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Roter Münsterländer Borsdorfer

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 6 Juli 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Roter Münsterländer Borsdorfer
Gefährungsgrad
gefährdet
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Die Früchte des Roten Münsterländer Borsdorfer sind etwas Mitte Oktober pflückreif. Ab Dezember sind sie dann genussreif und lassen sich bis Februar, bei guten Lagerbedingungen bis März lagern.
Herkunft
Der Roter Münsterländer Borsdorfer ist – ebenso wie der Gelbe Münsterländer Borsdorfer – eine alte Sorte des Oldenburger Münsterlandes. Über den genauen Ursprung bzw. die genaue Herkunft der Sorte ist nichts bekannt. Aktuelle molekulargenetische Analysen belegen, der Rote Münsterländer eine Tochtersorte des Gelben Münsterländer Borsdorfers ist. Beide sind jedoch (trotz ihrer „Namensvetterschaft“ mit der ältesten deutschen Apfelsorte, dem Edelborsdorfer) weder mit jenem verwandt noch mit anderen Sorten aus der (vom Edelborsdorfer abstammenden) „Borsdorfer“-Sortengruppe.

In der alten Sortenliteratur des 19. Jahrhunderts ist der Rote Münsterländer Borsdorfer nicht erwähnt oder beschrieben, jedenfalls nicht unter diesem Namen. In dem Buch „Deutsche Äpfel – die Handelssorten“ (Bd. II: Norddeutschland), hrsg. von E.Loewel und S. Labus vom Obstinstitut in Jork (1941), wird die Sorte als Gebietssorte für Oldenburg genannt, die dort „zunehmend angebaut“ werde.
Verbreitung
Hauptsächlich verbreitet ist die Sorte im Oldenburger Münsterland, in der Region zwischen Oldenburg, Cloppenburg und Osnabrück. Nach Süden reicht das Verbreitungsgebiet bis zum Wiehengebirge und z.T. auch bis nach Westfalen hinein, wo sie im Altkreis Lübbecke ebenso vorkam wie im westlichen Teil des Landkreises Herford, dem Altkreis Halle/Westfalen sowie vereinzelt auch im nördlichen Münsterland (Altkreis Tecklenburg).

Sortenechte Reiser des Roten Münsterländer Borsdorfer sind heute virusfrei im Reisermuttergarten der Landwirtschaftskammer Hannover sowie im Reisermuttergarten Bonn der ORG GmbH erhältlich.
Frucht
Frucht mittelgroß, kugelig (öfters auch hochkugelig), mittelbauchig, stiel- und kelchseitig abgeflacht; im Querschnitt rund, wie gedrechselt. Sehr fest, nicht druckempfindlich, auch gelagert noch fest. Schale glatt, bei Berostung rauh, schattenseitig matt, auf starker Deckfarbe auch glänzend, nach Lagerung trocken (auf starker Deckfarbe auch schwach wachsig), beim Verzehr nicht störend.

Grundfarbe (sofern anteilig vorhanden) baumfrisch grasig grün, in der Reife trüb olivgelb bis strohgelb. Deckfarbe dunkelrot, blutrot (schattenseitig auch anfangs rosarötlich, später orangerötlich) flächig, auf zwei Dritteln, teils auch über die ganze Frucht. Schalenpunkte groß, sternchenartig berostet, auffallend. Öfters ist die Frucht teilweise netzartig / fleckig berostet. Berostung teils seidenmatt, fein, glänzend, teils gröber, schuppig.

Stielgrube mitteltief, mittelweit bis eng, Seiten steil, meist vollständig berostet. Berostung fein, samtig, glänzend oder auch schuppig, teils weit auslaufend (teils bis zur Fruchtmitte), hellbraun, teils hellbraun, teils oliv grünlich graubraun. Stiel kurz, teils dick / knopfartig, teils auch bis mittellang, mitteldick und etwas aus der Stielgrube ragend.

