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Winterkippe

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 19 August 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Winterkippe
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Die Früchte der Winterkippe hängen fest am Baum. Erst nach den ersten Frösten Ende Oktober / Anfang November fallen sie in kürzester Zeit vom Baum und bilden dort einen dichten Teppich. Traditionell wurden sie dann zur häuslichen Verarbeitung aufgesammelt. Sie werden also nicht gepflückt, sondern es wird gewartet, bis der Baum seine Tracht „herunterkippt“. Unbeschädigte Früchte halten auf dem Lager noch einige Wochen.

Verwendet wurden die Früchte der Winterkippe in erster Linie als Koch- und Schmorbirne. So hat man – nach Angaben der Baumbesitzer – zum Beispiel die ganzen oder halbierte Früchte in einer Pfanne mit heißer Butter angebraten und durch die Beigabe unterschiedlichster Zutaten, wie Rosinen, Honig, Rübenkraut oder Zimt weiter veredelt – oder das Ganze dann püriert und mit Sahne verfeinert. Oder die Früchte wurden – mit Stiel – eingekocht und im Winter dann als Fleischbeigabe oder Nachtisch serviert.
Herkunft
Die genaue Herkunft dieser im nördlichen Teil des Märkischen Kreises (Südwestfalen) noch unter dem Namen Winterkippe bekannten Wirtschaftsbirne ist nicht bekannt. Der Sortenname ist nur mündlich überliefert, schriftliche Zeugnisse sind nicht bekannt.
Die Sorte war im 19.Jahrhundert und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein noch verbreitet und wurde als Koch- und Schmorbirne verwendet.
Verbreitung
Heute ist die Sorte selten geworden; Bäume konnten noch in Iserlohn-Letmathe und in Balve angetroffen werden. Das Naturschutzzentrum Märkischer Kreis in Lüdenscheid kümmert sich um die Erhaltung der Sorte.
Frucht
Frucht klein, wie eine Bergamotte, apfelförmig rundlich, teils breitrundlich, stiel- und kelchseitig etwas abgeflacht. Im Querschnitt unrund, abgerundet kantig; vom Baum fest. Schale feinrauh, krötenhautartig uneben, mattglänzend, trocken.

Die Früchte sind – bis auf wenige Schattenfrüchte – i.d.R. vollständig berostet, in der Baumreife braun oder oliv grünlich braun, in der Reife später zimtbraun, bronzefarben. Nur bei Schattenfrüchten scheint gelegentlich die hellgrüne Grundfarbe durch. Deckfarbe fehlend. Schalenpunkte mittelgroß, zahlreich, auffallend, hell abgesetzt, meist rosarötlich, in die Schale eingesenkt.

Stiel mittellang (23 bis 30 mm), relativ dünn (bis 2mm), oft gerade, teils auch leicht gebogen, olivbraun, sitzt in einer engen, flachen, kleinen, unregelmäßig faltigen bzw. gefurchten Stielgrube.

Kelchgrube mittelweit, variabel flacher oder tiefer, Seiten flach, etwas faltig. Umgebung flach wulstig, vereinzelt radial gefurcht. Kelch groß oder mittelgroß, offen oder halboffen, Blättchen graufilzig, im Ansatz teils grünlich braun, kronenartig hochstehend, mittellang, an den Enden kurz gespitzt, oft auch abgebrochen.

Kelchhöhle schüsselförmig. Kernhaus mittelgroß, Kernhausachse geschlossen. Samenfächer mittelgroß, rundlich, gerade oder leicht schief zur Achse stehend. Kerne gut entwickelt, mittelgroß, 8:5 mm, schwarzbraun, breit eiförmig, unten kurz gespitzt.

Fruchtfleisch grünlich-gelblich weiß, grobkörnig, herbsüß, mäßig saftig, nach Anschnitt stark verbräunend.
Baum
Der Baum der Winterkippe wächst stark und bildet sehr große, pyramidale Kronen mit mittelsteil oder steil ansetzenden, breit ausladenden, mitteldicht verzweigten Seitenästen.

Die Sorte ist wenig anfällig für Krankheiten der Birne (wie z.B. Schorf oder Rindenbrand) und auch in obstbaulich schwierigen Lagen noch anbaubar.

Das Laub ist eher klein, mittelgrün bis etwas graugrün, oval, vorne kurz gespitzt oder auch eigentümlich abgeplattet. Die Blüte zeitigt im Frühjahr mittelfrüh, im Innern mit auffallend weinroten Staubgefäßen.

Baumfotos sowie Foto Früchte am Baum: Volker Knipp
Verwechsler
Ölligsbirne (Rheinland), Grä(h)ling (Rheinland), sowie ggf. weitere braunfarbene kleine Wirtschaftsbirnen.
Anbaueignung
Die Winterkippe ist eine typische Wirtschaftsbirne, deren kleine und oft traubenartig zusammen hängende Früchte an den großen Bäumen nicht geerntet, sondern nach den ersten Frösten zur Verarbeitung aufgesammelt wurden.

Die Erhaltung dieser Sorte mit ihren vitalen großen Baumkronen dürfte davon abhängen, ob es künftig kreative Ideen zur Nutzung ihrer Früchte für Verarbeitungsprodukte und deren Vermarktung gibt. Ansonsten dienen ihre Früchte heute – ähnlich wie bei Wildbirnen – zur Wildfütterung.
Fruchtfotos
Winterkippe (Foto Volker Knipp)
Winterkippe (Foto Volker Knipp)
Winterkippe
Winterkippe (Foto Volker Knipp)
Baum im Laub
Winterkippe (Foto Volker Knipp)
Baum in Blüte/Winter
Winterkippe (Foto Volker Knipp)
Jungbaum
Winterkippe (Foto Volker Knipp)
Literatur
In der obstbaulichen Literatur ist die 'Winterkippe' bisher weder abgebildet noch beschrieben.

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