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Schöner aus Oesdorf

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 18 August 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Schöner aus Oesdorf
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Synonyme
Kippertken, Hardehauser Klosterapfel
Reifezeit
Die Pflückreife liegt etwa Mitte bis Ende Oktober; auf dem Lager halten die Früchte bis etwa Februar / März.
Herkunft
Heimat der hier beschriebenen Sorte ist der Ort Oesdorf bei Marsberg (Hochsauerlandkreis), im südöstlichen Teil Westfalens an der Landesgrenze zu Hessen – dort, wo die östlichen Ausläufer der Höhenzüge des Sauerlandes in das sanftere nordhessische Hügelland übergehen. Klimatisch ist diese Region – im Vergleich zu den Höhen des Sauerlandes – für den Obstbau besser geeignet. Im 19. sowie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde hier Obst nicht nur für den lokalen Markt angebaut, sondern auch bis ins Ruhrgebiet exportiert. Die Anfänge des Obstbaus in dieser Region waren von den Klöstern ausgegangen. Kontakte bestanden zu den Klöstern Dalheim (bei Lichtenau, Landkreis Paderborn) und Glindfeld (bei Medebach, Altkreis Brilon). Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich ein aus dem Kloster Dalheim stammende Pfarrer für den Obstbau in Oesdorf ein. Kontakt bestand auch zum 15 km entfernten Udorf (nahe Bad Arolsen); dort existierte im 19. Jh. ein Lehr- und Sortengarten, dessen Restbestände alter Bäume bis heute vorhanden sind.

Über das genaue Alter oder die genaue Herkunft der Sorte sind bislang keine schriftlichen Zeugnisse bekannt. Auch von örtlichen Zeitzeugen waren genauere Angaben über die Entstehung der Sorte bisher nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Genetische Fingerprints im Rahmen der 'Deutschen Genbank Obst' brachten bislang auch keine Erkenntnisse über die Abstammung bzw. über Verwandtschaften dieser Sorte
Verbreitung
Der Schöne aus Oesdorf scheint ausschließlich lokal verbreitet zu sein. Mehrere Altbäume der Sorte wurden bisher in Oesdorf selbst angetroffen, ein Baum möglicherweise rd. 20 km entfernt bei Warburg/Westfalen.

In Baumschulen oder Reisermuttergärten ist die Sorte heute nicht erhältlich. Einzelbäume zur Sortenerhaltung wurden inzwischen vom Freilichtmuseum Detmold, der Gemeinschaft für Naturschutz in Bad Wünnenberg sowie im Sortengarten Hemer des Naturschutzzentrums Märkischer Kreises gepflanzt. Auch die DGO-Sammlung Müncheberg verfügt über die Sorte.
Frucht
Frucht mittelgroß, abgerundet kegelförmig, zum Kelch hin verjüngt, kantig. Im Querschnitt 10-kantig bis unregelmäßig kantig. Frucht fest bis hart, nicht druckempfindlich. Schale bei Baumreife hell bereift (vor allem stielseitig), glatt, glänzend, dünn, relativ hart, zäh.

Grundfarbe weißlich grün, bei Reife weißlich gelb, etwas „kaltfarbig“. Deckfarbe dunkelrot bis rosa purpurrot, verwaschen flächig bis verwaschen (kurz-)streifig, bei starker Färbung auch flächig, in den Übergängen zur Schattenseite der Frucht leicht (fein-)streifig, auf etwa einem (bis manchmal zwei) Dritteln der Frucht. Schalenpunkte klein, auf Deckfarbe berostet, auf Grundfarbe grünlich umhöft, insgesamt wenig auffallend.

Stielgrube weit (bis mittelweit), tief (bis mitteltief); Seiten mittelsteil, teils ohne Berostung (dann lange grün bleibend), teils gering berostet, Berostung etwas grob schuppig, graubraun. Stiel mittellang bis kurz, mitteldick, ragt meist kaum aus der Stielgrube heraus.

Kelchblättchen sitzt in einer meist flachen und engen Kelchgrube, oft sortentypisch umgeben von teils sehr auffallenden Fleischperlen oder -falten. Die flachen, aber teils ausgeprägten Höcker um den Kelch verlaufen als Kanten bis zur Fruchtmitte, dazwischen teils kleinere Zwischenkanten, was der Frucht in der kelchseitigen Draufsicht ein 10-kantiges Aussehen verleiht.

Kelchhöhle schmal, dreieckig oder trichterförmig, seltener auch mit Röhre bis zum Kernhaus; Staubfäden hochständig verwachsen. Kernhaus mittelgroß, Achse geschlossen oder geöffnet, ‚Core-Line’ eng ums Kernhaus. Kernhauswände schmal, meist ohrenförmig, gerissen. Kerne etwas variabel in Größe und Form, meist oval, unten kurz/stumpf gespitzt, braun, mittelgroß ( ca. 8: 4 mm ), teils auch taube Kerne.

Fruchtfleisch hell gelblich weiß, fast weiß, mittelfeinzellig, mäßig saftig, stark säuerlich, deutlich verbräunend.
Baum
Der Baum der Sorte Schöner aus Oesdorf ist starkwüchsig, mit schräg bis steil aufrechten Seitenästen, die sich gut verzweigen und die im Ertragsalter unter der Last der Früchte abkippen. Er bildet eine große, pyramidale, etwas verdichtete Krone, die gelegentlich eines Auslichtungsschnitts bedarf.
Der Schöne aus Oesdorf ist robust, wenig anfällig für Krankheiten und Schädlinge, breit anbaufähig und auch noch für den Anbau in Höhenlagen geeignet. In der Jugend kommt der Baum spät in den Ertrag, der Ertrag ist dann hoch und relativ regelmäßig. Als triploide Sorte kommt die Sorte nicht als Bestäuber für andere Apfelsorten in Betracht. Das Laub erscheint (im Vergleich zu anderen Apfelsorten) eher klein bis mittelgroß.
Verwechsler
Elise Rathke, Roter Augustiner, Geflammter Kardinal, Halberstädter Jungfernapfel, Sohlander Streifling, Bismarckapfel
Anbaueignung
Der Schöne aus Oesdorf ist ein reiner Wirtschaftsapfel für die Verarbeitung, dessen Verbreitung auf den Raum Marsberg / Bad Wünnenberg (Altkreis Büren) beschränkt ist.
Fruchtfotos
Schöner aus Oesdorf
Schöner aus Oesdorf
Baum in Blüte/Winter
Schöner aus Oesdorf (Foto Claudia Schluckebier)
Jungbaum
Schöner aus Oesdorf (am Wehrturm Wünnenberg). Foto Marion Schnell)
Literatur
In der obstbaulichen Literatur ist der Schöne aus Oesdorf bisher nicht verteten

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