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Annie Elizabeth

Verfasst von Hans-Thomas Bosch am 21 Juni 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Studioaufnahme
Gefährungsgrad
gefährdet
Regionalsorte
nein
Synonyme
Aufhofer Klosterapfel (Oberschwaben/Baden-Württemberg)
Reifezeit
ab etwa Anfang Oktober pflückreif und haltbar bis März/April (Winterapfel)
Herkunft
Der englische Pomologe Hogg (1884) gibt an, dass die Sorte von der Baumschule Harrison & Son aus Leicester gezogen wurde. Bunyard (1920) dagegen erwähnt einen Mr. Greatorex, ebenfalls aus Leicester, der die Sorte um 1857 aufgefunden haben soll.
Nach Sanders (2010) soll Annie Elizabeth nach den beiden Töchter von Thomas Harrison, einer der Baumschulbesitzer, benannt worden sein oder, so auf der Internetseite von www.fruitid.com zu lesen (FruitID 2026), nach der Tochter des oben genannten Samuel Greatorex. Weiter heißt es dort, dass der Mutterbaum der Sorte noch bis in die 1970-er Jahre in Knighton, St. Mary (Leicester) stand.
Abstammen soll die Sorte laut Literatur entweder von Goldrenette aus Blenheim Smith (1971) oder von Bess Pool (Hogg/Bull, 1876 - 1885). Durch melekulargenetische Analysen wurde inzwischen nachgewiesen, dass es sich bei den Elternsorten um Rymer und Northern Greening handelt (FruitID 2026).
Verbreitung
Hogg (1884), wie auch andere Autorinnen und Autoren später, erwähnt die Auszeichnung der Sorte durch die Royal Horticultural Society im Jahr 1886. Dies dürfte sicher zu einer starken Beliebtheit in England beigetragen haben. Sie wird in englischen Pomologien des 20. Jahrhunderst kontinuierlich beschrieben bis hin zu Sanders (2010).

In Deutschland wird die Sorte erstmals bei Lauche (1883) beschrieben, wird in späteren größeren Werken der Pomologie dann aber nicht mehr berücksichtigt. Entsprechend dürfte die Verbreitung der Sorte in Deutschland gering sein. In Erfassungen im südwestlichen Bayern z.B. fanden sich nur sehr vereinzelt Altbäume der Sorte.
Eine etwas größere Verbreitung und Bekanntheit erlangte sie im Baden-Württembergischen Oberschwaben, wo sie als Aufhofer Klosterapfel bekannt ist und bis vor wenigen Jahren für eine auch dort entstandene Lokalsorte gehalten wurde (Klausner 2016).

Auch in Dänemark war die Sorte bekannt, ebenfalls nur in geringem Umfang, wie Pedersen (1955) schreibt. Er führt aus, dass die Sorte ursprünglich als Sämling des Nakskov-Fjords (westlich der Insel Lolland) angesehen wurde, dann aber als Annie Elizabeth bestimmt wurde. Pedersen führt letztlich andere Sorten als empfehlenswerter für den dänischen Obstbau an, insbesondere des Fruchtfalls und des späten Ertragseintritts von Annie Elizabth wegen.
Frucht
groß, auch sehr groß; unregelmäßig kugelig geformt, mal flacher, mal höher; fettende Schale;
Grundfarbe gelblich, Deckfarbe intensiv rot, ausgedehnt, deckend, am Übergang zur Grundfarbe etwas gestreift und punktiert aufgelöst; Schalenpunkte, weißlich grau, teils bläulichrot umhöft; Rostspuren in Kelchgrube, auch ausgeprägter konzentrisch; Berostung in Stielgrube variabel ausgedehnt, oft konzentrisch strukturiert;
Stielgrube tief, eher eng, vereinzelt mit Ansatz zum Fleischwulst; Stiel kurz und dick, zur Frucht teils fleischig verdickt;
Kelchgrube oft weit und tief; Blätter breit, am Grund getrennt; Kelch meist geschlossen;
Kelchhöhle mit becherförmiger, eher schmaler Röhre;
Kernhaus mittig, teils kelchnah; Wände etwas gerissen; Achse mehr oder weniger geschlossen;
Kerne variabel klein bis mittelgroß, eiförmig kugelig bis länglich, kastanien- bis rehbraun;
weichfleischig, mittel saftig, säuerlich, mäßig süß;
schwach blumig aromatisch; überwiegend Wirtschaftsapfel, v.a. für Verwertung in der Küche (Sanders 2010)

Besondere Merkmale:
groß, kugelig, glänzende, fettende Schale; freundlich rote Deckfarbe; becherförmige Kelchröhre; Kernhaus mittig; säuerlich
Baum
mäßig wuchsstark; diploid; in der Jugend steil aufstrebend, Alterskrone eher kugelig; kompaktes Kronenbild durch Triebe mit engem Internodienstand
Verwechsler
Rambur Mortier (mattere Deckfarbe, engere Kelchgrube, ohne Kelchröhre, deutlich milder im Geschmack)

Bramleys Sämling (ebenso glänzende, aber mattere Deckfarbe und meist deutlich weniger ausgedehnt; grünliche Grundfarbe; Kelchöhle groß, aber ohne Röhre; grünliches Fleisch; noch säuerlicher)

Teltower Wintergravensteiner (Fleischperlen in der Kelchgrube, deutlich aromatischer, frühere Blüte)
Anbaueignung
erscheint insgesamt robust; die wenig bekannten Altbäume in Oberschwaben und im Allgäu zeigen sich vital; in der historischen Literatur wird als Nachteil vorzeitiger Fruchtfall erwähnt und die Deutsche Genbank Obst (2026) nennt eine starke Anfälligkeit für Schorf und Mehltau; am Standort Bodensee zeigen sich die Bäume diesbezüglich wenig anfällig; Fruit ID (2026) nennt als traditionelle Anbaugebiete die Mitte und den Norden Englands, also kühlere Standorte.
Fruchtfotos
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Früchte am Baum
Früchte am Baum
Früchte in der Schale
Baum im Laub
Baum im Laub
Baum in Blüte/Winter
Baum im Winter
Jungbaum
Jungbaum
Literatur
Hogg, R. und H.G. Bull ( 1876 - 1885): Herefordshire Pomona. Hereford und London. Tafel 52, Nr. 2.
Lauche, W. (1883): Erster Ergänzungsband zu Lucas und Oberdieck`s Illustrirten Handbuch der Obstkunde. Berlin, Deutschland; Paul Parey. Nr. 692, S.5.
Hogg, R. (1884): The Fruit Manual. London. S. 8.
Bunyard, E. A. (1920): Handbook of Fruits. Apples and Pears. London. S. 17.
Pedersen, A. (1955): Danmarks Frugtsorter. 2. Auflage. Band 1. Kopenhagen. S. 29.
Sanders, R. (2010): The Apple Book. London. S. 151.
Klausner, C. (2016): Oberschwäbische Früchtchen. Bad Buchau. S. 73.
FruitID (2026): Annie Elizabeth. www.fruitid.com.
Deutsche Genbank Obst (2026): Annie Elizabeth. Datenblatt. www.deutsche-genbank-obst.de.

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