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Dudenrother Knorpelkirsche

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 16 August 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Dudenrother Knorpelkirsche
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Die Dudenrother Knorpelkirsche reift in der 5. Kirschwoche (ca. Mitte Juli), zeitgleich mit der (ähnlichen) Büttners Späten Roten Knorpel.
Herkunft
Die Dudenrother Knorpelkirsche ist eine regionale Kirschsorte des westlichen Hellwegraumes, dem Gebiet am Rande des Ruhrgebiets zwischen Dortmund, Unna / Holzwickede im Süden und Hamm im Norden. Die Sorte kommt nur hier vor bzw. wurde bisher noch nirgendwo anders angetroffen.

Der Kirschanbau auf Hochstämmen hatte hier vielerorts Tradition. Die Kirschen wurden ins nahegelegene Ruhrgebiet vermarktet oder die Städter kamen aufs Land, um auf den Obsthöfen ihren Jahresbedarf an
Kirschen zum Einkochen einzukaufen.

Wann die Dudenrother Knorpelkirsche genau entstanden ist oder von wem sie entdeckt oder gezüchtet wurde, ist nicht bekannt. Zu vermuten ist, dass sie einst auf dem Gut Dudenroth in Holzwickede entstanden ist oder zumindest dort vermehrt wurde. Die bislang älteste Erwähnung fand sich im Kreisarchiv Soest in Akten über den „Obstbau im Kreise Hörde“ (1909). Dort ist auf S.12 genannt: „Dudenroter Knappkirsche, süße Kirsche, Obstsorte für kleinere Obstanlagen auf Halbhochstamm oder Pyramide“.

Die Kirschsorte galt in den letzten Jahrzehnten als verschollen. Weder war sie in Baumschulen erhältlich noch waren Standorte namentlich bekannt. Entdeckt wurden mehrere Bäume der Sorte 2013/14 bei einer Kirschsorten-Kartierung (im Rahmen des Projekts Regionale Obstsorten Westfalens) auf Obsthöfen bei Hamm/Westfalen. Identifiziert werden konnte die Sorte anhand von Fruchtsteinvergleichen mit der Fruchtsteinsammlung des Bundessortenamts in Wurzen (Sachsen). Dort lagern heute noch die Fruchtsteine zahlreicher Kirschsorten, die in den 1930er Jahren in einer Kirschmusterpflanzung bei Blankenburg am Harz (Sachsen-Anhalt) aufgepflanzt worden sind.

Im Rahmen von Arbeiten der „Zentralstelle für Sortenwesen“ der DDR veröffentlichte der Pomologe Wilhelm Groh 1960 Notizen zu allen einst in Blankenburg aufgepflanzten Sorten (deren überwiegender Teil auch zu DDR-Zeiten noch existierte), darunter auch der Dudenrother Knorpelkirsche. Darin heißt es, dass der Pomologe Heimann (Blankenburg) „die Edelreiser 1936 von Broer, Holzwickede“ erhielt, und zwar einmal unter dem Namen Dudenrother Knorpelkirsche und dann als „Solderholzer Bunte“ (Solderholz ist ein Stadtteil von Dortmund).

Der Lehrer Clemens Broer, der 1936 Reiser der Dudenrother Knorpelkirsche nach Blankenburg schickte, war Schulleiter in Holzwickede und pomologisch engagiert. Er unterhielt neben einem Schulgarten auch einen privaten Sortengarten mit über 100 Obstbäumen und brachte seinen Schülern das Veredeln bei. Bei der Obstbaumvermehrung arbeitete er auch mit der Baumschule Pfingsten in Soest zusammen, von der allerdings keine Angebotskataloge aus jener Zeit existieren.
Verbreitung
Bisher wurde Altbäume der Dudenrother Knorpelkirsche nur im Raum Hamm/Westfalen auf Streuobstwiesen angetroffen. Es ist davon auszugehen, dass die Sorte auch im Raum Dortmund, Hagen und Soest in Altbaumbeständen vorkommen kann.
Frucht
Die Frucht der Dudenrother Knorpelkirsche ist mittelgroß bis groß, 24 : 27 : 24 mm (Länge : Breite : Dicke).

Färbung: Kräftig gelb mit rot gefleckter / gestrichelter Deckfarbe, ähnlich Büttners Rote Knorpel. Bauchnaht meist rötlich abgesetzt.

