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Tilgeners Rote Herzkirsche

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 7 Juni 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Tilgeners Rote Herzkirsche
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Reifezeit
3. Kirschwoche
Herkunft
Im brandenburgischen Guben (Neiße), dem damaligen Zentrum der Kirschenzüchtung, um 1800 aus Samen gezogen und nach seinem Züchter benannt.
Verbreitung
In ganz Deutschland - insbesondere aber im Westen Deutschlands - gelegentlich noch auf alten Bäumen im Streuobst vorkommend. Der Pomologe Oberdieck hatte im 'Illustrirten Handbuch der Obstkunde' 1861 geschrieben, die Sorte habe sich "durch Größe und Güte... schon ziemlich verbreitet". In den Sammlungen der Obstinstitute ist sie jedoch schon seit 1900 ebensowenig vertreten gewesen wie in den Empfehlungslisten der Landwirtschaftskammern oder den Angebotskatalogen der großen Obstbaumschulen. Auch heute ist die Sorte nur selten in Baumschulen erhältlich.
Frucht
Größe: Mittelgroß, 20 : 21 : 18 mm (Länge : Breite : Dicke).

Grundfarbe gelb, sonnenseits rot gefärbt bzw. gefleckt, vollreif teils fast ganz gerötet.

Fruchtform: Auffallend herzförmig, unten oft zugespitzt, teils aber auch gerundet, in der Seitenansicht eher schmal und zur Stempelseite hin etwas bauchseitig geneigt. Stielgrube mitteltief, eng bis mittelweit, zur Bauchseite hin etwas eingesenkt. Bauchseite ebenmäßig, ohne Furche. Stempelpunkt auf der Fruchtspitze.

Fruchtfleisch: Vollreif dunkelgelb, mittelfest, aromatisch, sehr süß, mit ausgewogener Säure.

Platzfestigkeit: Mittelhoch

[Studiofoto Früchte: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de ]
Fruchtstein
Mittelgroß, 11,5:7,5:9,5 mm (Länge : Breite : Dicke), in der Seitenansicht asymmetrisch oval, stielseitig "mit vorgestrecktem Bauchwulst". Bauchwulst höchstens mittelbreit, äußere Kanten fast parallel (oder nur schwach oval) verlaufend und nicht sehr markant hervorstehend. Fruchtstein stempelseitig mit stumpfer Spitze, stielseitig ohne ausgeprägtes Häkchen (am Stielansatz).

[Studio-Foto Fruchtsteine: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de]
Baum
Baum mittelstark bis stark wachsend, sehr gesund, wenig anfällig für Monilia, Schrotschuss oder Gummifluss. Typisch sind (bei schrägem Ansatz der Leitäste) die deutlich hängenden Fruchtäste. Das Laub ist sehr gesund und (im Vergleich zu anderen Kirschsorten) etwas grautönig grün gefärbt. Die Sorte blüht mittelfrüh, die Blüten sind eher klein und rein weiß. Die Veredlungsstelle ist i.d.R. nicht auffallend.
Verwechsler
Kronprinz von Hannover, Winklers Weiße und ggf. weitere rotbunte Kirschen der 3. Kirschwoche
Fruchtfotos
Tilgeners Rote Herkirsche
Tilgeners Rote Herkirsche
Dekorative Frucht - Tilgeners Rote Herkirsche
Studiofoto Tilgeners Rote Herzkirsche
Fruchtsteine Tilgeners Rote Herzkirsche
Baum im Laub
Tilgeners Rote Herkirsche (Baum in Hagen a.T.W.)
Baum in Blüte/Winter
Tilgeners Rote Herkirsche
Anbaueignung
Als Frühkirsche der 3. Kirschwoche wird die Sorte i.d.R. noch nicht von den Maden der Kirschfruchfliege befallen und hellfrüchtige Kirschsorten werden auch weniger von Vögeln heimgesucht als schwarzrote Sorten. Da die Tilgeners Rote Herzkirsche darüber hinaus eine hohe Baumgesundheit hat, aollrw sie verstärkt in Empfehlungslisten für Streuobst und Selbstversorger aufgenommen und in Baumschulen verstärkt angeboten werden als dies heute der Fall ist.
Literatur
Truchsess (1819), Systematische Classification und Beschreibung der Kirschensorten
Jahn et al. (1861), Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, Bd. 3, S.103
Braun-Lüllemann/Bannier, Obstsortenwerk Alte Süßkirschensorten (2010), S. 326 ff.

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Am Beispiel der Kirsche:

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gefährdet

stark gefährdet

vom Aussterben bedroht

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