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Lucienkirsche

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 7 Juni 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Lucienkirsche
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Reifezeit
3. - 4. Kirschwoche
Herkunft
Die Lucienkirsche wurde um 1800 vom Rentmeister Uellner auf dem Gut Alt-Luneberg bei Bremerhaven entdeckt und in den Obstsortenwerken der damaligen Zeit beschrieben.
Verbreitung
Die Lucienkirsche hat schon im 19. Jahrhundert vor allem im Nordwesten Deutschlands starke Verbreitung gefunden. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. stand sie regelmäßig auf den Empfehlungslisten des Deutschen Pomologen-Vereins. Laut dem Sortenwerk 'Deutschlands Obstsorten' (1905-1934) war die Sorte aber auch in einigen Landkreisen des heutigen Sachsen-Anhalts und Sachsens verbreitet. Noch 1952 stand die Lucienkirsche auf den Empfehlungslisten der Landwirtschaftskammern Weser-Ems und Bayern. Unklar ist allerdings, ob es sich bei der im Süden und Osten Deutschlands verbreiteten 'Lucienkirsche' wirklich um diese gehandelt hat oder um die ähnlich aussehende 'Perlkirsche', welche auch heute noch ebenfalls verbreitet ist (in Mittelfranken unter der Bezeichnung 'Plaschen').

Heute ist die Sorte im Streuobst - mit wenigen regionalen Ausnahmen - nur noch selten vorkommend. In der Kirschgemeinde Hagen a.T.W. (bei Osnabrück) war die Lucienkirsche bis in die 1970er Jahre die meist angebaute Sorte.

Reiser der Lucienkirsche sind inzwischen wieder im Reisermuttergarten der ORG GmbH in Bonn erhältlich.
Frucht
Größe: Knapp mittelgroß, 20,5 : 20,5 : 18 mm (Länge : Breite : Dicke).

Grundfarbe weißlich gelb, hellgelb, sonnenseits rotlich oder leicht rosarötlich gefärbt, mit einer auffallenden hellen Strichelung. Die Rotfärbung ist i.d.R. stielseitig stärker und bei Überreife in der 4. KW sind die Früchte teils auch fast ganz gerötet.

Fruchtform: Abgerundet herzförmig, unten breit abgerundet, manchmal auch schwach gespitzt, in der Seitenansicht schmal bis mittelbreit. Stielgrube flach, zur Bauchseite hin nur gering eingesenkt. Die Bauchseite ist - wie die gesamte Frucht - ziemlich ebenmäßig, ohne Furche oder Buckel.

Stiele meist kurz bis mittellang, z.T. deutlich gerötet (ebenso wie der fruchtseitige Stielansatz).

Fruchtfleisch: Weißgelblich, weich, zu Beginn der Reife noch etwas säuerlich und wässrig, erst bei Voll- und Überreife dann aromatisch und süß.

Platzfestigkeit hoch - die Früchte bleiben oft bis zu 2 Wochen am Baum ohne zu platzen.

[Studiofoto Früchte: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de ]
Fruchtstein
Klein bis mittelgroß, 11,5 : 7 : 9 bis 12 : 8 : 10 mm (Länge : Breite : Dicke).

In der Seitenansicht asymmetrisch oval, stielseitig mit ausgeprägtem Häkchen. Bauchwulst mit scharfkantigen Furchen, wobei die äußeren (seitlichen) Kanten nach außen gebogen sind. Der Mittelwulst tritt stielseitig deutlicher hervor. Rückenseite mit deutlicher scharfer Naht.

[Studio-Foto Fruchtsteine: Herbert Fischer, https://www.fischer-fotostudio.de]
Baum
Stark bis sehr stark wachsend, sehr gesund, wenig anfällig für Krankheiten, z.T. sehr alt werdend. Leitäste steil aufrecht, bei älteren Bäumen dann jedoch mit außen überhängenden, fächerartig verzweigenden Fruchtästen. Stamm oft mit ausgeprägtem dickem Wulst an der Veredelungsstelle, die Edelsorte dort oft stärker als der Wildkirschstamm (seltener auch umgekehrt). Das Laub ist relativ groß, lanzettlich und oft typisch senkrecht herabhängend.

Blütezeit mittelspät bis spät, Blüte meist vor dem Blattaustrieb. Blüten typisch klein, meist kurzstielig und dichtbüschelig, wenig empfindlich gegenüber Kälte und Nässe.
Verwechsler
Perlkirsche (diese wurde möglicherweise auch historisch oft mit der Lucienkirsche verwechselt), mit derselben Reifezeit, ebenfalls deutlich gestrichelter Frucht und im Geschmack etwas fader als die Lucienkirsche; Esslinger Schecken (gleiche Reifezeit, ebenfalls gestrichelte Früchte, vermutlich aber nur in Baden-Württemberg verbreitet); Flamentiner (Syn. Türkine) mit ähnlicher Fruchtform, aber früher in der Reife (2. KW); Weiße Spanische (optisch ähnliche Frucht, aber etwas später reif, hoch aromatisch und etwas fester, außerdem leicht platzend)
Fruchtfotos
Lucienkirsche
Lucienkirsche
Lucienkirsche
Studiofoto Lucienkirsche
Fruchtsteine Lucienkirsche
Baum im Laub
Lucienkirsche
Baum in Blüte/Winter
Lucienkirsche
Veredlungsstelle
Lucienkirsche (Veredlungsstelle)
Laub
Lucienkirsche (Laub)
Anbaueignung
Robuste Streuobstsorte und Massenträgersorte, die auch in Jahren trägt, in denen es wenig Kirschen gibt. Vorteilhaft ist neben der guten Baumgesundheit auch die hohe Platzfestigkeit der Früchte bei Regen, nachteilig der (gegenüber anderen, gleichzeitig reifenden "Glaskirschen") etwas schwächere Geschmack. Aufgrund der frühen Reife kaum von den Maden der Kirschfruchtfliege befallen, außerdem weniger von Vögeln heimgesucht als dunkle Kirschen derselben Reifezeit.
Literatur
Truchsess (1819): Systematische Classification und Beschreibung der Kirschensorten. Vlg. Cottaische Buchhandlung, Stuttgart
Jahn et al. (1861): Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, Bd. 3. Verlag Ebner u. Seubert, Stuttgart
Müller et al. (1905-34): Deutschlands Obstsorten. Vlg. Eckstein & Stähle, Stuttgart
Müller (1911): Bericht über Kirschenschauen. Verlag der Landwirtschaftskammer, Halle/Saale
Trenkle (1962): Obstsortenwerk (Bd. 2, Anbauwürdige Steinobstsorten). Obst- u. Gartenbauverlag München
Braun-Lüllemann/Bannier (2010): Obstsortenwerk Alte Süßkirschensorten (S. 243 ff.)

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Kennzeichnungen

Gefährungsgrade

Am Beispiel der Kirsche:

Standardsorte

gefährdet

stark gefährdet

vom Aussterben bedroht

Regionalsorte

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