
Gefährungsgrad
gefährdet
Synonyme
Gubener Schwarze, Effeltricher, Hepsisauer Kurzstiel, Bernsteinkirsche, fälschlich auch 'Badacsoner' (Krümmerl/Groh/Friedrich)
Reifezeit
(4.-) 5. Kirschwoche
Herkunft
Im 19. Jahrhundert in Guben, dem damaligen Zentrum der deutschen Kirschenzüchtung entstanden und nach seinem Züchter benannt. Erstmals beschrieben im 'Illustrirten Handbuch der Obstkunde' (Bd. 6) 1870.
Verbreitung
Dafür, dass der Sortenname 'Grolls Schwarze' in der Obstsortenliteratur des 20. Jahrhunderts praktisch nicht vorkommt, ist die Sorte in Deutschland erstaunlich weit verbreitet. In den mittelfränkischen Kirschanbaugebieten scheint sie noch bis in jüngerer Zeit zu den Hauptsorten gehört zu haben. An der Schwäbischen Alb kommt die Sorte (unter der Sortenbezeichnung 'Hepsisauer Kurzstiel') ebenso vor wie auch in Sachsen - dort unter der fälschlichen Bezeichnung 'Badacsoner', unter der sie dann auch von Krümmel/Groh/Friedrich (1956-61) in dem Sortenwerk 'Deutsche Obstsorten' beschrieben wurde. Auch in dem kleinen Anbaugebiet in Hagen a.T.W. im westlichen Niedersachsen sind Anfang der 2000er Jahre noch vereinzelt Bäume der Sorte anzutreffen.
Inzwischen sind Reiser dieser Sorte auch wieder im Reisermuttergarten der ORG GmbH in Bonn erhältlich.
Inzwischen sind Reiser dieser Sorte auch wieder im Reisermuttergarten der ORG GmbH in Bonn erhältlich.
Frucht
Mittelgroß (bis groß), 21 : 24 : 21,5 mm (Länge : Breite : Dicke).
Färbung in der beginnenden Reife dunkelrot und auffallend hell gestrichelt, in der Vollreife dann braun-violett bis tief schwarzrot (bei dann nur noch schwach erkennbarer Strichelung).
Fruchtform breit rundlich (bis breit herzförmig), dick (d.h. in der Seitenansicht ebenfalls breit). Stielgrube typisch weit, tief, zur Bauch- und Rückenseite hin jeweils deutlich eingesenkt. Stempelpunkt mittelgroß, hell, relativ auffallend auf der stempelseitig breit abgerundeten Frucht.
[Studiofoto Früchte: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de ]
Färbung in der beginnenden Reife dunkelrot und auffallend hell gestrichelt, in der Vollreife dann braun-violett bis tief schwarzrot (bei dann nur noch schwach erkennbarer Strichelung).
Fruchtform breit rundlich (bis breit herzförmig), dick (d.h. in der Seitenansicht ebenfalls breit). Stielgrube typisch weit, tief, zur Bauch- und Rückenseite hin jeweils deutlich eingesenkt. Stempelpunkt mittelgroß, hell, relativ auffallend auf der stempelseitig breit abgerundeten Frucht.
[Studiofoto Früchte: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de ]
Fruchtstein
Fruchtstein mittelgroß, 11,4 : 8,4 : 10,4 mm (Länge : Breite : Dicke), insgesamt rundlich, in der Seitenansicht asymmetrisch. Bauchwulst auffallend breit oval und mit zwei tiefen Rinnen zwischen jeweils stark hervortretenden Mittelkanten und markanten Außenkanten. Deutliches Häkchen am Stielansatz.
[Studio-Foto Fruchtsteine: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de]
[Studio-Foto Fruchtsteine: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de]
Baum
Wuchs stark, bildet eine sparrige, hochgebaute Krone; auch das Seitenholz eher aufrecht, wenig hängend. Relativ wenig anfällig für Monilia und Schrotschuss. Blatt mittelgrün.
Blütezeit früh (bei später Fruchtreife!)
Blütezeit früh (bei später Fruchtreife!)
Verwechsler
Sehr ähnlich sind die Früchte der kanadischen Züchtungssorte 'Van', die gleichzeitig reift und in den letzten Jahrzehnten im Baumschulhandel häufig angeboten wurde. Letztere unterscheidet sich durch einen kleineren, auffalland asymmetrisch schiefen Fruchtstein sowie dadurch, dass die Früchte extrem platz- und fäulnisanfällig sind und der Baum hoch anfällig für Monilia. Auch die neuere Sorte 'Starking Hardy Giant' hat ähnliche Früchte, die Fruchtsteine haben jedoch nicht den prägnant geprägten Bauchwulst der Grolls Schwarzen. Die 'Große Schwarze Knorpel' hat eine weniger dicke Frucht und die 'Badeborner' deutlich unterscheidbare Fruchtsteine.
Hilfreich bei der Bestimmung der 'Grolls Schwarzen' ist der Umstand, dass sie trotz der späten Reife zu den frühest blühenden Süßkirschen gehört.
Hilfreich bei der Bestimmung der 'Grolls Schwarzen' ist der Umstand, dass sie trotz der späten Reife zu den frühest blühenden Süßkirschen gehört.
Fruchtfotos
Baum im Laub
Baum in Blüte/Winter
Jungbaum
Anbaueignung
'Grolls Schwarze' gehört zu den geschmacklich hochwertigen aromatischen Knorpelkirschen der 5. Kirschwoche. Die Früchte sind etwas platzanfälliger als die fast gleichzeitig reifenden Sorten 'Große Schwarze Knorpel' oder 'Hedelfinger', aber längst nicht so platzanfällig wie die vom Erwerbsanbau zeitweise angebaute 'Van'. Die Baumgesundheit ist akzeptabel, daher kann 'Grolls Schwarze' durchaus für Streuobst empfohlen werden.
Literatur
Lucas u. Oberdieck (1870): Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, Bd. 6 (Nr. 170), desgleichen unter Nr. 171 auch als 'Gubener Schwarze'
unter Nr. 171 auch als 'Gubener Schwarze' Krümmel et al. (1956-61): Deutsche Obstsorten (dort fälschlich als 'Badacsoner'). Deutscher Bauernverlag, Berlin
Trenkle (1962): Obstsortenwerk, Bd. 2. Obst- und Gartenbauverlag München
Dähne (1964): Kritische Untersuchungen zur Sortenbenennung und Sortenbereinigung bei Süßkirschen. Diss. der TH Hannover
Braun-Lüllemann/Bannier (2010): Obstsortenwerk Alte Süßkirschensorten (S. 173 ff.)