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Extertaler

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 28 Juni 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Extertaler
Gefährungsgrad
gefährdet
Regionalsorte
ja
Synonyme
Extertaler Katzenkopf, abwertend auch "Lippische Steckrübe" genannt. Sofern in der Sortenliste des Bundessortenamts sowie in den Katalogen mancher überregionaler Baumschulen noch die Sortenbezeichnung „Extertaler Eckapfel“ kursiert, handelt es sich um eine Fehlbezeichnung.
Reifezeit
Pflückreife Mitte Oktober, haltbar bis ca. Januar/Februar
Herkunft
Wann die Sorte entstanden ist und wo genau sie herstammt, ist unklar. Das namensgebende Extertal liegt im nordöstlichsten Zipfel Lippes bzw. Nordrhein-Westfalens, zwischen den Gemeinden Barntrup im Süden und Rinteln an der Weser (Niedersachsen) im Norden. Ob die Apfelsorte wirklich von hier stammt, ist jedoch nicht gesichert.

In einem Katalog der Obstbaumschule Eikermann (Kalletal-Hohenhausen) von 1933 ist der Extertaler als „eine in den letzten Jahren in Lippe erst mehr beachtete Lokalsorte“ genannt. In den 1930er Jahren wurde die Sorte vom Obst- und Gemüsebauverband Westfalen und Lippe für die Kreise Kreise Bielefeld, Halle, Herford, Lübbecke, Minden und Wiedenbrück sowie das Land Lippe für den Erwerbsobstbau empfohlen.

Um 1810 bereits hatte die Baumschule des Gärtners Beseler auf Schloss Canstein (bei Marsberg, Hochsauerlandkreis) einen 'Katzenkopf' in ihrem Angebot. Ob es sich hierbei womöglich schon um den hier beschriebenen Extertaler gehandelt hat, ist jedoch völlig unklar.

Gutsbesitzer Franz Wilhelm von Spiegel zum Desenberg (1752-1815) von Schloss Canstein war ein begeisterter Gartenliebhaber, der die Reiser für seine Obstbäume vom berühmten Pomologen Johann Ludwig Christ aus Kronberg (Hessen) bezog, darunter auch Obstneuheiten aus aller Welt (Quelle: Linnemeier, „Frühneuzeitlicher Obstbau im Wesergebiet im Spannungsfeld von ländlicher Ökonomie, adligem Zeitvertreib und obrigkeitlichem Dirigismus“, in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 49, 2004).



Verbreitung
Die Apfelsorte Extertaler ist im gesamten östlichen Westfalen auf den Streuobstwiesen noch weit verbreitet. Vor allem im Lippischen, aber auch in den Kreisen Höxter, Paderborn, Gütersloh, Bielefeld und Herford ist er anzutreffen, aber auch östlich über Westfalen hinaus im Südniedersächsischen (Schaumburg-Lippe, Holzminden, Northeim, Göttingen) bis ins westliche Harzvorland, sowie südlich und südöstlich ins Warburger Land, den Hochsauerlandkreis und nach Nordhessen.

Angesichts dieser großen Verbreitung ist es erstaunlich, dass die Sorte – ähnlich wie das auch beim 'Westfälischen Gülderling' und beim 'Schönen aus Wiedenbrück' der Fall ist – in der obstbaulichen Sortenliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts nicht vorkommt.

Völlig unklar ist außerdem, wie der 'Extertaler' auch in ganz andere Regionen Deutschlands gelangt ist. So wurden in den letzten Jahren mehrere Bäume des Extertaler auch in Streuobstbeständen am Bodensee entdeckt.

In den Obstbaumschulen Ostwestfalens ist der Extertaler heute vereinzelt noch erhältlich. Reiser sind im Reisermuttergarten Bonn der ORG GmbH verfügbar.
Frucht
Frucht groß oder mittelgroß, oft hochgebaut kegelförmig, teils etwas „kastenförmig“ (stiel- und kelchseitig breit abgeplattet), im Querschnitt leicht kantig, mittelfest bis fest, wenig druckanfällig. Die Schale ist glatt, mattglänzend (Glanz durch Lentizellen unterbrochen), auch gelagert trocken bleibend, mitteldick, etwas zäh.

Grundfarbe am Baum weißlich grün, grasig grün, auch auf dem Lager lange grün bleibend, in der Reife weißlich gelb, hellgelb. Deckfarbe sonnenseits dunkelrot, blutrot verwaschen-streifig, in den Randbereichen zur Grundfarbe punktiert, marmoriert, auf 1/3 bis fast der ganzen Frucht. Sortentypisch sind die zahlreichen Schalenpunkte mit ihren weißlich oder rosarötlich bereiften Umhöfungen, in der Baumreife sehr auffallend, bei längerer Lagerung allmählich verblassend. Berostungen auf der Frucht selten.

