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Nägelesbirne

Verfasst von Richard Dahlem am 27 Januar 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
ID: 568
Gefährungsgrad
Standardsorte
Regionalsorte
nein
Synonyme
Neelchesbirne und Nélchesbir in der Region Trier/Luxemburg, in Süddeuschland Gsälzbirne, Hutzelbirne, Olivenbirne (Hartmann 2019).
Reifezeit
Anfang bis Mitte September. Eine der am frühesten reifenden Mostbirnensorten.
Herkunft
Die Herkunft der Nägelesbirne ist nicht bekannt. Wurde wohl von Lucas 1854 erstmals erwähnt (Hartmann 2019).
Verbreitung
In der Festschrift zum Pomologenkongress 1873 in Trier hebt Arnold (1874) die ,,Nägelchesbirne" als Branntweinbirne hervor. Sie galt als noch nicht beschriebene Lokalsorte und gehörte zu den sechs wichtigsten Mostbirnen der Region.

Ist vor allem in Luxemburg teilweise bestandsbildend und kann dort durchaus als ,,Nationalfrucht" bezeichnet werden. So kommen in der größten Streuobstwiese Luxemburgs, dem Bongert Altenhoven in Bettembourg, noch über 100 Altbäume dieser Sorte vor. Darüber hinaus ist sie noch stärker in der Südeifel und mäßig häufig im Saargau und im westlichen Saarland verbreitet. Soll auch in manchen Gegenden Süddeutschlands noch häufiger vorkommen (Hartmann 2019).
Frucht
Mit einem Gewicht zwischen 60 und 90 g gehört die Nägelesbirne zu den mittelgroßen Mostbirnensorten. Sie ist hochgebaut und teilweise zum Stiel hin einziehend. Im Querschnitt sind die Früchte rund bis leicht dreikantig.

Die Grundfarbe ist grünlichgelb und in der Reife teilweise olivfarben. Die Deckfarbe ist ein trübes Braunrot, welches oft von Berostungen überdeckt und daher wenig auffällig ist. Die Fruchtseiten sind mehr oder weniger stark berostet. Die Schalenpunkte sind zahlreich und auffällig und treten besonders in der Rostkappe des Stielbereiches als graue Punkte oder Sternchen hervor.

Die Schale ist rau, matt und trocken. Die Früchte sind zwar mittelfest, aber im baumreifen Zustand innen meist schon teigig. Sie sind nur kurz lagerfähig und müssen nach der Ernte zügig verarbeitet werden.

Die Kelchgrube ist sehr flach oder auch fehlend, die Kelchumgebung manchmal mit flachen Rippen. Sehr markant ist die große oliv- bis zimtfarbene Rostkappe, die nie fehlt. Der Kelch ist mittelgroß und offen. Die Kelchblätter sind zum Teil hornartig verdickt und zum Teil schmal und lang und liegen dann auf der Frucht auf.

Eine Stielgrube ist meistens nicht vorhanden. Sehr markant ist die Rostkappe im Stielbereich, die sich relativ weit über die Frucht erstreckt. Der Stiel ist stark und gerade, wie eingesteckt wirkend und im Verhältnis zur Fruchthöhe als mittellang einzustufen. Er ist an der Basis oft fleischig verdickt.

Die schüsselförmige Kelchhöhe setzt sich in eine Kelchröhre fort. Das Kernhaus ist mittelgroß und hat eine offene und ausgeblühte Achsenhöhle. Die Kerne sind sehr groß, 11 : 4 mm, mit einer markanten Nase auf der Kuppe versehen. Meistens sind sie schlecht ausgebildet und es finden sich oft nur ein bis zwei voll entwickelte Kerne in der Frucht.

Das Fruchtfleisch ist gelblichweiß, mäßig saftig und relativ gerbstoffarm. Das Aroma erinnert an Williams Christbirne. Das Fruchtfleisch wird sehr schnell braun und teigig.

Zusammenfassung und besondere Merkmale:
- Deckfarbige, hochgebaute Sorte mit mittellangen Stielen.
- Früchte mittelgroß und mit früher (Mostbirnen-)Reifezeit.
- Schalenpunkte in der Berostung im Stielbereich auffällig hervortretend.
- Markante Rostkappen im Kelch- und Stielbereich.
- Stiel kräftig, meist gerade.
- Geschmack (,,Williamsaroma"),
- Frucht oft schon am Baum teigig.
Baum
Die Nägelesbirne bildet große, eichenartige Bäume mit kräftigem Astwerk. Das Laub ist dunkel gefärbt und durchweg gesund.
Verwechsler
Aufgrund der markanten Fruchteigenschaften und der frühen Fruchtreife mit keiner anderen Mostbirnensorte zu verwechseln.
Anbaueignung
Die Nägelesbirne ist eine Hochstammsorte für den extensiven Streuobstanbau.

Sie ist in erster Linie eine Brennbirne. Sortenreine Brände aus der Nägelesbirne gelten in der Region Trier/Luxemburg als regionale Spezialität, die noch von einigen Brennereien erzeugt wird. Ein Neelchesbirnenbrand gilt als mindestens gleichwertig mit dem Brand aus der Williams Christbirne und erfreut sich neben dem "Mirabell", dem Schnaps aus der Nancymirabelle oder der Metzer Mirabelle größter Beliebtheit unter den Konsumenten von Obstlern.

Hartmann (2019) beschreibt sich als typische Dörrbirne, die auch für Kompott verwendet werden kann.

Die Standortansprüche der Nägelesbirne sind gering. Gedeiht auch noch gut in höheren Mittelgebirgslagen wie z. B. in der Eifel und den Ardennen.

Die Nägelesbirne ist nach wie vor interessant für die Herstellung guter Obstbrände. Sie sollte darüber hinaus aus historischen und genetischen Gründen erhalten und weiterhin bei extensiven Streuobstpflanzungen berücksichtigt werden.
Fruchtfotos
IDs: 12, 568 & 11
ID: 552
IDs: 568 & 554 bis 557
Literatur
Aendekerk, R., Bannier, H.-J., Bauer, D., Bosch, H.-T., Dahlem, R. & Thiel, M. (2016): Äpfel und Birnen aus Luxemburg. Luxemburg, Verlag editions revue s. a., 2. Auflage, 224 Seiten.
Arnold (1874): Zusammenstellung der im Regierungsbezirke Trier häufig gebauten Obstsorten. In: Festschrift für den trierischen Pomologen- und Oenologenkongreß, S. 151 - 165. Trier, Verlag der Fr. Linz'schen Buchhandlung.
Dahlem, R. (2014): Einteilung von Mostbirnen in Verwechslergruppen. Oder: Wie gewinne ich den Überblick in einer vielfältigen Sortengruppe. Unveröffentlichtes Manuskript, 8 Seiten.
Hartmann, W. (2019): Farbatlas Alte Obstsorten. Ulmer-Verlag, 6. Auflage, 352 Seiten.
Mertz, J. P. & Tonnar, J. (1933): Unsere anbauwürdigsten Obstsorten. Luxemburg, Druck Fr. Bourg-Bourger, 140 Seiten.
Diese Sortenbeschreibung wurde möglich durch eine Spende von:
Alancri Stiftung

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67454 Haßloch
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