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Heimeldinger

Verfasst von Richard Dahlem am 10 Februar 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
ID: 174
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Synonyme
Bachapfel, Bremerling, Echter Hammeldinger, Gelber Trossapfel, Grüner Calville, Häämerabbel, Hämeldinger, Hammeldinger, Hammerapfel, Hämmerabbel, Heimelting, Heimerapfel, Hemelding, Hemeldinger, Hermeldinger, Hermelting, Heymelting (Hünerfauth 2003).
Reifezeit
Baumreife Ende September/Anfang Oktober, Genussreife bis Ostern (Hünerfauth 2003).
Herkunft
Über die Herkunft des Heimeldinger hat Klaus Hünerfauth gründlich recherchiert. Der nachfolgende Absatz über die Historie der Sorte ist dem Flyer zum Pfälzischen Obstbaum des Jahres 2000 (Hünerfauth 2003) entnommen.

Demnach wurde die Sorte bereits als ,,Heymelting" vom pfälzischen Theologen, Arzt und Botaniker Hieronymus Bock (1498 - 1554) und seinem Schüler Tabernaemontanus (†1590) in ihren Kräuterbüchern 1539 und 1588/91 als Lokalsorte ,,am Rheinstrom und im Obergaw" erwähnt. Im 18. und 19. Jahrhundert galt der Heimeldinger als eine der häufigsten Apfelsorten in der Vorderpfalz und am Haardtrand, dem Übergang zum Pfälzer Wald. Noch bis in die 1930er Jahre war der Heimeldinger bei der damaligen Obst- und Weinbauschule in Neustadt an der Haardt (heute Neustadt an der Weinstraße) im Versuchsanbau. Er entsprach wohl nicht den obstbaulichen und ernährungspolitischen Ansprüchen in der nationalsozialistischen Zeit und wurde als untauglich bewertet. Danach verliert sich die Spur des ursprünglichen Heimeldingers.

Eine historische Beschreibung des Heimeldingers liegt dem Autor nicht vor. Dafür gibt es einige Beschreibungen der Sorte ,Bremerling', die von Hünerfauth (2003) als Synonym für den Heimeldinger angeführt wird. Die erste vorliegende Beschreibung stammt von Diel (1826). Dieser beschreibt als ,Bremerling' einen plattrunden, sich geschmeidig anfühlenden, vom Baum hellgrünen und in der Reife zitronengelb werdenden Apfel ohne eine Spur von Röte. Diel weiß jedoch nicht, wo die Sorte herkommt und vermutet, dass sie als Sämling am Rhein aus der Vorzeit stamme. Aehrenthal (1842) übernimmt in seinem Werk Diels Beschreibung und fügt eine kolorierte Abbildung hinzu. Bei Dochnahl (1855) taucht dann das Synonym ,Hemeldinger' für die Rheinpfalz in seiner Bremerling-Beschreibung auf. Er versieht die Sorte zusätzlich noch mit der binären Nomenklatur ,,Fucigena palatina", was man in etwa mit ,,Pfälzischer einfarbiger Rundapfel ohne Aroma" übersetzen könnte. Oberdieck (in: Lucas & Oberdieck 1875) gibt im Wesentlichen die Beschreibung von Diel aus dem Jahr 1828 wieder und kritisiert die Aehrenthalsche Abbildung von 1842 als viel zu groß. Richard Zorn schließlich beschreibt den Bremerling im Jahr 1941 bezugnehmend auf Oberdieck (Kaiser 2019), allerdings mit widersprüchlichen Zeichnungen. Seine Schnittzeichnung zeigt einen Apfel mit kurzem und knopfigen Stiel, während eine seiner beiden Farbzeichnungen eine langstielige Frucht zeigt, die in diesem Merkmal auch der Schnittzeichnung von Oberdieck entspricht.

Im Jahr 1998 wurde nach einem pfalzweiten Presseaufruf durch den Arbeitskreis Historische Obstsorten der Pfalz eine Sorte mit der Bezeichnung ,Heimelding' aus Impflingen (Landkreis Südliche Weinstraße) gemeldet. Zwei Jahre später wurde ein Baum der gleichen Sorte in Kirchheim an der Weinstraße gefunden. Der Baum aus Impflingen ist heute der Ursprung für die heutigen (jüngeren) Bäume des (,,neuen") Heimeldingers.