Stielgrube mittelweit oder eng, mitteltief oder flach. Seiten mittelsteil, meist nur gering berostet (oder Berostung fehlend), manchmal mit kleinem Stielwulst. Stiel kurz, variabel dünn oder fleischig dick, nicht aus der Stielgrube ragend.

Kelchgrube mittelweit, mitteltief (oder flacher). Seiten mittelsteil bis flach. Umgebung leicht wulstig oder stumpfkantig, teils auch ebenmäßig. Kelch sehr variabel, mittelgroß oder klein (teils auch groß), variabel halboffen oder geschlossen, teils auch offen. Blättchen kurz (oft abgebrochen).

Kelchhöhle mittelgroß, breit dreieckig. Stempel dünn, fein. Staubfäden mittelständig verwachsen. Kernhaus groß oder mittelgroß, meist weit offen, einen großen Hohlraum bildend (Samenfächer untereinander verbunden). Core-Line oval, mittelweit ums Kernhaus. Kernhauswände in der Form variabel, meist sichel- oder bogenförmig, aber auch rucksack- oder ohrenförmig, variabel schmaler oder breiter, oft stark gerissen. Kerne klein, braun, eiförmig, unten kurz gespitzt, 7 : 4 mm, öfters kleine Krüppelkerne.

Fruchtfleisch baumreif grünlich, später grünlich-gelblich weiß, unter der Schale grünlich oder gelblich-grün; mittelfeinzellig, teils etwas grobzellig, fest, etwas trocken, süßsäuerlich, ohne besonderes Aroma.
Baum
Der Baum des Extertaler ist starkwüchsig, mit steil bis schränk winkelnden Leitästen. Die Sorte bildet im Alter große, pyramidale, weit ausladende, mitteldicht verzweigte Kronen mit außen (durch den Fruchtertrag) bogenartig abhängenden Leit- und Fruchtästen.

Ältere Bäume des Extertaler sind zuverlässig auch an ihren sortentypisch segmentierten Stämmen zu erkennen. Die Stämme bilden (anders als bei anderen Apfelsorten) deutlich faltenartig voneinander getrennte Rindenabschnitte, von denen jeder jeweils einen Ast bzw. Kronenteil mit einem bestimmten korrespondierenden Wurzelabschnitt verbindet.

Der Extertaler ist – wie schon im Baumschulkatalog der Baumschule Eikermann von 1933 hervorgehoben wird – sehr robust gegenüber Obstbaumkrebs und kann daher auch auf schweren Böden problemlos angebaut werden. Auf der anderen Seite ist er deutlich anfällig gegenüber Blatt- und Fruchtschorf und sollte daher nur auf gut durchlüfteten Standorten gepflanzt werden.

Die Erträge beginnen mittelspät und sind dann mittelhoch bis hoch, etwas alternierend. Die Bäume können sehr alt werden. Die Blüte im Frühjahr zeitigt mittelfrüh bis mittelspät. Das Laub ist mittelgroß, oval und dunkelgrün.
Verwechsler
Nelkenapfel (Westfalen), Anhalter, Geseker Klosterapfel, Westfälischer Gülderling
Anbaueignung
Alles in allem ist der Extertaler mit seinen großen und langlebigen Bäumen eine typische robuste Streuobstsorte. Angesichts der deutlichen Schorfanfälligkeit sowie der nur mäßig saftigen Früchte ist die Sorte heute jedoch nur noch eingeschränkt empfehlenswert.
Fruchtfotos
Extertaler
Extertaler - geschnittene Frucht
Extertaler - geschnittene Frucht
Extertaler - Frucht am Baum
Extertaler - Frucht am Baum
Baum im Laub
Extertaler - Baum im Laub
Baum in Blüte/Winter
Extertaler - Baum im Laub (2)
Rinde
Extertaler - Stamm mit typischer Rindensegmentierung
Literatur
Praktischer Ratgeber für den Obst- und Gartenbau 1921, Nr. 3 v. 16.01.1921
Praktischer Ratgeber für den Obst- und Gartenbau 1930, S. 525
Katalog der Baumschule Eikermann, Kalletal-Hohenhausen (1933)
Lenders (1937): Anleitung zum Obstbau. Vlg. Serger & Hempel (Braunschweig), S. 112
Möhring (1942): Ueber die Bedeutung der einheimischen Obstsorten für den Neuaufbau des deutschen Obstbaues. In: Rhein. Monatsschrift für Obst-, Garten- und Gemüsebau, Heft 12, 35. Jg., Dezember 1942
Bannier (2022): Alte Obstsorten - neu entdeckt für Westfalen und Lippe. Hrsg. Stiftung für die Natur Ravensberg, 4. Aufl. 2022, S. 41 (+ Bildtafel)

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