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Westfälischer Frühapfel

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 4 Juli 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Westfälischer Frühapfel
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Regionalsorte
ja
Synonyme
Frühapfel
Reifezeit
Die Pflückreife des Westfälischen Frühapfels beginnt bereits Mitte August. Da die Sorte folgernd reift, kann die Ernte am Baum „von außen nach innen“ über bis zu 3 Wochen gestreckt werden. Auf dem Lager halten die Früchte jedoch nicht lang, sondern sollten jeweils ca. 2-3 Wochen nach dem Pflücken verbraucht sein. In manchen Jahren kann Fleischbräune auftreten.
Herkunft
Die genaue Herkunft des Westfälischen Frühapfels ist unklar. Die Sorte wurde unter anderem von der Baumschule Helfgerdt in Delbrück (Landkreis Paderborn) schon mindestens seit den 1950er Jahren unter dem Namen „Frühapfel“ in Umlauf gebracht. Es handelt sich um eine eigenständige alte Sorte, die sich nicht in den Sortenbeschreibungen der einschlägigen pomologischen Literatur wiederfindet, sondern nur mündlich überliefert ist und von örtlichen Baumschulen vermehrt wurde. Die Sorte ist auch nicht in früheren Empfehlungslisten der Landwirtschaftskammern in Westfalen und Lippe zu finden.
Verbreitung
Bäume der Sorte finden sich heute im Streuobst auf alten Bäumen in den Landkreisen Paderborn, Bielefeld, Lippe, Herford und Gütersloh, während die Sorte anderswo in Deutschland bisher nicht angetroffen werden konnte, Daher haben wir die Sorte – in Abgrenzung zu anderen, „Frühapfel“ genannten Sorten – als 'Westfälischer Frühapfel' benannt. Unter diesem Namen ist die Sorte seit einigen Jahren auch im Reisermuttergarten Bonn der ORG GmbH erhältlich.
Frucht
Frucht mittelgroß, abgerundet kegelförmig, zum Kelch hin deutlich verjüngt, stielbauchig; anfangs mittelfest, nach Lagerung mäßig druckempfindlich. Schale glatt, baumfrisch hell bereift, mattglänzend, nach Lagerung trocken bis schwach wachsig, mitteldick, mürbe, bei Verzehr wenig störend.

Grundfarbe weißlich grün bis gelblich grün, bei Reife weißlich gelb. Deckfarbe dunkel- bis purpurrot, teils rosa oder violett rot geflammt, gestreift, baumfrisch weißlich bereift. Bei stark gefärbten Früchten ist die Streifung auch in eine verwaschene bis flächige Röte getaucht. Die Färbung geht vornehmlich von der Stielseite aus und erstreckt sich teils über die Hälfte bis zwei Drittel der Frucht, teils über die gesamte Frucht. Stark gefärbte Früchten manchmal mit hellen Schimärenstreifen, Schattenfrüchte blass rosa oder rosa-purpur.

Stielgrube mittelweit, mitteltief, Seiten mittelsteil, ebenmäßig, öfters fein hellbraun berostet, Berostung teils strahlig auslaufend. Stiel meist kurz, variabel auch mittellang, knapp mitteldick, holzig, meist nur gering aus der Stielgrube herausragend.

Kelchgrube flach bis mitteltief, eng bis mittelweit. Seiten mittelsteil oder flach, manchmal mit kleinen Falten oder Fleischperlen am Kelch. Kelchumgebung ebenmäßig oder mit schwachen Wülsten. Kelch klein bis mittelgroß, geschlossen oder halboffen.

Kelchhöhle dreieckig. Stempel mitteldick, nicht wollig, Staubfäden mittelhoch verwachsen. Kernhaus mittelgroß, Achse geschlossen oder schmal geöffnet. ‚Core-Line’ mittelweit ums Kernhaus. Kernhauswände meist ohrenförmig oder bogenförmig, variabel gering oder stärker gerissen. Kerne voll entwickelt, kastanien- bis dunkelbraun, breit, relativ kurz, ca. 7,5 bis 8 mm zu 5 bis 5,5 mm, unten stumpf gespitzt.

Fruchtfleisch hell gelblich weiß, teils etwas grünlich weiß, in manchen Jahren auch rötlich geadert, um den Kelch öfters leicht rötlich. Mittelfeinzellig, mittelfest, vorwiegend säuerlich, leicht aromatisch. genügend saftig, nach Lagerung bald mürber werdend.

Baum
Der Baum des Westfälischen Frühapfels ist robust gegen Obstbaumkrebs und Mehltau u, allerdings etwas anfällig für Schorf. Bezüglich der Bodenverhältnisse ist er breit anbaufähig, sollte jedoch vorzugsweise an gut durchlüfteten Standorten gepflanzt werden.

Das Laub erscheint groß, kräftig und von einem mittleren bis hellen Grün. Die Blüte im Frühjahr zeitigt mittelfrüh und scheint wenig empfindlich gegenüber Witterungseinflüssen zu sein.

Der Westfälische Frühapfel kommt relativ bald in den Ertrag und trägt dann relativ reich, wenn auch alternierend. Als diploide Sorte ist er ein guter Befruchter auch für andere Apfelsorten.
Verwechsler
Charlamowski (andere Fruchtform), Gewürzluiken (andere Reifezeit).
Anbaueignung
Alles in allem ist der Westfälische Frühapfel eine interessante, weil sehr robuste und schön gefärbte Frühsorte für den extensiven Streuobstanbau. Das Aroma ihrer Früchte reicht allerdings nicht an das Aroma etwas später reifender Apfelsorten wie z.B. Gravensteiner, Biesterfelder, Jakob Fischer heran.
Fruchtfotos
Westfälischer Frühapfel (Studiofoto)
Westfälischer Frühapfel (geschnittene Frucht)
Westfälischer Frühapfel (Frucht am Baum)
Westfälischer Frühapfel (Frucht am Baum)
Baum in Blüte/Winter
Westfälischer Frühapfel (Blüte)
Literatur
Bannier (2022): Alte Obstsorten - neu entdeckt für Westfalen und Lippe. Hrsg. Stiftung für die Natur Ravensberg (Kirchlengern)

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