Kelchgrube flach bis sehr flach, weit. Seiten flach bis sehr flach abfallend, ebenmäßig, öfters berostet (fleckig, punktiert). Kelchumgebung flach, ebenmäßig, teils mit einzelnen Rostzeichnungen. Kelch groß, weit offen. Blättchen kurz bis mittellang (oft abgebrochen), graufilzig, im Ansatz getrenntständig, z.T. etwas fleischig verdickt.

Kelchhöhle klein, kurz, trichterförmig, Staubfäden eher tiefständig. Kernhaus klein, stielständig, Achse meist geschlossen, ‚Core-Line’ mittelweit ums Kernhaus. Kernhauswände klein, ohrenförmig, meist gerissen. Kerne meist nicht zahlreich, frisch mittel- bis dunkelbraun, mittelgroß, breit eiförmig, ca. 8 : 4,5 mm.

Fruchtfleisch (schwach grünlich-) gelblich weiß, fest, markig, mittelfeinzellig bis grobzellig, kräftig süßsäuerlich, mäßig saftig (ähnlich Boskoop), beim Anschnitt mäßig verbräunend.
Baum
Der Baum des Roten Münsterländer Borsdorfers bildet mittelgroße, kugelige, relativ dichte Kronen mit gesunder Belaubung. Er wächst in der Jugend stark, später mittelstark, mit schräg aufrechten Leitästen, die auf Rückschnitt mit guter Verzweigung reagieren, so dass der Baum sich relativ leicht zu einer pyramidalen Krone erziehen lässt.
Der Rote Münsterländer Borsdorfer ist robust gegenüber Krebs und Mehltau und relativ tolerant auch gegenüber Apfelschorf. Er ist breit anbaufähig auf nahezu allen Böden, wobei ihm tiefgründige Lehmböden am besten zusagen. An eingeschlossenen, schlecht durchlüfteten Standorten oder Waldrandlagen kann etwas Schorf auftreten, ohne dass dies jedoch die Vitalität des Baumes beeinträchtigt.
Der Baum kommt relativ früh in den Ertrag und trägt dann reich und regelmäßig. Austrieb und Blüte im Frühjahr zeitigen mittelfrüh bis mittelspät; das Laub ist mittelgroß, dunkelgrün, fast etwas bläulich grün. Nach seinen meist gut ausgebildeten Samen zu beurteilen müsste der Rote Münsterländer Borsdorfer eine diploide Sorte (und damit ein guter Befruchter für andere Sorten) sein. Nach der genetischen Analyse handelt es sich jedoch um eine triploide Sorte.
Verwechsler
Kaiser Wilhelm, Multhaupts Renette, Rotfranch, Barnacks Beauty, Roter Boskoop.
Anbaueignung
Alles in allem ist der Rote Münsterländer Borsdorfer eine reich tragende Wirtschafts- und Tafelapfelsorte für den extensiven Streuobstanbau, mit einer guten Baumgesundheit und breit anbaufähig auf verschiedensten Standorten.
Fruchtfotos
Roter Münsterländer Borsdorfer (Studiofoto)
Roter Münsterländer Borsdorfer (geschnittene Frucht)
Roter Münsterländer Borsdorfer
Roter Münsterländer Borsdorfer (geschnittene Frucht)
Baum im Laub
Roter Münsterländer Borsdorfer (Baum)
Literatur
Loewel, E und S. Labus, S. (1941): 'Deutsche Äpfel – die Handelssorten - Bd. II: Norddeutschland“. Jork (1941)
Landwirtschaftskammer Weser-Ems (1993): 'Empfehlenswerte alte und neue Apfelsorten für Landschaft und Garten in Weser-Ems'
Bannier, H.J. (2022): Alte Obstsorten - neu entdeckt für Westfalen und Lippe. Hrsg. Stiftung für die Natur Ravensberg. 4. Aufl. 2022

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