Klar ist, dass der heutige Heimeldinger ein anderer Apfel als die von Diel (1826) als ,Bremerling' beschriebene Sorte ist. Dochnahl (1855) fügt der pomologischen Beschreibung der Frucht in seinem Werk unter Nr. 1141 noch hinzu, dass dies ein ,,Trossapfel" (Mostapfel) sei, der sich überaus großer Beliebtheit bei den Landleuten erfreue, an allen Straßen vorkomme und durch Baumschulen vermarktet werde. Bleibt festzuhalten, dass die Zuordnung des ,Hemeldingers' als Synonym für den ,Bremerling' nur durch Dochnahl erfolgte und die Pomologen vor und nach Veröffentlichung seines Werkes 1855 dieses Synonym nicht anführten.

Einerseits ist es nach Ansicht des Autors schwer vorstellbar, dass Dochnahl sich bei einer der seinerzeit häufigsten Sorten seiner Heimat derart vertan haben könnte und statt einer dunkelrot ausgefärbten Frucht versehentlich eine gelbe Frucht als Heimeldinger (bzw. Bremerling) beschrieben hat. Von daher müssen wir davon ausgehen, dass der historische Heimeldinger derzeit verschollen ist. Welche Sorte der heutzutage als solcher bezeichnete ,,Heimeldinger" tatsächlich darstellt, wird sich vielleicht in Zukunft auch mit Hilfe des genetischen Fingerprints aufklären lassen.

Andererseits hält nur Dochnahl (trotz mehrerer Beschreibungen des Bremerlings, die über einen Zeitraum von über 100 Jahren vorliegen) den Heimeldinger für identisch mit diesem. Zu bemerken ist weiterhin, dass weder in der umfangreichen Bestandserfassung von Goethe et al. (1890) noch in zwei vorliegenden Sortenempfehlungen von 1902 und 1921 für Bayern (zu der die Pfalz in dieser Zeit gehörte) ein Bremerling oder Heimeldinger erwähnt werden.
Verbreitung
Der (neue) Heimeldinger wurde seit dem Auffinden des Impflinger Baumes von der Baumschule Ritthaler vermehrt und verbreitet, so dass die Sorte heute vielfach angepflanzt worden sein dürfte.

Die Sorte wurde im Jahr 2000 vom Arbeitskreis Historische Obstsorten der Pfalz zum Pfälzer Obstbaum des Jahres gekürt, was ihren Bekanntheitsgrad und damit ihre Verbreitung gefördert haben dürfte.
Frucht
Der (neue) Heimeldinger ist kleinfrüchtig und kelch- wie stielseits gleichmäßig abgeplattet. In der Draufsicht sind die Früchte rund, ohne erkennbare Rippen oder Kanten.

Die Grundfarbe ist ein helles Gelb, welches jedoch nahezu vollständig von einem dunklen Rot bedeckt ist. Darin finden sich noch dunklere Marmorierungen. Hin und wieder gibt es auf der Frucht kleinere Rostfiguren. Die Schalenpunkte sind hell, verkorkt und vor dem Hintergrund der dunklen Deckfarbe auffällig.

Die Schale ist glatt und trocken, die Druckfestigkeit ist mittel bis fest.

Die Kelchgrube ist mittelweit und mitteltief, gleichmäßig schüsselförmig, ohne wesentliche Rippen und Kanten. Sie ist etwas zimt- bis olivfarben berostet und zeigt ein ringförmiges Muster. Der Kelch ist halboffen, die schmalen, mittellangen und filzigen Kelchblätter nach hinten umgeschlagen.

Die Stielgrube ist mittelweit, tief und strahlig oliv- bis zimtfarben berostet. Der Stiel ist mitteldick, kurz und ragt nicht über den Stielgrubenrand hinaus.

Die Kelchhöhle ist klein und dreieckig. Das Kernhaus ist mittig, klein und hat glatte, ohrenförmige Kernhauswände. Die Achsenhöhle ist geschlossen. Die Frucht enthält zahlreiche kleine und etwas rundliche Kerne.

Das Fruchtfleisch ist grünlich-, bei Genussreife gelblichweiß. Es ist mittelfest, knackig und mäßig saftig. Es hat ein ausgewogenes Zucker-Säure-Verhältnis und ist gering aromatisch, aber erfrischend.

Besondere Merkmale:
- Deckfarbe tiefrot, meist marmoriert,
- Schalenpunkte hell vorkorkt, auffällig,
- Kelchgrube ringförmig berostet,
- Kelchblätter zurückgeschlagen,
- Kernhaus klein, Kerne zahlreich.

