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Winterköttelbirne

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 18 August 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Winterköttelbirne
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Regionalsorte
ja
Synonyme
Küottelbiär
Reifezeit
Die Ernte der Winterköttelbirne erfolgt etwa Mitte bis Ende Oktober. Auf dem Lager halten die Früchte relativ problemlos bis in die Wintermonate, teilweise sogar bis Anfang Frühjahr.

Die kleinen Früchte wurden ausschließlich zur häuslichen Verarbeitung verwendet, denn roh bleiben sie auch nach Lagerung ungenießbar, gekocht dagegen sind sie ein Genuss. Beliebt war vor allem die Verwendung der gekochten ganzen Früchte zum Grünkohl oder zu Wirsing.
Herkunft
Neben der Westfälischen Glockenbirne ("Kuhfuß", „Speckbirne“, „Pfundbirne“) ist keine andere Wirtschaftsbirne in Westfalen so häufig im Streuobst vorkommend wie die Winterköttelbirne. Diese kleine bis tief in den Winter hinein lagerbare Wirtschaftsbirne war einst in fast der gesamten Westfälischen Bucht verbreitet, vom Münsterland bis zur Soester Börde, vom Dortmunder Hellweggebiet bis zum Teutoburger Wald bei Bielefeld. Aber auch südlich der Hellwegregion scheint die Sorte noch vorgekommen zu sein: Im „Wörterbuch südwestfälischer Mundarten in den früheren Landkreisen Altena und Iserlohn“ (Dr. Horst Ludwigsen, 1997) findet eine „Küottelbiär“ Erwähnung.

Umso erstaunlicher, dass sich bislang keinerlei schriftlich überlieferte Zeugnisse zur genauen Herkunft dieser Sorte finden ließen, weder in der Obstsortenliteratur noch in lokalen Archiven. Die Tradition dieser Sorte hat sich allein durch mündliche Überlieferung erhalten, die Bäume wurden – über viele Generationen – meist vor Ort von Nachbar zu Nachbar abveredelt.
Verbreitung
Besonders im Raum Hamm/Westfalen sind Bäume der Winterköttelbirne heute noch häufiger anzutreffen und dort – wie vereinzelt auch im Münsterland – wahrt man hier und da auch noch die Tradition, nach der die Winterköttelbirne im Winter als ganze Frucht zu Grünkohl gegessen wird. Mit dem allmählichen Rückgang der lokalen Traditionen bäuerlicher Küche droht auch die Winterköttelbirne aus den Gärten der Bauernhöfe zu verschwinden. In Hamm kümmert sich heute der Verein ‚Landl(i)eben’ um die Bewahrung dieser westfälischen Küchentradition.
Frucht
Frucht klein, meist kreisel- oder kegelförmig, seltener birnenförmig. Kelchseitig gerundet, um den Kelch etwas faltig; zum Stiel hin stark verjüngt und meist seitlich eingezogen. Im Querschnitt ziemlich rund. Frucht auch nach längerer Lagerung noch hart. Wird nicht weich wie andere Birnen. Schale glatt, gelagert leicht glänzend, trocken, eher dünn.

Grundfarbe grün bis etwas weißlich grün, erst spät auf dem Lager aufhellend. Deckfarbe oft fehlend, manchmal sonnenseitig als orangerötlicher oder goldiger Hauch. Fruchtseiten teils mit kleineren Berostungen, i.d.R. aber kaum berostet. Schalenpunkte klein, fein, dicht verteilt, grünlich oder berostet, nur mäßig auffallend.

Stiel lang (40 bis 50 mm), knapp mitteldick, leicht gebogen, hellbraun, am Fruchtansatz z.T. auch (hell) grün. Stielgrube fehlend; Stiel wie „aus der Frucht heraus gezogen“, teils auf einem Wulst aufsitzend oder von einem Wulst schief gedrückt. Stielumgebung unberostet oder mit feinen hellbraunen Berostungen.

Kelchgrube mittelweit, flach, ganz vom großen Kelch ausgefüllt. Seiten flach, etwas wulstig / faltig. Kelchumgebung ebenmäßig, unberostet, teils mit kleinen braunen Rostspuren. Kelch groß, meist offen (variabel auch geschlossen oder halboffen), mit einzelnen langen dünnen grauen Blättchen.

Kelchhöhle relativ flach. Kernhaus mittelständig, mit geschlossener Kernhausachse. Samenfächer relativ klein, etwas schräg zur Achse stehend. Kerne zahlreich, schwarzbraun, gut entwickelt, eiförmig, oben gerundet, unten kurz gespitzt, 7,5 : 4,5 mm, einzelne auch taub.

Fruchtfleisch (grünlich-) beige weiß, fest, mittelfein, mäßig saftig, ohne besonderes Aroma.
Baum
Die Bäume der Winterköttelbirne wachsen stark und bilden sehr große Kronen. Die Seitenäste wachsen zunächst steil aufrecht, kippen unter der Fruchtlast dann jedoch außen ab.

Die Sorte ist resistent gegen Schorf, wenig anfällig auch gegenüber anderen Krankheiten der Birne (wie z.B. Rindenbrand) und daher breit anbaubar bezüglich des Standortes. Sie hat ein sehr gesundes, hell grünes bis mittelgrünes Laub. Die Blätter sind oval, stumpf gespitzt, glänzend.
Verwechsler
Betzelsbirne (Süddeutschland) mit ähnlicher Reifezeit, Hängeltebirne (Südwestfalen) mit anderer Reifezeit. Ggf. weitere Wirtschaftsbirnen mit ähnlicher Fruchtreife wie die Winterköttelbirne.
Anbaueignung
Die Winterköttelbirne ist eine typische Wirtschaftsbirne, deren große, landschaftsprägende Bäume weit robuster sind als die der meisten Tafelbirnen, weshalb die Sorte für den Streuobstbau erhalten werden sollte. Wie bei den meisten kleinfrüchtigen Wirtschaftsbirnen dürfte die Erhaltung der Sorte aber davon abhängen, ob es künftig kreative Ideen zur Nutzung ihrer Früchte für Verarbeitungsprodukte und deren Vermarktung gibt, z.B. zur Verwendung in der regionalen Hotellerie o.ä. Unbedingt geprüft werden sollte auch ihre Eignung für Obstbrand.
Fruchtfotos
Winterköttelbirne
Winterköttelbirne
Winterköttelbirne
Winterköttelbirne
Baum im Laub
Winterköttelbirne
Rinde
Winterköttelbirne
Literatur
In der obstbaulichen Literatur ist die Winterköttelbirne bisher weder abgebildet noch beschrieben.

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