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Josef Musch

Verfasst von Hans-Thomas Bosch am 19 Juni 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Studioaufnahme
Gefährungsgrad
Standardsorte
Regionalsorte
nein
Reifezeit
ab etwa Mitte September pflückreif und bis Dezember haltbar; in raueren Lagen mit entsprechend späterer Reife und Haltbarkeit bis etwa Januar
Herkunft
Einheitlich wird in der früheren Literatur als Herkunft die Region Lüttich angegeben und dass sie über die dortige Baumschule Galopin vermehrt wurde (Thomas 1873; Pomologische Monatshefte 1887).
Erst die jüngere Literatur erwähnt Joseph Musch als denjenigen, der die Sorte aufgefunden hat und nachdem sie auch benannt wurde (Populer 1979). Die Ersterwähnung wird auf 1872 datiert (Silbereisen 1996; Lateur 1999). Renner (2007) weist schließlich auf den englischen Autor J. Scott (o. Jahr) als Quelle hin, in der sie erstmals erwähnt wurde. Zwar erscheint diese Publikation ohne Jahresangabe, in dem Vorwort erwähnt der Autor jedoch das Jahr 1872 im Zusammenhang mit der Erstellung des Buches.

Vermutungen in der Literatur, dass Josef Musch von Baumanns Renette abstammt, werden durch aktuelle molekulargenetische Analysen bestätigt. Sie ist ein triploider Sämling von Baumanns Renette.
Verbreitung
Über die Verbreitung der Sorte Josef Musch in ihrem Herkunftsland Belgien liegen derzeit keine Informationen vor. Soweit aber bekannt, behandeln belgische Pomologien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Sorte nicht.

Erst mit Populer (1979) liegt eine Publikation vor, die die Sorte als Teil der Sammlung alter belgischer Apfel- und Birnensorten beschreibt, die in der Forschungsanstalt Gembloux erhalten werden. Dort geht sie ein in eine Empfehlungsliste gering anfälliger Sorten für den Liebhaberanbau (Lateur 1999).

In Baden-Württemberg und Bayern gibt es verbreitet Altbäume der Sorte, insbesondere in den mittleren und raueren Lagen. In Sortenerfassungen in allen Kreisen des Bayerischen Schwaben findet sie sich unter den häufig vorkommenden Sorten.

Sowohl Trenkle (1950) für Bayern, als auch Seitzer (1956) für Baden-Württemberg empfehlen sie als geeignet auch für raue Lagen. Allerdings muss sie in diesen Regionen angesichts des Alters einiger Bäume auch schon vor 1950 verbreitet worden sein. In der überregional bedeutenden Pomologie "Deutschlands Obstsorten" wird sie jedoch nicht beschrieben, auch nicht in der Pomologie des Baden-Württembergischen Autors Schaal (1930-1933).
Frucht
insgesamt große, flach- bis hochkugelig geformte Früchte; Relief schwach unregelmäßig;
mittlere Druckfestigkeit; trocken-glatte Schale;
Grund- und Deckfarbe insgesamt etwas düster; Deckfarbe teils sehr ausgedehnt, schwach streifig abgesetzt bis schwach deckend; Lentizellen weißlich, teils verkorkt, dann fühlbar, zahlreich und groß; geringe, fein konzentrische Berostung in der Kelchgrube, in der Stielgrube auch ausgedehnterer Rostklecks von feiner Struktur;
Kelchgrube eher weit und tief; Kelchblätter kurz und breit; Kelch halboffen, auch geschlossen und groß;
Kelchhöhle trichterförmig, breit, mit mehr oder weniger langer, aber deutlicher Kelchröhre;
Kernhausachse geschlossen; Kernhauswände glatt oder schwach gerissen;
Kerne groß (bis sehr groß), länglich schmal und deutlich gespitzt, kastanienbraun und meist schlecht ausgebildet;
Fleisch weich, etwas grießig, weißgelb und nur gering bis mäßig saftig;
mild süß-säuerlich; leicht gewürzt; insgesamt mäßig aromatisch

Besondere Merkmale:
große, mit auffälligen Schalenpunkten versehene Früchte (wirken teils wie gesprenkelt); großer Kelch in tiefer Grube; mit deutlicher Kelchröhre; mäßig saftig


Baum
Baum wächst mittelstark bis stark; triploid; (hoch-) kugeliges Kronenbild
Verwechsler
Baumanns Renette (hält deutlich länger auf dem Lager, saftiger, deutlich druckfester, Baum kleinkroniger)
Anbaueignung
häufig in höheren Lagen, auch in rauen; insbesondere wird die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schorf hervorgehoben (Lateur 1999; Silbereisen 1996); im Vergleich zu Altbäumen der rauen Lagen der Schwäbischen Alb zeigen einige alte Bäume des Bayerischen Allgäus ein deutlich kräftigeres Wachstum mit imposanten Kronenausdehnungen; möglicherweise spielt dabei die bessere Wasserversorgung eine Rolle gegenüber den flachgründigen, oft sommertrockenen Standorten der Schwäbischen Alb.
Die Sorte wird vorwiegend frisch verzehrt oder zügig verwertet; oft werden von Nutzern die nur mäßige Saftigkeit und das schnelle Mehligwerden auf dem Lager als Nachteil angeführt.
Fruchtfotos
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Früchte am Baum
Früchte am Baum
Baum im Laub
Baum im Laub
Baum in Blüte/Winter
Baum im Winter
Literatur
Scott, J. (o. Jahr): Scott's Orchardist, or Catalogue of Fruits, cultivated at Merriott, Somerset. London. S. 127.
Thomas, O. (1873): Guide Pratique de l‘Amateur de Fruits. Metz, Frankreich. S. 136.
Ohne Autor (1887): Josef Musch. Pomologische Monatshefte. 13. Jahrgang. Stuttgart. S. 3f.
Trenkle, R. (1950): Obstsortenwerk. Die anbauwürdigsten Obstsorten Bayerns. München. S. 87f.
Seitzer, J. (1956): Farbtafeln der Apfelsorten. Stuttgart. S. 32f.
Populer, R. (1979): Liste des anciennes variétés belges de poirier et pommiers reunis a la station de phythpathologie a Gembloux. Gembloux. S. 54 und S. 66.
Silbereisen et al (1996): Obstsorten-Atlas. 2. Auflage. Stuttgart. S. 145f.
Lateur, M. (1999): Variétés anciennes d'arbres fruitiers peu sensibles aux maladies, diffusées sous le sigle "Ressources Génétiques Fruitières" par la Département de Lutte biologique et Ressources phytogénétiques du C.R.A. Gembloux. Fiches descriptives.
Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e.V., Gesellschaft für Pomologie und Obstsortenerhaltung Bayern; (Hrsg., 2007)): Renner, F. (Autor). Apfel- und Birnensorten Europas. Donauwörth 2007. S. 135.

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A-3261 Helmut Keil Römersberg 3
64407 Fränkisch Crumbach
Deutschland
hskeil@medianet-world.de
A-21621 Hersbrucker Alb e.V Streuobstinitiative Röthenbacher Str. 3
90518 Altdorf
Deutschland
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