Baum
Der dem Autor bekannte, im Jahr 2001 gepflanzte Baum des (neuen) Heimeldingers entwickelt eine aufstrebende Krone mit steilen Leitästen. Er fruchtete schon wenige Jahre nach der Pflanzung und liefert seitdem einen regelmäßigen und im Verhältnis zur Baumgröße hohen Ertrag.
Verwechsler
Ingrid Marie
Diese hat heller umhöfte Schalenpunkte, ist coxaromatisch und ein Herbstapfel.

Moseleisenapfel
Dieser hat einen weißen, nicht abwischbaren Belag auf der Schale und eine olivfarbene Berostung in der Stielgrube.

Purpurroter Zwiebelapfel (Christkindler, Kohlenbacher)
Dieser hat eine purpurrote Deckfarbe, ist am Baum stark bereift, hat ein knopfiges Stielende sowie eine kurze und schmale Kelchröhre.

Anbaueignung
Der (neue) Heimeldinger ist eine gesund wachsende Sorte mit regelmäßigen und hohen Erträgen von gesunden und schmackhaften Früchten. Er hat auf jeden Fall einen Platz in Streuobstpflanzungen und auch im Garten verdient. Seine (geringe) Größe und intensive Ausfärbung machen ihn zu einem interessanten Weihnachts- und Kinderapfel.
Fruchtfotos
IDs: 176, 175 & 176
ID: 175
ID: 176
IDs: 176 & 174 bis 176
Literatur
Aerenthal, J. Freiherr von (1842): Deutschlands Kernobstsorten dargestellt in Abbildungen nach der Natur. Dritter Band. Prag, Druck Carl Wilhelm Medau, 132 Seiten.
Diel, Dr. A. F. A. (1826): Systematische Beschreibung der vorzüglichsten in Deutschland vorhandenen Kernobstsorten. Viertes Bändchen, Äpfel - Birnen. Stuttgart und Tübingen, J. F. Cotta'sche Buchhandlung, 232 Seiten, S. 123 - 126.
Dochnahl, F. J. (1855): Systematische Beschreibung aller Obstsorten. 1. Band. Äpfel. Nürnberg, Wilhelm Schmids Buch- und Kunsthandlung. 369 Seiten.
Goethe, R., Degenkolb, H. & Mertens, R. (1890): Die Kernobstsorten des deutschen Obstbaues. Berlin, Druck Gebr. Unger, 160 Seiten.
Hünerfauth, K. (2003): Der ,,Heimeldinger" - Pfälzer Obstbaum des Jahres 2000. Flyer, 2 Seiten.
Kaiser, U. (2019): Richard Zorn: Verzeichnis aller in Deutschland angebauten Kernobstsorten. Kommentierte Erstveröffentlichung seines Hauptwerkes (1896 - 1944). Wiebelsheim, Quelle & Meyer Verlag, 720 Seiten.
Lucas, E. & Oberdieck, J. G. C. (1875): Illustrirtes Handbuch der Obstkunde. 4. Band. Äpfel. Stuttgart, Verlag von Eugen Ulmer, 579 Seiten.
Mertens, R. (1902): Die Obstsorten für Bayern. Nürnberg, Druck und Verlag von U. E. Sebald. 71 Seiten + zwei Tabellen.
Rebholz, Fr. (1921): Empfehlenswerteste Obst-Sorten Bayern. 3. Auflage. Ansbach, Verlag Bayer. Landesverband für Obst- und Gartenbau, 128 Seiten.
Diese Sortenbeschreibung wurde möglich durch eine Spende von:
Alancri Stiftung

Reiserabgabe

Akzessions-Nummer Name Anschrift E-Mail-Adresse
A-2823 Dr. Norbert Clement Alte Kirchhofsgasse 10
35037 Marburg
Deutschland
norbert.clement@posteo.de
A-2824 Jens Dreyßig Strichweg 51
27474 Cuxhaven
Deutschland
jens.dreyssig@gmx.de
A-7565 Dr. Philipp Eisenbarth Im Röhrich 56
67098 Bad Dürkheim
Deutschland
philipp-eisenbarth@t-online.de
A-7837 Dr. Philipp Eisenbarth Im Röhrich 56
67098 Bad Dürkheim
Deutschland
philipp-eisenbarth@t-online.de

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