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Osterberger Smerfenten

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 15 Juli 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Osterberger Smerfenten
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Pflückreife: September. Ein gutes Naturlager vorausgesetzt, sind die Früchte bis etwa November / Dezember verwendbar.
Herkunft
Die Apfelsorte Osterberger Smerfenten ist eine Lokalsorten des Tecklenburger Landes. Sie ist benannt nach der Bauerschaft Osterberg, heute Ortsteil der Gemeinde Lotte, die – in direkter Nachbarschaft zu Osnabrück – am nordöstlichen Rand des heutigen Landkreises Steinfurt liegt.

Über die genaue Herkunft der Sorte gibt es keine schriftlichen Zeugnisse. Nach mündlicher Überlieferung geht die Sorte auf das in der Bauerschaft Osterberg von 1410 bis 1633 existierende Kloster des katholischen Kreuzherrenordens zurück, dessen Mönche sich auch mit Obstbau und Bierbrauen beschäftigt haben sollen.

Das Kloster geriet jedoch mehrfach in die Wirren der Reformation und wurde im 30jährigen Krieg – nach der Einnahme durch schwedische Truppen – von den Mönchen aufgegeben. Im Jahr 1665 war das Kloster nur noch eine Ruine; von der Anlage existiert nur noch der heute im Schützenhaus von Osterberg stehende Taufstein.

Der Name Smerfenten dürfte zurückgehen auf das althochdeutsche ‚smirwen’ (schmieren) und ist sicherlich eine Anspielung darauf, dass die Schale der geernteten Früchte im Lager stark fettig wird. Dass im Mittelhochdeutschen ein ‚Smer-boum’ auch einen fruchttragenden Baum bezeichnet (Eiche, Buche oder wilden Obstbaum), dürfte bei der Namensgebung eher keine Rolle spielen.
Verbreitung
Vom Osterberger Smerfenten gab es in der Gemeinde Lotte zuletzt nur noch eine Handvoll alter Bäume. In Baumschulen ist die Sorte nicht erhältlich. Neben einigen Privatleuten vor Ort kümmert sich jetzt auch die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL e.V.) um die Erhaltung der Sorte. Von den alten Bäumen wurden Reiser geschnitten und einige junge Bäume nachgepflanzt.
Frucht
Frucht mittelgroß, breit abgerundet kegelförmig, auch breitrund, leicht stielbauchig oder mittelbauchig, zum Kelch hin deutlich verjüngt; im Querschnitt rundkantig, mittelfest, nach Lagerung bald weich, druckempfindlich. Die Schale ist glatt, glänzend oder mattglänzend, nach Lagerung stark fettend (namensgebend), mitteldick, mäßig zäh, etwas störend.

Grundfarbe am Baum gelblich grün bis blass gelblich-weißlich-grün, spät (und etwas uneinheitlich) aufhellend. Deckfarbe meist fehlend; sofern vorhanden, sonnenseits rötlich oder fast purpurrot gehaucht (oder ganz verwaschen streifig) auf bis zu 1/10 der Frucht. Schalenpunkte klein, hell oder berostet, meist wenig auffallend. Fruchtseiten meist ohne Berostungen.

Stielgrube variabel, mittelweit, mitteltief, teils auch enger und tiefer, unregelmäßig gefurcht, vereinzelt auch mit kleinem Stielwulst; Seiten nur vereinzelt (strahlig) berostet. Stiel kurz, dünn bis mitteldick, grün, nicht aus der Stielgrube ragend.

Kelchgrube mittelweit, flach oder mitteltief, Seiten faltig, wulstig, Kelchgrube von mehr oder weniger starken Wülsten umgeben. Kelch mittelgroß, variabel geschlossen oder offen. Blättchen kurz, im Ansatz öfters grün.

Kelchhöhle tief, dreieckig oder als schmale Röhre, meist bis an die Kernhausachse reichend; Staubfäden hochständig verwachsen (dicht unter den Kelchblättern). Kernhaus mittelgroß, Achse meist schmal geöffnet, zu den Samenfächern geschlossen (Hohlraum bildend) oder spaltartig offen. Core-Line mittelweit ums Kernhaus. Kernhauswände meist bogenförmig, stark gerissen. Kerne relativ klein, rundlich, braun, unten kurz / stumpf gespitzt, ca. 7-7,5 mm : 4,5 mm.

Fruchtfleisch baumfrisch (grünlich gelblich) weiß, fast weiß, mittelfeinzellig, bald weich, schaumig werdend, süßsäuerlich, erfrischend, nur schwach aromatisch.
Baum
Baum starkwüchsig, robust gegen die wichtigsten Pilzkrankheiten Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs.

Baumfoto: Arendröwer (Lotte/Westf.)
Verwechsler
Wienbraiken (Tecklenburg), Minister von Hammerstein, Signe Tillisch
Anbaueignung
Die Früchte des Osterberger Smerfenten sind in erster Linie als Wirtschaftsapfel für die Küche oder zur Saftbereitung zu nutzen. Für die Nutzung als Tafelapfel fehlt ihnen das ansprechende Aroma. Der Baum ist robust und für Streuobst gut geeignet.
Fruchtfotos
Osterberger Smerfenten
Osterberger Smerfenten
Baum in Blüte/Winter
Osterberger Smerfenten
Rinde
Osterberger Smerfenten
Literatur
Bei dieser Lokalsorte sind keine Literaturnachweise bekannt.

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