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Kesseltaler Streifling

Verfasst von Hans-Thomas Bosch am 12 Juli 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Studioaufnahme
Gefährungsgrad
gefährdet
Regionalsorte
nein
Synonyme
Schopflocher Streifling; Erfurter Streifling
Reifezeit
der Wirtschaftsapfel reift etwa Anfang September und ist nur beschränkt lagerfähig (etwa 6 Wochen); wird überwiegend sofort verarbeitet (v.a. Saft)
Herkunft
Über die Entstehung der Sorte ist nichts bekannt.
Der Name der Sorte bezieht sich auf das Tal des Flusses Kessel, der im südlichen Kreis Donauries und im nördlichen Kreis Dillingen verläuft (Bayerisch Schwaben).
Renner (2007) vermutet, dass Kesseltaler Streifling bereits im frühen 19. Jahrhundert bekannt war, ohne weitere Details zu nennen.

Die früheste, der vorliegenden Sortenbeschreibung zugrundeliegende Quelle, datiert auf das Jahr 1926 und besteht aus einer lediglich zwei Seiten umfassenden Sortenempfehlung für die Rieslandschaft (Nördlinger Ries) des Oberregierungsrates Löhe. Die Schrift hat den Zweck, das Obstsortiment der Region deutlich zu begrenzen und es werden lediglich 9 Apfelsorten empfohlen, darunter auch der als Lokalsorte eingestufte Kesseltaler Streifling.
Offensichtlich hat sich die Sorte in der Region sehr bewährt und es ist wahrscheinlich, dass ihr Anbau dort ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Aktuelle molekulargenetische Untersuchungen zeigen, dass Kesseltaler Streifling ein triploider Sämling von Purpurroter Cousinot ist.
Verbreitung
Renner (2007) ordnet sie als Regionalsorte des westlichen Mittelfranken und des nördlichen Schwaben ein.
Inzwischen ist bekannt, dass die Verbreitung der Sorte weit über die Kreise Donau-Ries und Dillingen hinausgeht, auch wenn sie dort nach wie vor zu den in den Hochstammbeständen häufigsten Sorten zählt, wie in einer Kernobstsortenerfassung nachgewiesen wurde (Bosch 2020).
Weitere Erfassungen belegen vereinzelt Standorte auch in den Kreisen des bayerischen Allgäus oder im Kreis Lindau. Einzelne Nachweise sind aus dem österreichischen Vorarlberg ebenso bekannt wie aus dem Fürstentum Liechtenstein.

Bemerkenswert ist zudem die Verbreitung der Sorte im angrenzenden Baden-Württemberg (Ostalb), wo sie unter dem Namen Schopflocher Streifling lange als Lokalsorte galt (Weber 1951).

Insbesondere aber weist die Angabe des Synonyms 'Erfurter Streifling' bei Löhe (1926) auf eine überregionale Verbreitung hin. Allerdings konnte diese Aussage bisher pomologisch nicht geprüft werden, da es derzeit keinen Nachweis von Bäumen einer Sorte des Namens 'Erfurter Streifling' gibt.

Frucht
mittelgroß; abgestumpft kegelförmig, seltener kugelförmig; etwas schief und etwas unregelmäßig im Relief;
gering druckfest; Schale zur Vollreife geschmeidig, etwas fettend, glänzend und duftend;
Grundfarbe gelb, die meist noch schwach zwischen der lebhaft rot und dicht gestreiften Deckfarbe durchschimmert; Streifen verdichten sich teils intensiver bläulichrot;
Kelchgrube mehr oder weniger konzentrisch berostet oder mit lediglich Rostspuren; Stielgrube ebenfalls variabel berostet;
Lentizellen punktförmig hell, auch mit größerem Hof, dann mäßig auffällig;
Stielgrube durch Wülste etwas eingeengt; Stiel bis mittellang, teils fleischig;
Kelchgrube eher breit, mäßig tief bis tief, mit allenfalls schwachen Wülsten;
Kelch teils groß, Blätter breit und lang, grünlich;
breite Kelchhöhle, teils tiefreichend, aber ohne ausgeprägte Röhre;
Kernhauswände glatt, glänzend;
Kerne klein bis mittelgroß, eiförmig bauchig und kurz gespitzt, kastanienbraun;
sehr saftig; eher säuerlich, mäßig süß, fruchtig und schwach aromatisch

Besondere Merkmale:

breit kegelförmig, lebhaft rot gestreift, Kelchgrube geräumig, Kelchblätter lang und breit, Kelchhauswände glatt, sehr saftig, kleinerer bauchiger Kern und markant gespitzt

Baum
triploid, starkwüchsig, Massenträger; nach Weber (1951) ist der Baum kaum anfällig und besonders gut an die kalten Winter und trockenen Sommer der rauen Ostalb angepasst (insbesondere wird seine hohe Trockenstressresistenz hervorgehoben); vitale Bäume zeigen unter den Fruchtlasten einen etwas überhängenden Habitus bei breitpyramidaler Form
Verwechsler
Roter Ziegler (nicht so lebhaftes Farbenspiel, deutlich längere Kerne und vor allem deutlich saurer)

Gravensteiner (sehr viel schmackhafter, großer und offener Kelch, weit offene Kernhausachse)

Schöner aus Herrnhut (etwas aromatischer, weniger Säure, lagerfähiger, insgesamt höher gebaut, längerer Stiel, deutlich längere Kerne)
Anbaueignung
breit anbaufähig (z.B. auch in den günstigen Obstbaulagen des bayerischen Bodensees) mit einem Schwerpunkt auf mittlere bis sehr raue Lagen (Ober- und Ostallgäu; Ostalb); entsprechend den oben erwähnten Quellen ein sehr robuster Wirtschaftsapfel, der überwiegend zu Saft verarbeitet wird
Fruchtfotos
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Frucht am Baum
Frucht im Gras
Frucht im Gras
Baum im Laub
Baum im Laub
Baum in Blüte/Winter
Baum im Herbst
Laub
Laub
Literatur
Löhe (1926): Bekanntmachung über Obstsortimente für das Ries. Nürnberg. S. 2.
Weber, H. (1951): Die Anfälligkeit der in Württemberg verbreiteten Obstsorten gegenüber parasitären und nichtparasitären Schädigungen. Doktorarbeit. Stuttgart-Hohenheim. S. 129.
Renner F. (2007): Apfel- und Birnensorten Europas. Donauwörth. S. 140f.
Bosch, H.Th. (2020): Besondere Apfel- und Birnensorten in Nordschwaben. Druckhaus Gössler. Dornbirn. S. 23

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