnen – zur Wildfütterung.
Fruchtfotos
Hängeltebirne
Hängeltebirne
Hängeltebirne
Hängeltebirne
Baum im Laub
Hängeltebirne
Baum in Blüte/Winter
Hängeltebirne (Foto: Volker Knipp)
Literatur
Lüttringhaus, J.D. (1885): Kurze Anleitung zur Zucht und Pflege des Obstbaumes für ländliche Obstzüchter besonders im westfälischen Süderland
In der obstbaulichen Literatur ist die Hängeltebirne ansonsten weder abgebildet noch beschrieben.

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vom Aussterben bedroht

Regionalsorte

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