Fruchtform: breitrund, dick (d.h. in der Seitenansicht breit), unten breit abgerundet. Stielgrube mittelweit, mitteltief, zum Bauch und Rücken breit / flach eingesenkt („flache Schultern“) Bauchseite: Bauchnaht verläuft öfters über die ganze Fläche in einer (teils von 2 Wülsten eingerahmten) Furche, an deren unterem Ende die Frucht bei längeren Regenfällen platzt. Rückenseite: mit schmalem abgeflachtem Band oder schwacher Rückenfurche. Stempelseite: Stempelpunkt klein, unauffällig, in kleiner Mulde, etwas bauchseitig versetzt auf schiefer, zum Bauch geneigter Ebene.

Fruchtstiel kurz bis mittellang, 33-35-40 mm, mitteldick (oder dünner). grün, selten sonnenseitig gerötet, mit mittelgroßem oder kleinem Stielteller (fruchtseitig).

Fruchtfleisch hellgelb bzw. Ananas-gelblich, fest, aber nicht so fest wie ‚Bütters’, saftig (saftiger als Büttners).

Platzfestigkeit mittelhoch.
Fruchtstein
Fruchtstein mittelgroß; 11 : 7 : 9 bis 12 : 7,5 : 9,5 mm (Länge : Breite : Dicke). Seitenansicht: Fruchtstein oval, asymmetrisch, stielseitig mit „Häkchen“, Stielseite zum Rücken hin abfallend („hängende Schulter“). Vorderansicht: Fruchtstein ausgeprägt mittelbauchig, Bauchwulst mittelbreit, auch schmaler, äußere Seitenkanten schwach oval, Mittelkamm oft hervortretend.
Baum
Der Baum der Dudenrother Knorpelkirsche wächst stark und bildet eine hochkugelige oder kugelige, mitteldicht verzweigte, sparrige, nur gering hängende Krone. Die Seitenäste verzweigen steil (oder schräg) aufrecht, das Seitenholz waagrecht, nur im äußeren Astbereich hängend.

Die Baumgesundheit der Sorte ist an den angetroffenen Standorten bei Hamm mindestens ebenso gut wie die der Büttners Roten Knorpel. In der Höhenlage der Versuchspflanzung bei Blankenburg (Harz) soll die Sorte im Winter 1956/57 stärkere Frostschäden davon getragen haben als andere Sorten und auch die Fruchtqualität wurde dort damals als nicht besonders bewertet.

An den bei der Kartierung angetroffenen Bäumen bei Hamm – bei guten Boden- und Klimabedingungen – erwies sich die Dudenrother Knorpelkirsche als die – in Fruchtgröße, Saftgehalt, Geschmack und Ertrag – qualitativ bessere rotbunte Knorpelkirsche gegenüber der heute überall verbreiteten Büttners Roten Knorpel. Die ebenfalls in der 5. Kirschwoche reifende und geschmacklich noch überlegene Große Prinzessin wiederum ist bezüglich ihrer Baumgesundheit anfälliger als die Dudenrother.
Verwechsler
Büttners Rote Knorpel (gleiche Reifezeit, sehr ähnliche Frucht), Große Prinzessin (gleiche Reifezeit, etwas differierende, flachere Fruchtform).
Fruchtfotos
Dudenrother Knorpelkirsche
Dudenrother Knorpelkirsche
Dudenrother Knorpelkirsche
Dudenrother Knorpelkirsche
Baum im Laub
Dudenrother Knorpelkirsche
Baum in Blüte/Winter
Dudenrother Knorpelkirsche
Anbaueignung
An den bei der Kartierung im Raum Hamm/Westfalen angetroffenen Bäumen – bei guten Boden- und Klimabedingungen – erwies sich die Dudenrother Knorpelkirsche als die – in Fruchtgröße, Saftgehalt, Geschmack und Ertrag – qualitativ bessere rotbunte Knorpelkirsche gegenüber der heute überall verbreiteten Büttners Roten Knorpel.

Die Erhaltung und Vermehrung der Dudenrother Knorpelkirsche ist daher – auch über ihre bisher lokale Verbreitung hinaus – unbedingt zu empfehlen.
Literatur
Kreisarchiv Soest: Akten über den „Obstbau im Kreise Hörde“ (1909), S.12
Groh, W. (1960): 30 Jahre deutsches Kirschensortiment in Blankenburg/Harz. In: Arbeiten der Zentralstelle für Sortenwesen. Heft 9. Hrsg. Regierung der DDR, Ministerium für Landwirtschaft. VEB Druckerei Nossen.

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Kennzeichnungen

Gefährungsgrade

Am Beispiel der Kirsche:

Standardsorte

gefährdet

stark gefährdet

vom Aussterben bedroht

Regionalsorte

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